Oberliga

Niendorf enttäuscht, Cordi überzeugt: „Das war das Gesicht, was nicht nur ich sehen will“

16. Februar 2020, 21:14 Uhr

Michel Netzbandt (re.) erzielte den 1:1-Ausgleich, hatte einen Pfostenschuss kurz vor dem 2:1 zu verzeichnen - und rettete einmal auf der Linie. Foto: KBS-Picture.de

Als der Schlusspfiff ertönte, ballte Frank Pieper-von Valtier die Fäuste und ließ ein lautstarkes sowie überzeugendes „Ja!“ folgen. Während Lorenz Lahmann-Lammert beim Abklatschen mit seinen Teamkollegen befand: „Dafür kann man sich auch mal feiern!“ Nur Matthias Stuhlmacher wusste anfangs nicht so recht, wie er das 2:2-Unentschieden gegen den Niendorfer TSV (alle Highlights im LIVE-Ticker) bewerten sollte: „So blöd das klingt: Aber eigentlich müssten wir enttäuscht darüber sein, nicht gewonnen zu haben“, so der Sportchef von Concordia. Dem entgegnete Niendorf-Trainer Ali Farhadi: „Vielleicht hat er ein anderes Spiel gesehen“, nahm er einen ganz anderen Spielverlauf wahr. „Das sind ja immer verschiedene Aspekte, die man betrachten muss. Er guckt wahrscheinlich darauf, wie oft sie aufs Tor geschossen haben. Wenn er das so sieht, ist das schön. Ich würde es für meine Mannschaft auch so sehen - und hier waren viele, die es auch so gesehen haben, dass wir klar besser waren. Aber das bringt mir nichts. Wir haben im Endeffekt gegen eine Mannschaft, die um den Klassenerhalt kämpft, nur einen Punkt mitgenommen. Das ist ärgerlich!“

Bereitete mal wieder beide Tore vor und war laut Farhadi der Spieler, über den alles bei Cordi läuft: Umut Kocin. Foto: KBS-Picture.de

Der Grund für Stuhlmachers Erkenntnis: Cordi beendete die Partie am Bekkamp lediglich mit neun Mann und musste ab der 26. Minute in Unterzahl agieren, weil der bereits gelbverwarnte Sulieman Omar seinem Team einen Bärendienst erwies, äußerst unclever zu Werke ging und gegen Lennard Speck den Schlappen drüber hielt. Schiedsrichter Johannes Mayer-Lindenberg zückte Gelb-Rot, was die Hausherren nicht wahrhaben wollten und sich darüber beschwerten, dass der Aktion ein vermeintliches Foulspiel an Damian Ilic vorausging, das ungeahndet blieb - genauso wie wenig später ein Nachtreten von Oliver Doege gegen Ilic (36.). Dennoch gelang Cordi in numerischer Unterzahl die 2:1-Führung - zuvor brachte Vedat Düzgüner den Gast in Front (8.), ehe Michel Netzbandt nach einer kapitalen Slapstick-Aktion der Niendorfer Hintermannschaft um Adam Benn und vor allem Tim Philipp Krüger nach Vorlage des stark nachsetzenden Umut Kocin prompt egalisierte (13.): Jan Novotny schädelte einen von Kocin getretenen Freistoß aus wenigen Metern wuchtig unter die Latte (53.). Kurz zuvor jagte der emsige Netzbandt das Leder mit einem wahren Geschoss an den Pfosten (52.). Nach dem Treffer war es Ilic, der freistehend nur das Außennetz traf (60.).

„Hätten wir das 3:1 gemacht, wären wir definitiv als Sieger vom Platz gegangen“

Niendorf-Coach Ali Farhadi sprach von „zwei verlorenen Punkten“, konnte mit dem Auftritt seines Teams aber dennoch nicht zufrieden sein. Foto: KBS-Picture.de

„Wir haben es geschafft, dass Niendorf nicht in der Lage war, sich klare Torchancen herauszuspielen - außer nach langen Bällen oder Standardsituationen, weil wir aus dem Spiel heraus so gut verteidigt und den Gegner so gut unter Druck gesetzt haben, dass dieser sich nicht in die Situationen reinspielen konnte“, konstatierte Pieper-von Valtier - und befand, dass seine Equipe dem Gegner „auch in Unterzahl in relativ vielen Situationen überlegen war. Vor allem, was Tempo, Zielstrebigkeit und Fleiß betrifft.“ Seine Jungs hätten „verdient das 2:1 gemacht, müssen dann das 3:1 machen - und ich bin mir absolut sicher, wenn wir das 3:1 gemacht hätten, hätten wir das Spiel definitiv gewonnen.“ Doch Cordi nutzte die Chancen nicht und kassierte nach einem langen Einwurf von Daniel Brückner, der unglücklich von Novotny verlängert wurde, durch Ilyas Afsin noch den Ausgleich (71.). In der Nachspielzeit musste dann auch noch Philip Pettersson wegen wiederholten Foulspiels vorzeitig vom Platz (90. +2). Dennoch reichte es für die „Sachsenwegler“ nur zu einem Remis. „Das ist ärgerlich und sind zwei verlorene Punkte, wenn man so lange in Überzahl spielt“, bilanzierte Farhadi. „Wir hatten von Beginn an eine gute Spielkontrolle, bis wir dann angefangen haben, zu naiv mit den Bedingungen, die es hier gibt, wie dem Wind, Gelaber und was weiß ich noch alles, umzugehen. Wir haben zu leichtfertig Bälle hergeschenkt und unterm Strich beide Tore selbst geschossen.“ Nicht nur das zwischenzeitliche 1:1, sondern auch der Treffer zum 1:2 aus Niendorfer Sicht „fällt so in keiner unteren Liga“, ärgerte sich Farhadi darüber, dass Keeper Marcel Kindler nicht aus seinem Gehäuse kam.

„Cordis Plan war klar zu erkennen: Lang und weit auf Umut“

Cordis Abwehrchef Jan Novotny wurde rechtzeitig fit und erzielte das zwischenzeitliche 2:1 per Kopf. Foto: Bode

So müsse man am Ende „mit dem Ergebnis klarkommen“, konnte Farhadi dem Resultat nicht viel Positives abgewinnen. „Wir haben es einfach verpasst, unser dominantes Spiel so durchzusetzen, dass wir ruhig bleiben, bis in die Box spielen und es generell besser ausspielen. Weil der Plan von Cordi war klar zu erkennen: Hinten die Bälle hin und her spielen, dann direkt nach vorne ballern - und Umut (Kocin; Anm. d. Red.) macht es dann schon. Man merkt, dass er unheimlich fleißig und immer der auffälligste Mann bei Cordi ist, aber dass ihm eben auch nicht immer alles gelingen kann. Und dann hat Cordi nicht den Plan B“, fand er klare Worte - und ärgerte sich über aus seiner Sicht „zwei verlorene Punkte“. Allerdings fehlten seinem Team nach dem Platzverweis gegen Omar, bis auf die ersten Minuten danach, auch jegliche Ideen und jeglicher Sprit nach vorne. Tatsächlich spielte man sich kaum bis gar keine klaren Torchancen heraus - außer nach ruhenden Bällen. „Ich denke, wenn wir das mit der gleichen Intensität wie zu Beginn weitergespielt hätten, dann wären wir auch als klarer Sieger vom Platz gegangen. Aber unterm Strich gehört auch immer ein Gegner dazu, Cordi hat das verdammt gut verteidigt - und man hat gesehen, dass ein Sieg gegen ein Team von unten keine Selbstverständlichkeit ist. Wenn man das so leidenschaftlich macht, dann holst du auch mal einen Punkt gegen eine Mannschaft, die oben steht“, lobte Farhadi die Defensive der Jenfelder, war aber nichtsdestotrotz der Meinung: „Wir müssen weiter Gas geben. Denn wir wollen oben dran bleiben und gehören auch nach oben. Aber wir müssen jetzt ein bisschen mehr tun.“ Zeigen konnte das der NTSV an jenem Nachmittag allerdings nur äußerst bedingt, dass man nach oben gehört. Doch Farhadi bekannte: „Wenn man so dominant spielt, wie wir heute, dann ist es ärgerlich, wenn du nur Unentschieden spielst.“

„Wir spielen uns trotz 60-minütiger Unterzahl mehr Torchancen heraus, als der Gegner“

Ilyas Afsin bewahrte sein Team vor einer Auftaktniederlage trotz über 60-minütiger Überzahl. Foto: KBS-Picture.de

Pieper-von Valtier hielt dagegen und konterte: „Es gibt nun mal keine Tabelle für Ballbesitz.“ Und weiter: „Wenn wir eine Gelb-Rote Karte kriegen, die aus einem Pressschlag resultiert und dann umstellen müssen, weil es dann erstmal darum geht, in die Pause zu kommen, um sich zu ordnen und neu einzustimmen, ist es doch klar, dass wir dem Gegner ein bisschen das Feld überlassen. Aber wir wollten auch weiter genau die Räume bespielen, wo Niendorf Probleme hat. Das haben wir gemacht und das hat man auch gesehen.“ Klar sei aber auch, dass das „natürlich nicht spurlos an einem vorbeigeht, wenn man über 60 Minuten in Unterzahl spielt.“ Letzten Endes konnte er aber einige positive Erkenntnisse sammeln: „Wir spielen uns trotzdem mehr Torchancen heraus, als der Gegner. Und wir haben gezeigt, dass wir wahrscheinlich auch noch bis morgen Früh hätten rennen können, um das Tor zu verteidigen. Das war in allen Belangen wirklich seine sehr gute Leistung von der Mannschaft.“ Man könne „höchstens über die fünf Minuten nach der Gelb-Roten Karte sprechen. Da waren wir etwas durcheinander, weil keiner die Karte verstanden hat, und mussten uns ein bisschen sammeln. Da gab es eine kleine Druckphase. Aber wir haben uns schnell wieder geordnet und hatten das Spiel auch im Griff - und dafür braucht man nicht immer den Ball, um ein Spiel zu kontrollieren.“

Erdmann aus dem Erdboden gestampft: „Er hat das überragend gemacht“

Frank Pieper-von Valtier sah von seinem Team „das Cordi-Gesicht“, was nicht nur er, sondern auch seine Spieler sehen wollen. Foto: KBS-Picture.de

Auf die Frage, ob das genau das Cordi-Gesicht war, was er von seinen Schützlingen sehen will, entgegnete Pieper-von Valtier: „Es war auf jeden Fall genau das Cordi-Gesicht, was nicht nur ich sehen will, sondern was auch die Spieler sehen wollen. Das hat in allen Belangen gezeigt, wie hochdiszipliniert wir sein können - und daran muss sich die Mannschaft auch messen lassen. Ich weiß, dass jeder Einzelne dazu in der Lage ist, das in egal welcher Situation abzurufen. Die Jungs müssen wissen, dass sie mehr können, wir das Spiel auf keinen Fall Unentschieden spielen brauchen und dass wir das genau so in die nächsten Spiele mitnehmen, reinbringen, aber trotzdem nochmal eine Schippe drauflegen und mehr wollen.“ Abschließend verteilte der Cordi-Coach noch ein Sonderlob an einen Spieler, den vor der Begegnung keiner auf dem Zettel hatte: Tim Erdmann. Da Tobias Braun (Aufbautraining nach Handbruch) und Tim Burgemeister (Kapselriss) ausfielen, musste der Torhüter der Zweiten Mannschaft zwischen die Pfosten und machte einen „überragenden Job“, fiel Pieper-von Valtier seinem Schlussmann direkt nach Spielende in die Arme. „Letzte Woche gegen Paloma hat er uns schon die nötige Sicherheit gegeben und gezeigt, dass er in der Lage ist, Oberliga zu spielen. Auch heute habe ich in keiner Situation des Spiels eine Unsicherheit feststellen können. Er war selbstbewusst, hat hinten rausgespielt anstatt zu schlagen, Situationen sehr gut bewertet, für sich entschieden und vor allem auch sehr gut mitgespielt. Hut ab und Kompliment!“

Autor: Dennis Kormanjos

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