Oberliga 02

Ob mit oder ohne Haare: Nicht nur Casale und „Bohne“ tanzen mit den „Rothosen“ Fanfare!

23. Oktober 2021, 00:11 Uhr

Jubelnde Niendorfer im Hintergrund, ein geknickter und ungläubiger Torben Wacker im Vordergrund. Foto: noveski.com

„Die letzten Wochen sind der Wahnsinn. Langsam kriege ich das Kotzen. Das ist scheiße. Keiner hat Bock auf die Abstiegsrunde. Geht es so weiter, werden wir dort aber im nächsten Jahr spielen“, schimpfte Torben Wacker nach der 2:6-Klatsche am Reinmüller beim HEBC ins „Abendblatt“-Mikrofon. Was der Kapitän des HSV III damit gemeint hat? In Buchholz gaben seine „Rothosen“ in der Schlussphase eine 3:0-Führung aus der Hand und mussten sich mit einem 3:3-Unentschieden begnügen. In Osdorf kassierte die „Dritte“ des Hamburger SV eine sagenumwobene 1:9-Demütigung – gefolgt von der Packung beim HEBC. Aber: Vor heimischer Kulisse holten die Rabenhorst/Rahn-Rackerer sieben von neun möglichen Punkten. Zumindest ein kleiner Mutmacher vor dem Rückrundenauftakt gegen den Niendorfer TSV (Hinspiel: 2:2)...

Das 1:0! Dominik Jordan (2. v. re.) bringt den Ball im Kasten von Tobias Grubba unter. Foto: noveski.com

Auch das Spiel (alle Highlights im LIVE-Ticker) sorgte zunächst dafür, dass man das zuletzt verloren gegangene Selbstvertrauen ein Stück weit zurückerobern konnte – zumindest zu Beginn. Dominik Jordan verwertete eine Hereingabe von Mohamed Abd El Aal Ali zur Führung (11.). Doch die Wankelmütigkeit und Unsicherheit – vor allem in der Defensive – machte sich schnell bemerkbar. Binnen 120 Sekunden hatten die Gäste die Partie gedreht. Der unheimlich emsige Leandro Casale, der seine Fähigkeiten ein ums andere Mal unter Beweis stellte, mit einem Flachschuss (13.) sowie Martin Fedai mit einem 17-Meter-Strahl in den Giebel (15.) sorgten für das Niendorfer 2:1. Aber die „Rothosen“ ließen sich nichts anmerken, machten unbeirrt weiter – und zeigten Moral. Ganz cool und lässig verwandelte Theodoros Ganitis einen Foulelfmeter zum Ausgleich (23.), ehe Sepehr Nikroo ein Zuspiel von Jordan im kurzen Eck unterbrachte – 3:2!

"Wir sind wie kleine Kinder hergekommen"

Spiel gedreht: Martin Fedai (Mi.) bejubelt sein Tor zum 2:1 mit seinen Teamkameraden. Foto: noveski.com

So weit, so gut – konnte man aus HSV III-Sicht meinen. Während NTSV-Coach Ali Farhadi nach dem Spiel im Teamkreis monierte, dass seine Equipe „wie kleine Kinder hergekommen“ sei. Anschließend führte er aus: „Wir sind eine junge Truppe. Und man muss den Jungs auch zugestehen, dass sie zwischendurch mal nicht ganz so gut sind. Aber gefühlt 45 Minuten lang keine richtige Gegenwehr an den Tag zu legen und den Gegner machen zu lassen...“, monierte er, dass seine Niendorfer „nicht ins Spiel gekommen“ sind. „Wir machen zwei geile Tore, sind aber nicht dazu in der Lage, darauf etwas aufzubauen, was stabil ist. Das haben wir in der Halbzeit ein bisschen direkter angesprochen. Und ich glaube, die Jungs haben begriffen, dass es nicht immer so ‚larifari‘ geht.“

"Er fällt im Spiel auf – allein schon durch seine Haare"

Das 2:2! Theo Ganitis (re.) bleibt vom Punkt ganz cool und schickt Tobias Grubba ins falsche Eck. Foto: noveski.com

Während die Hausherren nun in alte Strickmuster verfielen, in der Rückwärtsbewegung ungeheure Lücken offenbarten und kapitale individuelle Schnitzer produzierten, wurde den „Sachsenweglern“ das Toreschießen leicht gemacht. Wacker spielte dem Gegner den Ball in den Fuß, der starke Casale war auf und davon – und Amir Ahmadi drückte das Runde ins Eckige (51.). Ein Tor gemacht, eins direkt vorbereitet – und auch beim zwischenzeitlichen 2:1 war Youngster Casale mit einem famosen Solo maßgeblich beteiligt. „Er fällt im Spiel auf – allein schon durch seine Haare“, hatte Farhadi die Lacher auf seiner Seite und spielte damit auf die „Afro-Mähne“ von Casale an. „Ich kenne seinen Vater sehr lange und gut. Der fragte mich im Sommer, ober mal bei uns mittrainieren dürfe. Ich habe ihm daraufhin gesagt: Entweder nehme ich ihn ganz oder gar nicht“, und so wechselte der Offensivallrounder aus der A-Jugend des SC Condor zum NTSV – und hätte am Freitagabend auch „drei bis sechs Tore machen können“, wie Farhadi meinte.

"Bohne" dreht auf

Hartes Einsteigen des starken Leandro Casale (li.) gegen Michael Ulbricht. Foto: noveski.com

Apropos sechs Tore: Nachdem den Kickern mit der Raute auf der Brust ein glasklarer Elfmeter verwehrt wurde, als Malik Yago gegen Nikroo deutlich zu spät kam (56.), ging es in der Schlussphase mal wieder dahin. Und wie! Nicht zuletzt, weil Daniel Brückner auch mit 40 Jahren noch kein bisschen (Fußball-)müde ist. Erst servierte er dem eingewechselten Lennart Merkle, dessen abgefälschter Schuss links unten einschlug, das 4:3 auf dem Silbertablett (83.). Dann war er nach scharfer Hereingabe des starken Theo Behrmann selbst zur Stelle (85.). Doch damit nicht genug. In der Nachspielzeit flankte „Bohne“ auf Merkle, dessen Schuss der bemitleidenswerte Jonas Marschner zwar noch entschärfte, aber gegen den Nachschuss von Ante-Akira Kutschke war er machtlos (90. +1). Das halbe Dutzend war voll!

"Stelle keinen Spieler öffentlich an den Pranger, aber es sind zu viele eklatante Fehler"

In den Schlussminuten wurde es ein Scheibenschießen: Daniel Brückner (Mi.) hat keine Mühe mehr, den Ball zum 5:3 für seine "Sachsenwegler" im Tor unterzubringen. Foto: noveski.com

„Die zweite Halbzeit war gut, auch die Wechsel haben gut geklappt“, war Farhadi im Endeffekt zufrieden. „Wir haben schon in Rugenbergen Mist gebaut. Das hat wehgetan. Jetzt müssen wir gucken, dass wir uns da oben so ein bisschen reinfressen.“ Auf die „Fresse“ bekommen hat schlussendlich erneut der HSV III. „Es war von der ersten bis zur 90. Minute total fahrig“, befand Marcus Rabenhorst – trotz Pausenführung. „Wir konnten nicht wirklich erkennen, was wir heute vorhatten und haben viel zu oft die falschen Entscheidungen getroffen. Wenn wir den Ball mal flach bei uns halten konnten, dann haben wir ihn lang gespielt – und andersherum.“ Das Hauptproblem: „Dass wir einfach nicht gemeinschaftlich vorangehen und gemeinschaftlich verteidigen. Das ist das A und O. Ich werde keinen Spieler öffentlich an den Pranger stellen, es nützt ja auch nichts. Aber es sind einfach zu viele eklatante Fehler.“

"Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen"

Der Treffer zum 6:3-Endstand für die Gäste: Ante-Akira Kutschke (re.) darf den Ball ungehindert im Kasten unterbringen. Foto: noveski.com

Zwar sei die Körpersprache im Vergleich zur Vorwoche eine ganz andere und ein kleiner Schritt nach vorne erkennbar gewesen, aber erneut sechs Gegentore seien einfach zu viel. „Es geht jetzt einfach darum, dran zu bleiben und Verantwortung zu übernehmen für das, was passiert – wir machen das. Und diese Erwartungshaltung haben wir auch an die Spieler, die aufgrund des Alters den Hut aufhaben müssten, dass die genauso hart mit sich ins Gericht gehen, bevor sie auf andere zeigen, die sich Woche für Woche den Arsch aufreißen“, brachte es Rabenhorst abschließend auf den Punkt.

Autor: Dennis Kormanjos

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