19.04.2019

„Nicht in die Spur gekommen“: Türkiye verliert „völlig unnötig“ gegen SVE-„Grenz-Überschreiter“

Eidelstedt punktet an der Fährstraße beim FCT mit einem 3:2-Sieg dreifach

Ein Bild, das Bände spricht: Türkiyes Farncis Giymah (li.) blickt konsterniert drein, die Spieler des SV Eidelstedt jubeln. Foto: Both

Nach knapp 50 Minuten war für Mümin Mus im Spiel des FC Türkiye gegen den SV Eidelstedt (Hier gibt’s den Live-Ticker der Partie zum Nachlesen) Schluss. Fortan lehnte der Stürmer der Gäste ein paar Meter von Trainer Sebastian Loether an der Begrenzung zum Spielfeld des Rasenplatzes an der Fährstraße und sah sich das Treiben auf dem Feld an. Was er da sah, dürfte dem „Oldie“ im Angriff der Wilhelmsburger ebenso wenig gepasst haben, wie seinem Coach. Denn: Die Hausherren gaben gegen den akut abstiegsgefährdeten Gast alle drei Punkte ab und bekleckerten sich bei ihrem Auftritt vor den gerade einmal 55 Zuschauern wahrlich nicht mit Ruhm.

„Die Niederlage war völlig unnötig. Wenn der Gegner so spielt, das man gegen ihn verlieren kann, sind Niederlagen nicht unnötig – aber dieses Ding heute war definitiv unnötig“, machte Sebastian Loether nach dem Schlusspfiff entsprechend auch keinerlei Hehl daraus, dass er gerade ein Paket an Unzufriedenheit mit sich herumschleppte. „Wir haben bei allen drei Gegentreffern mitgeholfen oder sie fast selbst gemacht. Das ist schon in der gesamten Saison von Anfang an so – egal ob unter Michael Fischer oder unter mir. Sowas ist echt problematisch“, konstatierte der Übungsleiter der Gastgeber, der schon früh den ersten überflüssigen Bock seiner Equipe sah: Mustafa Okur schubste im Strafraum Eidelstedts Ferhat Yildirim zu Boden, Schiri Jan Ole Augustin (SC Victoria) zögerte nicht lange und zeigte auf den Elfmeterpunkt. Siyar Cicek ließ sich die Chance zum Führungstreffer nicht entgehen (4.).    

Loether: „Wir haben bei allen drei Gegentreffern mitgeholfen “

Schwerer Stand: Eidelstedts Stephan Adjouman (re.) versucht sich gegen Türkiyes Alexander Krohn zu behaupten. Foto: Both

Immerhin: Der FC Türkiye antwortete prompt. Mümin Mus gab die Vorlage von rechts, Philip Pettersson vollendete in der Mitte völlig frei – 1:1 (8.). Wer nun aber gedacht hatte, der Ausgleich würde den Gastgebern einen Schub verleihen, der sah sich getäuscht. Immer wieder schlichen sich Stock- und Abspielfehler im Spiel der Loether-Elf ein, da allerdings auch Eidelstedt nicht viel mehr an hoher Fußball-Kunst zustande brachte, gab es zwar auf beiden Seiten Chancen, aber weitere Treffer blieben bis zur Pause dennoch die berühmte Mangelware. Nach dem Seitenwechsel jedoch schlug der SVE dann doppelt zu – und das binnen fünf Minuten.


Erst bediente Stephen Adjouman seinen Teamkollegen Morina Agonis – 2:1 für die Gäste (55.), dann flankte Nebojsa Laban von rechts und der Ball lag im Tor (61.). Agonis war in der Mitte wohl noch dran. Wie dem auch sei: Sebastian Loether jedenfalls ärgerte es enorm. „Wir haben in den letzten Wochen von einem 4-4-2 auf ein 4-4-3-System umgestellt und ich hab den Jungs gesagt: Wir können die Gegentore nicht verteidigen, also müssen wir vorne einfach mehr Tore schießen, als wir hinten kassieren. Im Spiel gegen Rantzau war die zweite Hälfte ärgerlich, weil wir den Gegner komplett an die Wand gespielt, aber – egal aus welcher Lage – nicht getroffen haben. Heute waren die Gegentreffer unnötig. Wir sind einfach nicht in die Spur gekommen. Was soll ich da noch mehr zu sagen...“, konstatierte Türkiyes Trainer geknickt.

Yaylaoglu: „Dass wir Türkiye nochmal rankommen lassen, war den Kräften geschuldet“

Zur Flanke angesetzt: Türkiyes Francisco Alves Monteiro (re.) beim Versuch, den Ball gefährlich vors Eidelstedter Tor zu schlagen. Foto: Both

Auf der anderen Seite war Hasan Yaylaoglu „komplett zufrieden. Die Jungs sind über ihre Grenzen hinaus gegangen, Das war eine super Leistung“, bilanzierte der Übungsleiter der Eidelstedter, der den Abstiegsaspiranten erst im Winter übernommen hatte, „seit ich da bin, sind die Jungs immer motiviert. Wir haben eine super Trainingsbeteiligung. Unser Sieg am 22. Spieltag gegen Elmshorn, die – bei allem Respekt – schlecht waren, musste sein, wenn man in der Liga bleiben will. Auch wenn es danach etwas mager war und wir – wenn man sich die Ergebnisse mal anguckt – auf den Kopf bekommen haben, haben wir uns vorgenommen, noch den einen oder anderen Sieg zu holen.“ 


In vielen Spielen, so Yaylaoglu weiter, „haben wir unsere Chancen nicht genutzt. Das war heute anders. Wir nutzen direkt die erste. Okay, danach zeigen wir unser altes Gesicht, als wir das 1:1 kassieren, aber ich habe meiner Mannschaft dann in der Halbzeit gesagt, dass sie alles zeigen muss, was wir in den letzten Wochen gelernt haben: Nicht aufstecken oder aufgeben, sondern noch einmal 45 weitere Minuten Gas geben. Dass wir Türkiye am Ende noch einmal auf 2:3 herankommen lassen, war den Kräften geschuldet. Ich hatte nur zwei Mann auf der Bank und konnte nicht öfter wechseln.“ Die gewonnenen drei Punkte hin oder her – für den SVE bleibt die Lage im Keller des Klassements weiterhin mehr als ernst: Der Abstand zum rettenden Ufer beträgt elf Punkte bei noch 15 in dieser Saison zu vergebenden Zählern...

Jan Knötzsch  

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