Nach „Katastrophen-Halbzeit“ – „Sissi“ küsst „Kiezkickerchen“ wach

Trotz starkem Beginn: AFC verliert Derby vor Trauer-Kulisse

12. Mai 2018, 15:17 Uhr

Jubel bei Sirlord Conteh (4. v. li.) und seinen „Kiezkickerchen“ über den Derbysieg. Foto: KBS-Picture.de

Berkan Algan war bedient. So sehr, dass seine Analyse zur Derby-Schlappe bei der U23 des FC St. Pauli sehr kurz und bündig ausfiel: „0:2 verloren. Jetzt das letzte Spiel gegen Eutin. Abhaken.“ Mehr wollte der Trainer des AFC nicht zum Besten geben. Einerseits, weil die Zeit rannte und Algan am letzten Bundesliga-Spieltag schnellstmöglich in seiner pickepackevollen „Bar Vivo“ sein wollte, wo sämtliche Bundesliga-Partien auf Großbild-Leinwänden gezeigt werden. Andererseits fehlten ihm aufgrund des Ergebnisses wohl tatsächlich die Worte…

Benjamin Nadjem (re.) - hier gegen Altonas Samuel Hosseini - bereitete das 1:0 mit einem Traumpass vor. Foto: KBS-Picture.de

„Altona hätte nach 25 Minuten 3:0 führen müssen“, gestand selbst Hausherren-Coach Joachim Philipkowski, der von einer „Katastrophen-Halbzeit“ seiner Mannen sprach. Ganz anders der AFC. Die Algan-Bengel spielten in keinster Weise wie ein abgeschlagenes Tabellen-Schlusslicht. Nach nicht einmal 240 Sekunden hatte Marco Schultz bereits die Riesenchance, als er nach einem langen Yilmaz-Zuspiel frei auf Marvin Zimmermann zusteuerte, den Ball aber an den Querbalken setzte. Anschließend scheiterte Nick Brisevac nach toller Stafette über Wachowski und Edeling aus kurzer Distanz am Sankt paulianischen Schlussmann (11.), ehe eben jener Brisevac nach einem Barinovs-Querpass mit der Hacke das lange Toreck nur knapp verfehlte (27.). Philipkowski reagierte daraufhin mit einem Wechsel, brachte Michael Ambrosius für Finn Schütt – und wenige Sekunden später lag die Kugel im AFC-Gehäuse.

„70 Prozent des Tores gehen an Benni“

„Benni hat den Ball überragend gespielt“, lobte Sirlord Conteh seinen Teamkollegen Benjamin Nadjem, der aus der Zentrale einen Pass über die Kette genau in den Lauf des ehemaligen Saselers spielte. Dieser verwertete das punktgenaue Anspiel, indem er das Leder direkt aus der Luft nahm und technisch brillant per Heber über Tobias Grubba hinweg zur Führung traf (31.)! „Das trainieren wir so auch oft. Ich muss halt nur noch den Fuß hinhalten“, gab sich Conteh hinterher ganz bescheiden und befand: „70 Prozent des Tores gehen an Benni.“ Dafür verdiente er sich selbst mindestens „50 Prozent“ beim vorentscheidenden 2:0, als er über die rechte Seite nicht zu halten war, bis zur Grundlinie hinunter marschierte und genau im richtigen Moment für Irwin Pfeiffer, der keine Mühe mehr hatte, quer legte (57.)!

124 Zuschauer: „Natürlich ist das sehr traurig!“

Gingen in den Infight: Abdullah Yilmaz (li.) und Maurice Litka. Foto: KBS-Picture.de

„In der zweiten Halbzeit hatten wir viele Chancen, haben dafür zu wenig Tore geschossen. Aber die Hauptsache ist, dass wir gewonnen haben. Ich bin wirklich stolz auf die Jungs“, so Conteh, der das Ziel ausgab: „Jetzt wollen wir im letzten Spiel gegen Jeddeloh die 50-Punkte-Marke knacken.“ Dabei sind schon die 48 Zähler, die nun auf der Habenseite stehen, ein neuer Rekord für die jungen „Boys in Brown“. Unterdessen bilanzierte Philipkowski: „In der ersten Halbzeit haben wir eine Katastrophe gespielt! So kenn ich die Jungs nicht. Dafür haben sie in der zweiten Halbzeit ein anderes Gesicht gezeigt. Nach dem zweiten Treffer hätten wir am Ende fünf, sechs Tore schießen müssen.“ Doch es blieb schlussendlich beim 2:0 – und das vor der fast schon desaströsen Kulisse von lediglich 124 Zuschauern im Edmund-Plambeck-Stadion. „Natürlich ist das sehr traurig“, konstatierte auch „Piepel“, der sich zumindest über die drei Punkte im Derby freuen durfte. Nicht zuletzt dank eines starken Sirlord „Sissi“ Conteh…


Ein bedienter Berkan Algan und ein aufgrund der zweiten Halbzeit glücklicher Joachim Philipkowski: Die PK zum Derby im Video:

Autor: Dennis Kormanjos

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