Kreisliga 6

Nach Mexiko-Abenteuer: Facklam kehrt zurück – und zündet die „Fackel“ für „Welle“ II!

29. April 2020, 09:03 Uhr

Fabian Facklam (li.) kehrt nach zwei Jahren in Mexiko nach Hamburg zurück und kickt mit Freunden beim TSC Wellingsbüttel II zusammen. Foto: KBS-Picture.de

Jahrelang war er eine feste Größe im Hamburger Amateurfußball, absolvierte 141 Partien (24 Tore) in der Beletage für Concordia, den Meiendorfer SV und den HSV Barmbek-Uhlenhorst, war auch für den SC V/W Billstedt und Rahlstedter SC aktiv – und zuletzt als Trainer beim SC Condor II tätig. Doch im Sommer 2018 zog es Fabian Facklam in die große, weite Welt hinaus. Genauer gesagt: Nach Mexiko. Nun kehrt der 30-Jährige allerdings zurück in die Hansestadt und wird in der kommenden Saison auch wieder gegen das runde Leder treten – und zwar beim TSC Wellingsbüttel II in der Kreisliga! Voller Stolz verkünden die Offiziellen von „Welle“ II, dass ihnen „mit der Verpflichtung des ehemaligen Oberliga-Spielers der Transfer-Coup der Saison“ geglückt sei. Und weiter: „‘Fabi‘ kommt quasi aus dem Ruhestand des aktiven Fußballs aus Mexiko zurück, um in Hamburg mit guten Freunden nochmal zu kicken und Welle II bei der Mission Klassenerhalt zu unterstützen. Wenn es denn dann irgendwann mal weitergeht.“ Mit einem kleinen Augenzwinkern fügen die Verantwortlichen auf ihrer „facebook“-Seite an: „Während die größte Angst der Deutschen also ist, ob es noch einen Mundschutz zu kaufen gibt, ist die größte Angst der Teams der Kreisliga 6 ab jetzt, von Welles Power-Offensive die Bude vollgeballert zu bekommen.“ Wir haben mit Fabian Facklam über sein Mexiko-Abenteuer und seine Rückkehr nach Hamburg gesprochen…

FussiFreunde: Was genau hast du in Mexiko gemacht?

Zwischen 2012 und 2016 kickte Facklam ganze vier Jahre lang für den Meiendorfer SV in der Oberliga. Foto: KBS-Picture.de

Fabian Facklam: „Ich bin vor circa zwei Jahren nach Mexiko ausgewandert mit dem Ziel, neue Erfahrungen zu sammeln, spanisch zu lernen und aus meiner Komfortzone in Deutschland herauszutreten. Es ist eine lange Geschichte, die ihr auch in meinem Buch komplett nachlesen könnt, wenn es im Sommer als ‚eBook‘ veröffentlicht wird. Ich bin jedenfalls in Mexiko angekommen und hatte dort keinen beruflichen Anlaufpunkt. Nur meine Freundin (mittlerweile Frau), die aus Mexiko kommt und ihre Familie. Ich habe dann angefangen, Kontakte aus dem Bereich Sport und Coaching zu knüpfen und mich mit denen zu treffen. Alles auf Spanisch, das war anfangs sehr herausfordernd und spannend, manchmal auch lustig aufgrund meiner fehlenden Sprachkenntnisse. Im Laufe der Zeit bis heute habe ich mir hier ein Leben aufgebaut und bin zum Fußball-Individualtrainer und Personal-Trainer im Bereich Fitness geworden. Außerdem habe ich Fußball-Camps für Kinder und Jugendliche veranstaltet. Nebenbei habe ich auch als Sprachlehrer gearbeitet und grundsätzlich so viel Neues erlebt – anfangs wirklich jeden Tag.“

Wie ist das dortige Leben zu beschreiben?

Für die Mannen von der B75 bestritt Facklam in vier Spielzeiten ganze 113 Partien, in denen ihm 20 Tore gelangen. Foto: KBS-Picture.de

Facklam: „Das Leben dort ist durchweg anders als in Deutschland, was ich wusste und auch wollte. Die Menschen sind trotz der eher mangelhaften Situation in diesem Land sehr herzlich und glücklich. Davon können wir uns als Deutsche viel abschneiden. Allerdings gibt es eine riesige Spanne zwischen Armut und Reichtum in der Gesellschaft. Das führt zu Unsicherheit in den Städten und viel Kriminalität. Man kann es sich so vorstellen, dass man ohne Auto nur sehr schwer ohne Bedenken von A nach B kommt. Und im Dunkeln sollte man es generell lassen, durch jede Straße zu fahren, die nicht eine Hauptstraße ist. Aber das Wetter in Mexiko macht diese negativen Aspekte fast wieder gut, denn das ist echt nicht zu schlagen. Auch der Fußball hier ist leider nicht mit dem in Europa vergleichbar. Es gibt überhaupt keinen Amateurfußball in dem Sinne, sondern nur Freizeitmannschaften von Freunden und eben den Profifußball, der zu 99 Prozent bezahlt und korrupt ist. Es ist traurig, denn bei meiner Arbeit habe ich realisiert, dass viel Talent in diesem Land steckt, es aber nicht ausgereift werden kann wegen fehlender Ausbildungsmöglichkeiten – sowohl für Trainer als auch für Spieler. Alles in allem ist das Leben hier schön, aber einengend – zumindest für mich als Europäer – und die Erfahrung für mich unbezahlbar. Ich habe mit dem Auswandern mehr gelernt als in Schule, Ausbildung und Studium zusammen!“

Und was zieht dich nun zurück in die Heimat?

Fabian Facklam (re.) mir artistischer und eleganter Ballbehandlung. Foto: KBS-Picture.de

Facklam: „Ausschlaggebend war die Unsicherheit und Kriminalität, die mich nach zwei Jahren zu dem Entschluss gebracht hat, wieder zurückzukehren. Außerdem fehlen mir hier nach zwei Jahren auch die Perspektiven, mich als Trainer und Ausbilder weiterzubilden. Natürlich kamen dann auch noch die Familie und Freunde dazu. Aber ich denke, ich bin nun bereit für den nächsten Schritt und der wartet in Europa, in Deutschland, auf mich. Das eine Jahr, was ich mir als Minimum gesetzt hatte, habe ich weit übertroffen und somit freue ich mich nun darauf, neue Aufgaben in Hamburg mit 110 Prozent anzugehen und wieder frische Nordluft zu schnuppern!“

Apropos Heimat: Ist Hamburg für dich noch dein Zuhause – oder ist das in den letzten Jahren Mexiko geworden?

Facklam: „Ganz klar: Ja! Mexiko ist mittlerweile meine zweite Heimat geworden und ich danke diesem Land und den Menschen sehr! Aber an der schönsten Stadt der Welt und meinem FC St. Pauli – ich habe den Derbysieg verpasst! – kommt nix vorbei!“

Nun kehrst du zurück und wirst, wie uns zu Ohren gekommen ist, für Welle II kicken. Wie kam es dazu?

Gefürchtet war Facklam (re.) bei den gegnerischen Mannschaften wegen seiner linken Klebe. Foto: KBS-Picture.de

Facklam: „Das ist eine ganz einfache Geschichte, die durch einen guten Freund eingeleitet wurde, der bei Welle II spielt. Ich wollte in Hamburg wieder zum Spaß und mit Freunden kicken. Die Zeit mit Freunden wird noch wertvoller, wenn du weißt wie es ist, sie sehr lange nicht zu sehen. Folglich ist es top, dass ich Zeit mit Freunden haben werde und noch ein Fußball dabei ist, mehr geht nicht! Natürlich habe ich auch ein paar Bedingungen gestellt, aber die nenne ich hier nicht (lacht).“

Du hast vor deinem Mexiko-Abenteuer lange Jahre höherklassig gekickt. Warum nun Kreisliga?

Facklam: „Weil Welle II in der Kreisliga spielt (lacht). Es hätte auch jede andere Liga werden können, das war für mich nicht ausschlaggebend.“

Zuletzt warst du in Hamburg für Meiendorf und BU aktiv. Bei beiden Clubs ging es zuletzt hoch her. Wie tief steckst du da noch in der Materie drin und inwieweit hast du das aus der Ferne verfolgt?

Für BU traf Facklam (re.) in der Saison 2016/17 in zwölf Einsätzen viermal. Foto: KBS-Picture.de

Facklam: „Ich habe bei beiden Vereinen sehr gerne gespielt und war sehr glücklich dort. Deswegen verfolge ich beide Clubs noch – und auch insgesamt den Hamburger Fußball. Ich stecke allerdings überhaupt nicht mehr in der Materie dort drin. In Meiendorf waren jedoch die gleichen Probleme damals schon präsent. Ich respektiere beide Vereine sehr und bin mir sicher, dass die Verantwortlichen die Unruhen wieder einrenken werden! Da hilft manchmal auch ein bisschen mexikanische Gelassenheit (lacht)!“

Abschließende Frage: Wie sieht es mit deinen fußballerischen Ambitionen aus: Willst du nochmal höher angreifen oder jetzt nur noch „just for fun“ ein wenig bei Welle II kicken?

Zuletzt war Fabian Facklam als Trainer in Hamburg beim SC Condor II tätig, ehe es ihn nach Mexiko zog. Foto: Küch

Facklam: „Die Liga, in der ich einsteige, verrät meine Ambitionen ja schon ein wenig. Aber wer mal in Mexiko Fußball gespielt hat, der weiß, alle Ligen, Sportanlagen und den gesamten Hamburger Fußball-Verband mehr als zu schätzen. Du solltest, wie wir wissen, niemals nie sagen – aber es ist nicht geplant, nochmal höher zu spielen. Ich habe, wie schon gesagt, in meinen zwei Jahren in einem anderen Land sehr viel gelernt und eine der wichtigen Sachen war, dass ich als Trainer und Ausbilder arbeiten möchte. Mein Fokus liegt also darauf, mit 110 Prozent in diesen Bereich einzusteigen, weitere Lizenzen zu machen und meine Erfahrungen vom anderen Kontinent zu teilen. Ich bin sehr gespannt, was auf mich zukommt und freue mich auf meine Heimat und all die Leute, die dazugehören!“

Autor: Dennis Kormanjos

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