LOTTO-Pokal

„No-Look-Lüne“ eliminiert Teutonia – und äußert Kritik!

09. August 2020, 19:29 Uhr

Jan Lüneburg (Mi.) fliegt heran und hechtet die Kugel zum goldenen Treffer in die Maschen. Foto: KBS-Picture.de

Während der ehemalige Norderstedter und jetzige Teutonen-Torjäger Sinisa Veselinovic bei der Defensive der Eintracht bestens aufgehoben und nahezu komplett abgemeldet war, hatte sein einstiger Widersacher im EN-Angriff in der 79. Spielminute seinen großen Auftritt: Als ausgerechnet Nick Gutmann, Ex-Erfolgsgarant des Neu-Regionalligisten von der Kreuzkirche, in seinem ersten Pflichtspiel für das neue Team den Ball aus dem rechten Halbfeld butterweich gen Fünf-Meter-Raum flankte, wuchtete sich Jan Lüneburg mit all seiner Erfahrung und Power in die Hereingabe und hechtete das Runde an Semir Svraka vorbei zum entscheidenden „Luckypunch“ ins Eckige (alle Highlights im LIVE-Ticker). Der Siegtreffer für die Martens/Smith-Equipe – und der Einzug ins Pokal-Halbfinale! „Ich habe den Ball gar nicht gesehen, sondern bin einfach reingeflogen – und habe erstmal gehofft, dass es kein Abseits war, weil wir uns schon auf der Linie bewegt haben“, gestand der Matchwinner anschließend – und fand noch einige weitere klare Worte…

Nick Gutmann (li.) - hier gegen Dino Fazlic - wirbelte die Defensive seines Ex-Clubs gehörig durcheinander. Foto: KBS-Picture.de

Es sei das erwartet schwere Spiel gewesen, waren die ersten Worte von Jan Lüneburg nach der umkämpften Partie, ehe er erklärend ausführte: „Ich glaube, wenn man sich einfach mal so 18 neue Regionalligaspieler, die auch eine gewisse Qualität haben, holen kann, dann weiß man, auf was man da trifft.“ Gegen einige der Jungs habe man schon gespielt, „viele haben aber auch schon bei uns gespielt“, sprach Lüneburg damit unter anderem auf Marcus Coffie, Nick Brisevac, Sinisa Veselinovic oder auch Ömer Akyörük an, die allesamt in der Startelf der Ottensener standen und in den Jahren zuvor auch mal das Trikot der Eintracht trugen. „Deshalb wussten wir, dass uns eine Mannschaft mit Qualität erwartet“, machte „Lüne“ gar keinen Hehl daraus, gestand aber zugleich: „Ich hätte nicht, gedacht, dass es bei denen schon so gut läuft, ohne sie zu unterschätzen. Denn wenn man 18 neue Spieler hat, ist es wahnsinnig schwierig. Dafür haben sie uns sehr gut Paroli geboten.“

"Auch etwas Glück, dass der eine oder andere Freistoß an die Kreuzkirche geflogen ist"

Jan Lüneburg (li.) versucht es aus der Drehung gegen den Ex-Norderstedter Marcus Coffie - knapp drüber. Foto: KBS-Picture.de

Tatsächlich lieferte die neu zusammengewürfelte Elf von Chefcoach Achim Hollerieth dem erfahrenen Regionalligisten einen echten Kampf, hatte zum Schluss auch zweimal die Chance auf den späten Ausgleich. Doch Lars Huxsohl blieb sowohl gegen Davidson Eden als auch gegen den eingewechselten Abdel Hathat der Triumphator. Hinzu kam, dass die Mannen aus dem Edmund-Plambeck-Stadion „am Ende auch ein bisschen Glück hatten, dass der eine oder andere Freistoß an die Kreuzkirche geflogen ist und nicht ins Tor. Aber ich glaube, insgesamt hatten wir die klareren Chancen“, befand Lüneburg, der es schon als „besonders“ empfand, „nach so langer Zeit mal wieder ein Pflichtspiel zu bestreiten“.

"Wenn ich die Gegebenheiten sehe, weiß ich: Das funktioniert nicht!"

Kurz darauf war es soweit: Seinen Siegtreffer bejubelt "Lüne" mit dem "Fahnentritt". Foto: KBS-Picture.de

Allerdings äußerte der 29-Jährige, der einst unter der Regie des jetzigen Teutonia-Trainers Achim Hollerieth mit dem FC Elmshorn die Hamburger Meisterschaft errang, auch deutliche Kritik: „Wir sind natürlich alle froh, dass wir das unter gewissen Auflagen wieder machen und unserem Hobby nachgehen dürfen. Aber wenn ich dann lese, dass der HFV diesen Pokal-Wettbewerb und die Spiele gerne als Präsentation für den Senat haben will, um zu zeigen, dass alles funktioniert – und ich dann die Gegebenheiten hier sehe, dann kann ich gleich sagen: Das funktioniert nicht!“ Und weiter: „Wenn man gewisse Auflagen hat, man im Vorwege aber weiß, dass man sie nicht einhalten kann – und dafür brauche ich kein Experte zu sein, um zu wissen, dass man nicht mit 25 Mann in diese Kabine reinpasst, dann wird’s halt schwer. Und was ebenfalls sehr fragwürdig ist: Es wird ein Sicherheitskonzept entworfen und das wird nicht mal vom HFV abgenickt – und das weiß ich, dass sich das nicht mal angeschaut wurde, ob es beispielsweise die Möglichkeit eines Sicherheitsabstandes von anderthalb Metern gibt.“

"Wenn man's ganz genau nimmt, hat ja auch kaum einer von Teutonia ein Pflichtspiel hier gemacht"

EN-Coach Jens Martens (li.) bejubelt das Weiterkommen mit Verteidiger Hamajak Bojadgian. Foto: KBS-Picture.de

Abschließend konstatierte Lüneburg: „Amateursport auf Plätzen, wie es hier an der Kreuzkirche nun mal einer ist, ist aktuell sehr schwierig. In meinen Augen wäre es auch nicht notwendig gewesen, heute hier zu spielen. Denn letztendlich spielen sie ihre Heimspiele in der Saison eh an der Hoheluft und trainieren da, soweit ich weiß, auch viel. Ich glaube einfach, dass sie sich dadurch einen Vorteil erhofft haben, weil wir hier nun mal nicht so oft spielen. Aber wenn man es ganz genau nimmt, hat ja eigentlich auch kaum einer von denen ein Pflichtspiel hier auf dem Platz gemacht“, witzelte er mit einem Augenzwinkern – und feierte mit seine Teamkameraden den Einzug ins Halbfinale, wo nun der Altonaer Fussball-Club auf Norderstedt wartet.

Was beide Trainer nach den 90 Minuten zu sagen hatten und wie sie die Corona-Thematik beurteilten, seht Ihr im Video von der PK!

Autor: Dennis Kormanjos

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