Regionalliga Nord

Nach Norderstedter Torwart-Dilemma: Tiegs wird mit „zitternden Händen“ zum tragischen Helden

06. Dezember 2021, 09:46 Uhr

Im Schneetreiben in Norderstedt wurde Belemes Kopfball lang und länger - und schlug zum Leidwesen von Debütant Steffen Tiegs (Mi.) im EN-Kasten ein. Foto: noveski.com

„Bei uns passieren derzeit einfach gewisse Dinge, die in meiner bisherigen Trainerlaufbahn selten so vorgekommen sind“, haderte Jens Martens mit dem ungeheuren Verletzungspech bei seinem FC Eintracht Norderstedt. „Vor drei Wochen haben wir binnen einer Woche drei Brüche. Und jetzt verlieren wir innerhalb von 15 Tagen drei Torhüter“, sprach der Coach der Garstedter auf die Ausfälle von Lars Huxsohl und Marcel Kindler an. Im Heimspiel gegen die U21 des HSV (alle Highlights im LIVE-Ticker) erwischte es nach gut zehn Zeigerumdrehungen auch noch den ohnehin schon angeschlagenen Stefan Rakocevic…

Der Unparteiische und Mitspieler Dane Kummerfeld (re.) mussten den taumelnden Stefan Rakocevic (Mi.) stützen. Foto: noveski.com

Plötzlich lag er am Boden und taumelte beim Versuch, wieder auf die Beine zu kommen, durch seinen Sechzehner: Mit dem Verdacht auf eine Gehirnerschütterung musste EN-Fänger Stefan Rakocevic nach gerade einmal 14 Minuten vom Platz getragen werden. Was genau vorgefallen sei, konnte auch Martens nicht erörtern. Vielmehr konstatierte er im Nachgang: „Ein Glück, dass wir unseren A-Jugend-Torwart freigeholt haben und ihn auf der Bank sitzen hatten.“ Denn nun schlug sie, die Stunde des Steffen Tiegs. „Normalerweise wäre ich jetzt schon in der Winterpause gewesen mit der U19“, verriet der Schlussmann, der die Woche über bereits bei der Regionalliga-Mannschaft mittrainiert hatte, anschließend. „Es war ganz schön schwierig, sich anfangs an das Tempo zu gewöhnen.“

"Bin aufgestanden und meine Hände haben gezittert"

Die allererste Aktion von Debütant Steffen Tiegs (Mi.) in der Regionalliga - sicher abgefangen. Foto: noveski.com

Und eigentlich war die Tagesplanung von Tiegs eine ganz andere, wie er hinterher zugab: „Wir wollten heute den Geburtstag von meinem Vater feiern.“ Stattdessen kam er früh im Spiel zu seinem Regionalliga-Debüt. „Ich bin aufgestanden und meine Hände haben gezittert. Ich war sehr aufgeregt“, so der Youngster, der mit Ausnahme von einer Spielzeit bei der U17 des ETV seit nunmehr fünf Jahren bei der Eintracht im Nachwuchs zwischen den Pfosten steht. Die Erkenntnis nach 90 Minuten: „Er hat das sehr ordentlich gemacht“, lobte Martens seinen Fänger, der allerdings einmal hinter sich greifen musste. Es lief die 68. Spielminute, als Pingdwinde Beleme nach einem Freistoß zum Kopfball kam, Tiegs sich verschätzte – und plötzlich stand es 1:1.

Tiegs "ärgert" sich - Saad verpasst zweites Eintracht-Tor

Das 1:0 für die Eintracht durch Evans Nyarko (Mi.) kurz vor der Pause. Foto: noveski.com

„Ich dachte, der Ball geht ins Aus“, erklärte er. „Es sieht blöd aus, ich ärgere mich auch sehr drüber“, gestand Tiegs – und blickte auf seinen Regio-Einstand mit „gemischten Gefühlen“ zurück. „Es ist nicht schön, so ein Tor zu bekommen. Tut mir leid für die Mannschaft!“ Dabei verrichtete er ansonsten einen Top-Job. Nur in jener Szene konnte auch Martens „gar nicht glauben, dass der drin war“.

Der Übungsleiter der Norderstedter ärgerte sich im Nachhinein aber nicht nur über das Gegentor und die Personalmisere, sondern vor allem auch über das aktuell „fehlende Spielglück“, ehe er erläuterte: „Wir haben es wieder versäumt, das 2:0 zu machen – und das hätten wir in der 58. Minute machen müssen. Eine noch klarere Kopfballchance kann man nicht haben!“, sprach er auf jene Situation an, als Elias Saad nach einer Hereingabe von Philipp Koch nur das Außennetz traf. Besser machte es Evans Nyarko unmittelbar vor der Pause, als er eine Willensleistung von Jordan Brown zur Führung veredelte (45.).

"Sehr viel wert, dass wir Norderstedt auf Distanz halten konnten"

Ein hochgradig frustrierter Jonah Fabisch (Mi.) direkt nach Abpfiff. Foto: noveski.com

„Mit der Einsatzbereitschaft und der physischen Leistung bin ich absolut einverstanden. Die Jungs haben alles rausgehauen“, bilanzierte Martens. Während „Rothöschen“-Trainer Pit Reimers seiner Elf „ein Riesenkompliment“ machte nach drei Spielen binnen sieben Tagen. „Wir konnten auf nicht so vielen Positionen wechseln.“ Man sei gut reingekommen ins Spiel und das eine oder andere Mal über die Außenbahn durchgebrochen. Mit fortlaufender Spielzeit „kam Norderstedt aber etwas stärker auf. In der Phase fällt dann auch das 1:0. In der zweiten Halbzeit hat der Platz seinen Teil dazu beigetragen, dass man nicht mehr von einem kontrollierten Fußballspiel reden konnte. Das war zum Teil ein wildes hin und her, in dem wir den verdienten Ausgleich machen“, befand Reimers. 


„Für uns war das sehr viel wert, dass wir Norderstedt auf Distanz halten konnten. Wir wussten, dass das für beide Mannschaften ein wichtiges Spiel im Kampf um den fünften Platz sein wird.“ 

Autor: Dennis Kormanjos

Fotogalerie

Kommentieren