Saison 2020/2021

Neuer Modus: Von „geile Lösung“ über „nichts Halbes, nichts Ganzes“ und „Warm-Up-Runde“ bis hin zum „unfairen System“

04. September 2020, 16:20 Uhr

Die Saison 2020/2021 findet in einem vollkommen neuen Modus statt – dies hat der Hamburger Fußball-Verband bekanntgegeben. Foto: Bode

Seit dem heutigen Freitag ist neben der Einteilung der Staffeln für die Spielzeit 2020/2021 auch der neue Modus bekannt, in dem der Hamburger Fußball-Verband (HFV) die neue Spielzeit austragen lassen will: Innerhalb der Staffeln wird nur eine Hinrunde gespielt. Nach dieser Hinrunde wird jede Staffel in eine Meister- und eine Abstiegsrunde aufgeteilt. Aus der einfachen Hinrunde werden keine Punkte mit in die Meister- und Abstiegsrunden genommen. Wir haben uns bei Trainern, Spielern und Funktionären aus den Ligen umgehört und ein differenziertes Meinungsbild erhalten – inklusive einer klaren Kritik von einem Verein am laut Rahmenterminkalender nun doch um ein Wochenende nach vorn verlegten Oberliga-Start und einem Appell an den Verband, nochmal nachzudenken.

Marvin Schalitz (Abwehrspieler SV Curslack-Neuengamme, via Facebook-Kommentar): „In den letzten Wochen wurden der HFV und auch der Senat so viel kritisiert – und das zum Teil auch zurecht. Man muss dazu sagen: Allen recht machen kann man man es sowieso nie. In diesem Fall hat sich der HFV allerdings wirklich mal Gedanken gemacht. Wir haben endlich wieder ein Datum, an dem wir Fußball als richtigen Wettkampf spielen können. Lasst uns alle die Kritik beiseite schieben und mit Vorfreude die ersten Spiele herbeisehnen.“

Erkan Sancak (Trainer SC Hansa 11): „Ich denke, dass der HFV ein gutes Konzept für den aktuellen Spielmodus in einer so außergewöhnlichen Situation gefunden hat. Es bedarf jedoch etwas an Glück mit den Heim- und Auswärtsspielen. Trotzdem ist dieser neue Modus aus meiner Sicht fair für jeden Verein.“

Tan: „Es wird keine Saison, an die wir uns in der Zukunft gerne zurückerinnen“

Altenwerders neuer Trainer Muharrem Tan. Foto: Brussolo

Stilianos Vamvakidis (Manager HEBC): „Wir hätten uns gewünscht, dass wir eine ganz normale Saison spielen – und dafür auch gerne englische Wochen in Kauf genommen. Das wäre uns am liebsten gewesen. Aber uns war allen klar, dass wir uns anpassen und höchstwahrscheinlich auch mit einem neuen Modus rechnen müssen. Spontan sehe ich ein Problem für Mannschaften, die eher unten angesiedelt sind, wenn deren Heimspiele gegen die vermeintlichen Top-Teams und großen Kaliber stattfinden, so dass man gegen die direkte Konkurrenz auswärts antreten muss. Das wird sicher zu Problemen führen und da werden sich ein, zwei oder auch mehrere Mannschaften benachteiligt fühlen – das ist nicht zu verhindern. Das gilt aber auch für die Mannschaften, die oben stehen oder sich sogar ein kleines Polster auf den Zweiten oder Dritten verschafft haben – und am Ende wird das nicht gewertet. Da wäre dann die Frage, ob man nicht zumindest die Punkte aus den direkten Duellen der potenziellen Meisterschaftsteams hätte mit übernehmen können – so wie das auch bei Handball- oder Eishockey-Weltmeisterschaften oder aber in anderen Ligen der Fall ist. Für uns steht und fällt Vieles damit, wie der konkrete Spielplan aussieht. Für alle Ligen wurde als Saisonstart das Datum nach dem ersten Pokal-Wochenende ausgerufen. Dementsprechend plant man ja auch – und deshalb ist es ehrlich gesagt ein Unding. Es wird ein Geheimnis daraus gemacht und unsere Planungen übern Haufen geworfen!“

Muharrem Tan (Trainer FTSV Altenwerder): „Das ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Das ist eigentlich eine Saison, die vertrösten soll. Ich denke, dass wir ganz schwierige Zeiten durchmachen. In dieser außergewöhnliche Zeit kommt nun eine außergewöhnliche Maßnahme des HFV. Aus meiner Sicht ist das alles nur halbherzig. Trotz allem müssen wir uns immer sportlich verhalten und es so nehmen, wie es gekommen ist. Es wird allerdings keine Saison, an die wir uns der Zukunft noch gerne zurückerinnern werden.“

Yavas: „Ich kann mir vorstellen, dass es zu Geschrei bei schwächeren Mannschaften kommt“

Cemil Yavas, der Manager des TuS Osdorf. Foto: Bode

Cemil Yavas (Manager TuS Osdorf): „Es ist auf jeden Fall eine spannende Konstellation und bringt, so glaube ich, auch nochmal etwas mehr Wettbewerbs-Charakter rein. Es gibt tatsächlich viele Mannschaften, die gefühlt nach der Hinrunde um die ‚goldene Ananas‘ spielen und als Saisonziel einen einstelligen Tabellenplatz ausrufen. Jetzt wird dieser einstellige Tabellenplatz Gold wert sein und jedes Spiel wird wahrscheinlich einen gewissen Endspiel-Charakter haben. Ich kann mir vorstellen, dass es allerdings zu einem großen Geschrei bei den etwas schwächeren Mannschaften kommen kann, wenn die Heim- und Auswärtsspiele unfair verteilt werden. Ich sehe es tatsächlich kommen, dass es da einige Beschwerden geben wird. Wir sind auf jeden Fall gespannt und lassen alles auf uns zukommen.“

Philipp Mohr (Liga-Obmann SV Altengamme): „Ganz gleich, wie und was der HFV entschieden hätte: Es hätte so oder so Nörgeleien gegeben. Dieser neue Modus ist jetzt noch etwas ungewohnt und der eine oder andere muss sich damit erst einmal anfreunden. Es wird von Anfang an mächtig Dampf auf dem Kessel sein. Ich persönlich finde es sehr knackig, dass man als Achtplatzierter in der Hinrunde zwölf bis 13 Punkte mehr als der Letztplatzierte holt – das war in vergangenen Jahren der Fall – und diese dann in einer Abstiegsrunde auf Null gesetzt werden und nichts mehr wert sind. Der eigentlich erarbeitete Vorteil geht verloren. Aber irgendwo musste dieser Cut gemacht werden. So wird es für Platz acht bis elf natürlich eine harte Nummer. Das könnte hinten raus tragische Geschichten geben. Insgesamt müssen wir diese Situation nun so annehmen und froh sein, endlich wieder kicken zu dürfen. Denn das ist das, was eine große Mehrheit seit langem wollte. Man sollte dem Modus eine gerechte Chance geben, er liefert auf jeden Fall einiges an Spannung im Liga-Mittelfeld. In der Landesliga Hansa zum Beispiel ist es dort erfahrungsgemäß punkte-technisch immer sehr eng.“

Mimarbachi: „Ich finde die Lösung ziemlich geil“

Lohbrügge-Manager Robert Mimarbachi. Foto: Heiden

Robert Mimarbachi (Manager VfL Lohbrügge): „Ich finde die Lösung ehrlich gesagt ziemlich geil! Das ist mal eine neue Spannung, die da entsteht. Du hast halt jetzt nicht mehr die Situation, dass jemand nach der Hinrunde schon mit zehn oder elf Punkten führt und dann seriös durch die Rückrunde grätscht, sondern es wird alles auf Null gesetzt und wir schaffen so eine Art Play-Off-Modus – nicht im K.O.-System, sondern einfach im normalen Spielmodus. Trotz alledem hast du in der Rückrunde – wenn du es in die Aufstiegsrunde schaffst – einen Knaller nach dem anderen. Und auch wenn du unten drin stehst und gegen den Abstieg kämpfst, ist die Situation gleich. Das heißt: Die Spiele in der Endrunde werden deutlich spannender, weil sich keiner auf dem ausruhen kann, was er in der Hinrunde geleistet hat. Man muss von vornherein Gas geben. Insofern finde ich den Modus cool. Es gibt natürlich auch die eine oder andere Stimme, die sagt: Naja, die Punkte hätten mitgenommen werden müssen. Das finde ich nicht. Ich finde es genau richtig so. Jeder muss sich an jedem Spieltag der Saison voll behaupten und die Spannung wird deutlich gesteigert. Ich freue mich darauf.“

Jan Arp (Ligamanager SV Nettelnburg-Allermöhe): „Grundsätzlich stehe ich diesem neuen Modus positiv gegenüber. Es ist mal was Neues in diesen eingefahrenen Corona-Zeiten. Ich bin darauf gespannt – auch darauf, wie der HFV die Auswahl der Heim- und Auswärtsspiele angehen wird in der Hinrunde. Davon hängt ja nun auch einiges ab. Die Auf- und Abstiegsrunde ist bestimmt auch mit jeder Menge Spannung gesegnet.“


Auf der zweiten Seite geben Dennis Tornieporth, Jan Schönteich und Matthias Nagel ihr Statement zum neuen Spielmodus in der Saison 2020/2021 ab.

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