Oberliga

„Nicht am Limit“, Nimbus „befleckt“ - Niendorf verpasst Vicky ersten Heim-Dämpfer

Farhadi „ein kleines bisschen stolz“ - Spreitz hadert mit erster Halbzeit

23. November 2019, 16:24 Uhr

Alexander Borck (li.) will abschließen - doch Marin Mandic kommt ihm gerade noch in die Quere. Foto: Küch

Irgendwann musste es so kommen – am Freitagabend war es soweit: Die makellose Heimbilanz des SC Victoria hat den ersten kleinen Flecken erhalten. Nach neun Siegen in neun Spielen vor heimischer Kulisse musste sich Vicky gegen den Niendorfer TSV mit einem 1:1 zufrieden geben. Auch wenn Niendorf-Coach Ali Farhadi „ein kleines bisschen stolz“ war, „dass wir hier als erste Mannschaft einen Punkt mitnehmen“, attestierte er den Mannen von der Hoheluft zurecht den Stempel von der Heimmacht: „Es ist hier wirklich schwer, den Plan, den man sich zurechtlegt, umzusetzen. Das ist eine unglaublich gut organisierte Mannschaft, die zurecht neun Spiele hier gewonnen hat.“

Luca Ernst (li.) mit der artistischen Ballbehauptung gegen Tim Krüger (re.). Foto: Küch

Obwohl man erstmals ein wenig Federn lassen musste, sah Victorias Co-Trainer Martin Spreitz, der den privat verhinderten Marius Ebbers einmal mehr vertrat, „eine sehr ordentliche Leistung“ von seiner Mannschaft, „aber ich bin dennoch nicht zufrieden – vor allem mit der ersten Halbzeit“, fügte er an, ehe der Schweizer seine Meinung begründete: „Weil wir es im Gegensatz zu den letzten beiden Spielen nicht geschafft haben, völlig am Limit zu sein. Es war zwar sehr ordentlich, aber es waren so die letzten zwei, drei Prozent, die uns gefehlt haben. Wir waren oftmals einen Schritt zu spät, haben falsche Entscheidungen getroffen – sowohl mit als auch gegen den Ball – und es auch überhaupt nicht geschafft, in der ersten Halbzeit mal durchs Zentrum zu kommen. Wenn wir es geschafft haben, war meistens am Sechzehner Schluss.“ Und weiter: „Mit der ersten Halbzeit bin ich unzufrieden, da haben wir nicht an die Leistungen der letzten beiden Wochen angeknüpft.“

Vicky-Druck wird größer - „Die Torchancen konnte man ja schon nicht mehr mitzählen“

Schnell soll’s gehen: Dennis Bergmann (re.) beeilt sich nach dem Ausgleichstreffer mit dem Spielgerät. Foto: Küch

Und so marschierte seine Elf mit einem Rückstand in die Kabine. Verantwortlich dafür war Oliver Doege, der eine Hereingabe von Leon Meyer verwertete (18.). „Nach der Pause wollten wir es so ähnlich weiterspielen – mit einem etwas schnelleren Umschaltspiel“, so Farhadi auf der Pressekonferenz nach der Partie. Doch stattdessen wurde es für sein Team „von Minute zu Minute schwieriger, weil der Druck, den Vicky auf unser Tor ausgeübt hat, groß war“. Keine 180 Sekunden nach Wiederanpfiff war Dennis Bergmann zur Stelle und besorgte das 1:1 – nachdem NTSV-Keeper René Melzer einen Schuss von Magnus Hartwig nach vorne klatschen ließ. „Nach dem frühen Ausgleich fängt es in den Köpfen wieder an zu rattern. Danach standen wir stark unter Druck“, befand Farhadi. Aber: „Was alle defensiv abgearbeitet haben, war richtig stark. In der Phase kann Vicky auf jeden Fall in Führung gehen. Was sie da an Torchancen hatten, war ja schon nicht mehr mitzuzählen.“

„Schade, dass wir die Leichtsinnigkeit von Vicky nicht genutzt haben“

Klaas Kohpeiß (li.) hatte während der 90 Minuten diverse Großchancen für seinen SCV. Foto: Küch

Während Spreitz konstatierte: „Wir sind viermal auf die Abwehrkette von Niendorf zugelaufen und schaffen es nicht einmal, irgendeinen Innenverteidiger zu einer Entscheidung zu zwingen, dass er rausrücken muss. So haben wir diese Situationen mehr oder weniger kläglich vergeben.“ Dennoch sei „die zweite Halbzeit wesentlich besser“ gewesen. Bei „zwei, drei Szenen“ wundere er sich „jetzt noch, wie sie die verteidigt haben“, so Spreitz. „Vielleicht sollten wir mal beim Training spionieren kommen“, scherzte er – und resümierte: „Das Glück war nicht auf unserer Seite. Dennoch war die Leistung in der zweiten Halbzeit auf jeden Fall wieder so, wie wir uns das vorstellen.“ Sein Gegenüber hatte ein „sehr intensives und anstrengendes Spiel“ gesehen, in dem sich seine Truppe „unterm Strich den einen Punkt kämpferisch verdient“ habe, „spielerisch geht der Punkt an Vicky“. Abschließend meinte Farhadi: „Schade, dass wir die Leichtsinnigkeit von Vicky nach hinten nicht konsequent genutzt haben. Da hatte ich das Gefühl, dass sie das nicht so ernst nehmen, weil sie sich durch den Ballbesitz sehr sicher gefühlt haben.“ Eine Einschätzung, der Spreitz umgehen mit einem leichten schmunzeln widersprach.

Autor: Dennis Kormanjos

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