Landesliga 02

Ohe beendet Billstedter Heimserie – aber ein vermeintliches Spucken, ein Schlag und ein Polizeieinsatz überschatten das Spiel!

06. Dezember 2021, 21:21 Uhr

Der Oher Till Witmütz musste am Sonntagnachmittag eine ganze Menge wegstecken. Foto: Bode

Tore von Daniel Walek (49.), Marco Braesen (76.) und Maxim Gassman (80.) sicherten dem FC Voran Ohe den vierten Sieg in den letzten sechs Spielen und brachten dem SC V/W Billstedt gleichzeitig die allererste Heim-Niederlage bei. Doch das Sportliche geriet angesichts der Vorkommnisse in der 85. Spielminute, als die Partie sogar unterbrochen werden musste und die Fortsetzung auf der Kippe stand, komplett in den Hintergrund!

Der Auslöser für die Eskalation war ein Foulspiel an den Ex-Dassendorfer Muizz Saqib. Foto: Bode

Was war passiert? Nach einem Foulspiel an Muizz Saqib, der daraufhin Kopf an Kopf mit seinem Gegenspieler stand, kochte die Stimmung am Öjendorfer Weg komplett über. Eine Billstedter Fangruppierung legte sich mit Munib Saqib, Bruder von Muizz, am Spielfeldrand an und bedrängte den Oher Akteur, der die Partie aufgrund eines Kreuzbandrisses von außen verfolgen musste. „Laut eigener Aussage“, wie uns Ohes Teammanager Daniel Schmitt verrät, soll Munib Saqib im Pulk zu den V/W-Anhängern gesagt haben: „Ey, chillt mal, Jungs – das ist nur Fußball.“ Daraufhin ging es hoch her. „Von Munib ist garantiert keine Eskalation ausgegangen“, ist sich Schmitt sicher. „Der Junge wurde gerade erst operiert und kann sich kaum bewegen. Der wird sicher nicht auf 20 Leute losgegangen sein.“

"Es hat so laut geklatscht, das hat man über die komplette Anlage gehört"

Sofort rannten nahezu sämtliche Akteure beider Teams zum Ort des Geschehens. Es kam zu einer Rangelei – und zu einer Situation, die nicht nur Schmitt „noch nie erlebt hat“. Till Witmütz, der kurz vor seiner Auswechslung bereits vom Billstedter Spieler mit der „Nummer zehn“ angerotzt worden sein soll, kassierte vom „Vierer“ einen Schlag ins Gesicht. „Mit voller Wucht und mit voller Absicht! Es hat so laut geklatscht, das hat man über die komplette Anlage gehört“, zeigte sich Schmitt fassungslos. Dennoch hat „Till weder auf das Spucken noch auf den Schlag reagiert, sondern ist einfach weggegangen“, bekundete der Oher Manager seinen Respekt vor seinem Schützling. Nichtsdestotrotz: „Er war völlig geschockt – und ist es immer noch.“

Witmütz stellt Strafanzeige

Der verletzte Munib Saqib weilte unter den Zuschauern am Öjendorfer Weg. Foto: Bode

Witmütz zog sich beim Schlag „nicht unerhebliche Verletzungen im Kopfbereich“ zu, musste sogar kurzzeitig ins Krankenhaus und hat inzwischen Strafanzeige gestellt. Weder die Schiedsrichter noch der anwesende Schiedsrichter-Beobachter Norbert Grudzinski haben etwas mitbekommen oder vermerkt. Unglaublich! Nach kurzer Unterbrechung wurde die Partie schließlich zu Ende gebracht. Eine Begegnung, die bis zu jener Szene „hart aber fair – sogar mir Fairplay-Gesten auf beiden Seiten“ geführt wurde, wie Schmitt befand.

Doch nach Spielschluss ging es noch weiter, so dass der Manager nach Drohungen eines Billstedter Spielers in Abstimmung mit den Mannschaftskapitänen die Polizei alarmierte. Zwar habe sich die Szenerie schnell wieder beruhigt, aber: „Wenn’s zu einer Körperverletzung auf dem Platz kommt, die nicht geahndet wird, Spieler und Zuschauer teilweise aggressiv sind und Drohungen ausgesprochen werden, dann rechtfertigt das in meinen Augen absolut, dass man zumindest präventiv die Polizei ruft.“

"Haben die Vorfälle an den Verband weitergeleitet"

Ohes Manager Daniel Schmitt (Mi.) rief nach den Vorkommnissen und Drohungen die Polizei. Foto: Bode

Schmitt weiter: „Das bewegt uns alle und hat gewisse Spuren hinterlassen, dass so etwas an einem Sonntagnachmittag bei einem ganz normalen Landesligaspiel passieren kann, wo man bei lockerem Schneefall mit ‚Last Christmas‘ empfangen wird. Das, was gestern passiert ist, war weit über dem, was auf und neben einem Fußballplatz passieren darf! Das werden wir so auch nicht akzeptieren und haben die Vorfälle an den Hamburger Fußball-Verband weitergeleitet.“

Denn: „Man hat schon gemerkt, dass einige Spieler von Vorwärts gar nicht darauf klargekommen sind, was da passiert ist und das kennen wir von dem Verein so auch überhaupt nicht.“ Besonders hervorheben möchte Schmitt den Billstedter Ersatztorwart Said Sigariezar, der „zu uns gekommen ist, sich mehrfach entschuldigt und unglaublich aktiv mitgeholfen hat, die Situation zu deeskalieren. Er hat mit uns, den Spielern und den Fans gesprochen. Das rechne ich ihm ganz hoch an!“ Und auch seinen Jungs habe er nochmal gesagt, „wie stolz ich auf sie bin, dass wir mit dieser Situation, so schlimm sie auch war, vorbildlich umgegangen sind und uns zu nichts haben hinreißen lassen, sondern geschlossen als Mannschaft vom Platz gegangen sind“.

"Massive Provokationen und Beschimpfungen"

Und wie beurteilt man auf Seiten der Beschuldigten die Vorfälle? Manager Wolfgang „Karotte“ Krause, der ebenfalls deeskalierend eingewirkt habe, wie Schmitt erzählt, teilt uns auf Nachfrage mit: „Offenkundig kam es schon während des Spiels zu erheblichen und zum Teil massiven Provokationen und Beschimpfungen, die sich hochgeschaukelt haben. Von einem Oher Spieler sollen ziemlich drastische Aussagen getätigt worden sein. Das haben auch die Fans mitbekommen. Und dann nahm die Sache ihren Lauf.“ Er selbst habe Saqib gebeten, wie er sagt, „auf die andere Seite rüberzugehen. Aber das wollte er nicht.“

"Die Jungs wissen genau, womit sie den anderen empfindlich treffen können"

V/W-Manager Wolfgang "Karotte" Krause hat weder das vermeintliche Spucken noch den Schlag wahrgenommen. Foto: Bode

Krause betont, weder etwas von einem Spucken noch von einem Schlag gegen Witmütz mitbekommen zu haben. „Wir werden mit den Betroffenen erstmal sprechen und deren Sicht anhören. Auch mit der Mannschaft werden wir nochmal in den Austausch gehen. Denn nur, weil es Beschuldigungen gibt, gibt es noch keinen Handlungsbedarf. Wir werden das intern aufarbeiten“, verspricht er – und fügt an: „Solche Provokationen wirken auf junge Spieler ein. Die Jungs wissen heutzutage ganz genau, womit sie den anderen ganz empfindlich treffen können. Ein Spieler macht so etwas, was ihm dort vorgeworfen wird, ja nicht einfach so aus dem Stehgreif. Das sind eigentlich ganz liebe Jungs. Deshalb muss da irgendwas gewesen sein. Denn so etwas passiert nicht aus lauter Lust und Laune“, spricht Krause jedoch im Konjunktiv, da er eben selbst nichts wahrgenommen habe.

"So etwas wäre nicht zu entschuldigen"

Allerdings: „So etwas wäre nicht zu entschuldigen und darf auch nicht vorkommen! Es wäre mehr als bedauerlich und wir würden das auch niemals für gutheißen – um Gottes willen!“ Zudem entgegnet Krause auf Nachfrage, dass etwaige Provokationen ein solches Handeln keineswegs rechtfertigen und entschuldigen würden. Krauses abschließendes Statement: „Ich hasse jegliche Gewalt – nicht nur auf dem Sportplatz!“

Autor: Dennis Kormanjos

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