Regionalliga Nord

„Niedergeschlagen!“ – „Rothöschen“ geben 2:0-Führung in Überzahl aus der Hand!

13. August 2022, 17:15 Uhr

Pingdwinde Beleme (re.) steigt gegen Niklas von Aschwege (Mi.) in dir dritte Etage. Foto: KBS-Picture.de

„Letzte Woche in Havelse haben wir es geschafft, eine Führung zu verteidigen – heute nicht. Daraus gilt es jetzt, die richtigen Schlüsse zu ziehen“, erinnerte Pit Reimers an den 2:1-Erfolg nach früher 2:0-Führung beim Drittliga-Absteiger – und richtete den Blick direkt wieder nach vorne. „Das ist ein Lernprozess für meine Mannschaft, auch in solchen Situationen zu bestehen und das Ding zu Ende zu bringen“, bot die Partie gegen den SSV Jeddeloh – der Erste vor diesem Spieltag hatte den Dritten zu Gast (alle Highlights im LIVE-Ticker) – einige Parallelen…

Pingdwinde Beleme (li.) krönt ein fulminantes Solo aus der eigenen Hälfte zum 1:0. Foto: KBS-Picture.de

Aber der Reihe nach. Lange Zeit hatten beide Teams mit der großen Hitze an der Hagenbeckstraße zu kämpfen. Der Gast aus Jeddeloh war bemüht, das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen. Die Rothosen reagierten über weite Strecken nur und agierten zu fehlerbehaftet im Spielaufbau. Torraumszenen waren auf beiden Seiten absolute Mangelware. Bis zur 40. Minute. Dort nämlich wurde ein Schussversuch von Niklas von Aschwege aus größerer Distanz geblockt – und sorgte für den postwendenden Gegenzug. Tief in der eigenen Hälfte kam Pingdwinde Beleme an die Kugel, setzte zu einem unnachahmlichen Solo an, schüttelte sämtliche Gegenspieler ab und schob freistehend vor SSV-Schlussmann Felix Bohe eiskalt zur Führung ins linke Toreck ein. Was für eine Einzelaktion!

"Das war zur Halbzeit mit Sicherheit etwas schmeichelhaft"

Moses Otuali (li.) auf dem Weg zum 2:0 für die "Rothöschen". Foto: KBS-Picture.de

Der in jener Szene mitgelaufene, aber im Abseits befindliche Moses Otuali ließ mit dem Pausenpfiff den zweiten Rothosen-Treffer folgen, als er einen kapitalen Bock in der Jeddeloher Hintermannschaft – von Aschwege vertändelte das Leder und geriet ins Straucheln – bestrafte (45. +2)! „Das war zur Halbzeit mit Sicherheit etwas schmeichelhaft, mit zwei Toren zu führen. So ehrlich muss man sein“, gab Reimers unumwunden zu. „Bei den Temperaturen war es ein intensives Spiel für beide Mannschaften – mit wenig Höhepunkten in der ersten Halbzeit. Wir wussten, dass Jeddeloh eine spielstarke Mannschaft ist und haben denen so ein bisschen den Ball überlassen“, verriet der Cheftrainer der HSV-U21 die Marschroute.

Der Gast lag mit 0:2 im Hintertreffen – und wusste wohl selbst nicht so recht, warum eigentlich. Mit einem Dreifach-Wechsel wollte SSV-Coach Björn Lindemann für neue Impulse sorgen. Aber der Start in den zweiten Abschnitt verlief denkbar schlecht. Zunächst konnte Bohe gegen den blank vor ihm auftauchenden Jonah Fabisch noch den dritten Gegentreffer verhindern (49.). Wenige Augenblicke später stürzte Bohe nach einem Steckpass von Juho Kilo aus seinem Gehäuse, kam aber gegen Beleme zu spät und bekam das Spielgerät an die Arme gespitzelt. Referee Felix Bahr zückte sofort den roten Karton (54.)!

Reimers hadert mit dem Knackpunkt...

Jonah Fabisch (li.) im Kampf um den Ball mit dem unglücklichen Niklas von Aschwege. Foto: KBS-Picture.de

2:0-Führung und ein Mann mehr – was sollte da schon noch groß schiefgehen? Das dachten sich wohl auch einige der 120 Zuschauer auf der Tribüne. Aber: Jeddeloh gab sich nicht geschlagen, kämpfte verbissen und fightete sich tatsächlich ins Geschehen zurück – wohlgemerkt in Unterzahl. Michel-Leon Hahn verwandelte einen Handelfmeter zum Anschluss (59.). Zuvor soll Leon Sommer einen Kopfball des Schützen nach einer Ecke mit dem Arm geblockt haben. Umstritten!

„Nach der Roten Karte war für uns so ein bisschen der Knackpunkt, dass der Anschlusstreffer relativ schnell danach fiel durch eine unglückliche Situation. Da passiert im Kopf eines 18- oder 19-Jährigen dann natürlich auch ein bisschen mehr als im Kopf eines 28-Jährigen. Und das ist genau unsere Aufgabe. Wir sind reifer, als im letzten Jahr. Aber man sieht schon in solchen Spielen wie heute, dass da noch ein weiterer Reifeprozess von Nöten ist, um auch solche Spiele mit drei Punkten zu beenden“, so Reimers, der zur Elfmeter-Entscheidung an sich „gar nichts sagen“ konnte. „Da war ich viel zu weit weg. „In jedem Fall wurde Jeddeloh auch danach über lange Bälle und Standardsituationen immer wieder gefährlich.“

"Wir sind heute natürlich enttäuscht aufgrund des Spielverlaufs"

Jeddeloh-Kapitän Shaun Minns (li.) stellt Bryan Hein und will ihn vom Ball trennen. Foto: KBS-Picture.de

Und keine zehn Zeigerumdrehungen später war es Mario Fredehorst, der nach einer Flanke von der rechten Seite und einem Griff ins Leere von Rothosen-Fänger Leo Oppermann, der unter Bedrängnis den Ball nicht entscheidend entschärfen konnte, per Fallrückzieher zum 2:2 vollstreckte (68.)! „In der Schlussphase können wir es sicherlich mit mehr Ruhe und etwas schneller spielen. Dann hätten wir vielleicht noch ein, zwei Chancen mehr kreieren und den entscheidenden Treffer landen können. Aber das gehört im Fußball dazu“, haderte der „Rothöschen“-Übungsleiter, der in buchstäblich letzter Sekunde fast doch noch einmal jubeln durfte. Aber Fabisch’s Schuss war zu unplatziert, ehe Dennis Duah im Nachsetzen zwar einköpfte, aber in der verbotenen Zone stand.

„Wir sind heute natürlich enttäuscht aufgrund des Spielverlaufs. Wenn du 2:0 führst und ein Mann mehr bist, dann willst du das Spiel natürlich auch unbedingt gewinnen. Deshalb sind die Jungs natürlich niedergeschlagen. Nichtsdestotrotz sind wir auf einen starken Gegner getroffen, der uns das Leben auch in Unterzahl nochmal so richtig schwer gemacht hat“, bilanzierte Reimers – und lobhudelte einen in der Tat nicht nur von der Moral her ganz starken Kontrahenten.

Autor: Dennis Kormanjos

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