05.05.2019

Nicht mit dem Fußballgott im Bunde - aber dank Pressel winkt weiter der Hexenkessel

„Meine Jungs kriegen immer auf die Schnauze“

Der Jubel der Teutonen nach dem Führungstreffer von Kapitän Gerrit Pressel. Foto: Kormanjos

Nach der überraschenden Niederlage gegen den FC Süderelbe (0:2) ist die Meisterschaft und Aufstiegsrunde zur Regionalliga für den FC Teutonia 05 in weite Ferne gerückt. Doch Trainer Sören Titze sagte seinen Jungs unmittelbar danach und vor den zu diesem Zeitpunkt verbliebenen vier Spielen bereits: „Ich erwarte, dass wir im Idealfall zwölf Punkte holen. Und wenn der Fußballgott es so will, dass die anderen nochmal patzen, dann ist das so. Aber dann wollen wir dieses Finale auch haben und werden dafür alles geben.“ Nach dem 1:0-Erfolg beim Niendorfer TSV (alle Highlights im LIVE-Ticker) stellte Titze jedoch fest, dass der angesprochene Fußballgott „heute nicht auf unserer Seite war“.

Lange Zeit schien es so, als würde es der Spieltag des FC Teutonia 05 werden. Die „Kreuzkirchler“ siegten am Sachsenweg beim Niendorfer TSV in einem eigentlich „langweiligen 0:0-Spiel“, wie Hausherren-Coach Ali Farhadi befand, durch einen von Gerrit Pressel verwandelten Foulelfmeter (64.). Zuvor brachte Niendorf-Verteidiger Tim-Philipp Krüger unnötigerweise Isaac Akyere zu Fall. Da der große „Rivale“ aus Altona bis kurz vor Schluss nicht über ein 0:0 gegen den SV Rugenbergen hinaus kam, witterten die Teutonen wieder den großen „Showdown“ am 17. Mai auf der Adolf-Jäger-Kampfbahn. Doch dann machte die Nachricht vom späten AFC-Führungs- und gleichzeitig auch Siegtreffer durch Hischem Metidji (86.) die Runde. „Das kriegt man natürlich schon mit – wäre ja auch schlimm, wenn nicht“, so Titze, der beim NTSV auf seine „komplette Achse im Zentrum“ verzichten musste. Neben Abwehr-Boss Davidson Eden (fünfte Gelbe) und Innenverteidiger-Partner Nikolas Mallwitz (am Freitag im Training umgeknickt) fehlte den 05ern auch noch Pascal Eggert (Muskelbündelriss). Während Niendorf-Coach Ali Farhadi ohne Dennis Thiessen und Ilyas Afsin auskommen musste.

„Es interessiert mich nicht die Bohne, wer Meister wird“

Ein herber Schlag für die „Sachsenwegler“ war der verletzungsbedingt Ausfall von Stammkeeper Marcel Kindler (Mi.). Foto: Kormanjos

Am Ende musste Farhadi die Erkenntnis ziehen: „Wir sind halt noch nicht so weit“, ehe er präzisierte: „Die Jungs, die meinen, sie sind so weit und können das auffangen, scheinen noch nicht begriffen zu haben, wie ich das gerne haben möchte.“ Man sei aktuell noch in einer Situation, „in der uns die Ordnung flöten geht, wenn wir das Spiel machen müssen oder wenn wir mal in die Situation kommen, schnell nach vorne spielen zu müssen – und dann hast du heute auch noch individuelle Ausfälle.“ Womit Farhadi unter anderem Leon Meyer, der sich neun Minuten vor Ultimo wegen eines absolut überflüssigen Einsteigens am gegnerischen Sechzehner gegen Georgios Cholevas die Ampelkarte einhandelte, und Marlon Stannis meinte. „Leon war heute nicht gut. Und Marlon hat lange nicht gespielt, war aber nach seiner Einwechslung in Dassendorf zehnmal besser als das, was er heute über 90 Minuten abgeliefert hat.“ Die Niederlage sei „ärgerlich, unglücklich und schade“, wie Farhadi meinte. „So bleibt es bis zum Ende spannend. Ich habe den Jungs auch gesagt, dass wir nicht die großen Meistermacher sind, sondern dass wir nur auf uns gucken. Letztlich interessiert es mich auch nicht die Bohne, wer Meister wird.“

„Keine wollte Risiko gehen, aber zeigen, was er kann und wer er ist“

Seine Schützlinge wurden jedenfalls nicht zum Teutonen-Stolperstein. Auch, weil Oliver Doege kurz vor der Pause die größte aller Chancen nicht nutzen konnte, sondern aus drei Metern am glänzend reagierenden Yannick Zummack scheiterte (44.). „Das passt absolut zu unserem Spiel heute, dass wir den nicht reinmachen“, so der NTSV-Dompteur. „Ich glaube auch, dass der Respekt der beiden Mannschaften voreinander groß war. Das hat man gemerkt. Keiner wollte großes Risiko eingehen, aber irgendwo doch so ein bisschen zeigen, was er kann und wer er ist.“ Aber: „Wenn du 0:1 verlierst, dann hast du irgendwas schlechter gemacht – auch wenn es nur ein Elfmeter war.“ Einer, dem ein Rückpass von Mustafa Ercetin auf Marc Kassler, der nach einer guten Stunde den verletzten Marcel Kindler im Kasten der Gastgeber ersetzte, vorausging. „Mit dem Ball wird Marc gleich erstmal begrüßt. Er trifft den nicht voll und dann kommt es zu der Situation, bei der Tim aber auch nicht so hingehen darf.“

„Haben uns als Team präsentiert, was mich freut, da wir immer auf die Schnauze kriegen“

Nach dem goldenen Tor des Tages demonstrierten die Spieler und Offiziellen der Teutonen ihre Geschlossenheit. Foto: Kormanjos

Trotz der personellen Ausfälle der Gäste in der Defensive konnte Niendorf kein Kapital daraus schlagen und kaum nennenswerte Abschlüsse verzeichnen. „Wir selbst haben nach vorne nicht so viele Chancen kreiert. Aber wir haben gut gearbeitet und uns als Team präsentiert. Was mich sehr freut, da meine Jungs immer auf die Schnauze kriegen. Heute haben sie sich hier als Einheit präsentiert“, machte Titze seinem Unmut ein wenig Luft. Dass es hintenraus noch einmal spannend wurde, lag auch an der Gelb-Roten Karte gegen Noor Al-Tamemy, der für ein Foulspiel und anschließendes Ballwegschlagen vom Platz geschickt wurde (89.). Damit fehlt Titze in der kommenden Woche gegen Vicky eine weitere Option. Dennoch muss ein Sieg her, will man weiter vom Endspiel gegen den AFC träumen. Von großem Druck will Titze aber nichts wissen: „Das ist ja nichts Neues, sondern schon seit der Winterpause so. Eigentlich ist der Druck jetzt sogar geringer, denn wir können es aus eigener Hand ja gar nicht mehr schaffen.“ Aber vielleicht schwenkt der Fußballgott auf der Zielgeraden ja doch noch einmal um…

Autor: Dennis Kormanjos

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