Bezirksliga Ost

Nagels „Knipser“ mit Köpfchen: „Wir haben vorne eine ganz geile Qualität, auf die Verlass ist“

ATSV dreht 0-1-Rückstand im Spitzenspiel gegen den MSV zu einem 2:1-Erfolg

25. August 2019, 19:16 Uhr

Nach dem Treffer zum 2:1 durch MIhai Bitez (verdeckt) kannte der ATSV-Jubel keine Grenzen. Foto: Knötzsch

Irgendwann in der zweiten Hälfte schien es so, als hätte das Glück Mihai Bitez an diesem Nachmittag im Duell zwischen dem Ahrensburger TSV und dem MSV Hamburg (Hier gibt’s die Highlights im Live-Ticker zum Nachlesen) endgültig verlassen. Der rumänische Stürmer im Dress des Spitzenreiters schoss im Strafraum einen Gegenspieler an, wollte eine Ecke haben – doch da war Spielleiter Ridha Gabsi (Holsatia Elmshorn) ganz anderer Meinung. Er entschied auf Abstoß. Für Bitez ein Anlass, mehrere Minuten lang mit dem Referee zu diskutieren – sowohl während das Spiel längst wieder lief, als auch in der nächsten Trinkpause. So lange, bis ihm ATSV-Coach Matthias Nagel von außen zurief, er möge doch nun endlich ruhig sein und „einfach ein Tor machen. Das ist die beste Antwort.“

Nun, Bitez tat, wie ihm geheißen – und das sogar doppelt. Und damit war der Mann mit der Nummer zehn im Match des Ersten gegen den Dritten des Klassements am Ende der Matchwinner für die Hausherren, die vor rund 120 Zuschauern auf dem Kunstrasen des Stormarnplatzes einen völlig verpatzten Start erwischten. Es lief noch die erste Minute, als der MSV über links durchs Zentrum das Spiel nach rechts verlagerte, wo Almir Mesanovic in den Strafraum startete, die Kugel dann auch tatsächlich bekam und Niklas Issem zum 1:0 bezwang (1.). Der berühmte Blitzstart für den aufstrebenden Aufsteiger. „Natürlich: Wir haben den Beginn verschlafen“, musste auch ATSV-Übungsleiter Nagel eingestehen.

„In der ersten Halbzeit waren wir nicht wirklich im Spiel“

Almir Mesanovic (vo.) traf direkt in der ersten Minute zum 1:0 für den MSV Hamburg. Foto: Knötzsch

Und die erste Hälfte sollte – zumindest, was das Zählbare anging – für den Gastgeber auch nicht besser werden. Am 0:1-Rückstand der Nagel-Schützlinge änderte sich zunächst einmal nichts. „Wir hatten zwar ein, zwei Möglichkeiten, wo wir vielleicht den Ausgleich machen können, aber insgesamt waren wir in der ersten Halbzeit nicht wirklich im Spiel. Wir haben die Zweikämpfe nicht angenommen, wir waren nicht aggressiv genug. Der zweite Ball ging immer zum Gegner“, war auch Matthias Nagel nicht entgangen, dass sich im zweiten Durchgang einiges ändern musste.„Ich habe die Jungs aufgefordert, dass wir bissiger in die Zweikämpfe gehen und auch unsere spielerische Qualität mehr zeigen müssen“, verriet der Coach, was er seinen Mannen in der Pause mit auf den Weg in die zweiten 45 Minuten des Spiels gegeben hatte.

Doch nicht nur das: „Wir wollten in der zweiten Hälfte die Räume vermehrt diagonal überbrücken. Man hat ja dann beim 1:1 gesehen, dass das gefruchtet hat. Das war ein Diagonalball. Zudem sollten die Jungs die Brust rausnehmen. Das sind alles geile Fußballer. Die brauchen keine Angst haben und sich zu verstecken. In der ersten Hälfte haben wir teilweise zu ängstlich gespielt“, erklärte Nagel und sah sich nach dem Spiel bestätigt: „Nach der Pause hat die Mannschaft das gut umgesetzt. Es wurde besser.“ Und: „Alle Einwechselspieler haben gegriffen“, grinste der Ahrensburger Trainer, der zur Pause Les Stewart ins Spiel brachte, nach 57 Minuten Finn-Gerrit Ahrend aufs Feld schickte und dann nach 76 Zeigerumdrehungen schließlich Erik Bielesch auf das Plastikgrün beorderte.

„Der MSV ist kein normaler Aufsteiger, die sind auf jeder Position gut besetzt“

Zwei Mann zurückgelassen: MSV-Kapitän Dieter Forkert (re.) setzt sich durch. Foto: Knötzsch

Im Spiel schlug sich das Ganze dann wie folgt nieder: Über Ahrend und Stewart landete die Kugel bei Bielesch. Dessen Ball fand Benedikt Neumann-Schirmbeck, der in die Mitte flankte. Dort stieg Bitez hoch und köpfte zum Ausgleich ein (78.). Nach 92 Minuten war Bielesch dann derjenige, der einen Freistoß vor den MSV-Kasten schlug, Gästekeeper Patrick Krysiak kam heraus, aber nicht an den Ball. Der landete stattdessen auf dem Kopf von Bitez und der schädelte das Leder wuchtig in die Maschen – 2:1 für den ATSV, der in diesem Moment das Spiel gedreht hatte und weitere fünf Minuten später nach dem Schlusspfiff jubeln durfte. „Für Erik, der ja noch 17 Jahre alt ist, ist das sicher ein geiles Erlebnis. Ein Assist und ein Assist zum Assist – das ist schon klasse. Wir haben die richtigen Entscheidungen getroffen“, frohlockte Matthias Nagel im Anschluss an das Match, in dem der ATSV tatsächlich trotz hohen Temperaturen bis zur letzten Minute ans Limit ging.

„Man könnte ketzerisch sagen: In der ersten Hälfte haben wir uns ausgeruht, da war also noch Luft da“, lachte Nagel, um dann ernst hinzuzufügen: „Wir haben uns tatsächlich eine gute Fitness erarbeitet, so dass wir 90 Minuten gehen konnten.“ Der MSV sei zwar „bei Kontern immer wieder gefährlich“ gewesen, so Nagel, „es war ein enges Spiel. Wir hätten auch wieder hinten liegen können vor unserem 2:1, aber jetzt sind wir fünf Punkte vorm MSV. Es ist zwar noch früh in der Saison, aber ich denke, dass die und der SC Wentorf weiterhin oben mitspielen werden – davon gehe ich aus. Der MSV ist kein normaler Aufsteiger, die sind auf jeder Position richtig gut besetzt. Da muss man Respekt vor haben.“ Aber auch sein Team, konstatierte der 49-Jährige, habe „eine ganz geile Qualität vorne. Wir haben Knipser, auf die Verlass ist. Nicht nur Mihai, der trifft, sondern auch Neumann-Schirmbeck, der das erste Tor vorbereitet. Auch wenn es in der ersten Halbzeit bei uns in einigen Situationen nicht so harmoniert hat, war es dann in der zweiten Hälfte besser. Aufgrund dieser zweiten Halbzeit ist der Sieg meiner Meinung nach verdient.“

Jan Knötzsch 

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