02.03.2019

Nach Derbysieg: AFC-Bigpoints im Titelkampf? „Nein - das dauert noch...“

Wiehle: „Für mich hat unterm Strich die bessere Mannschaft verloren“

Die Spieler des AFC bedanken sich nach dem Derbysieg bei den zahlreichen Zuschauern für den Support. Foto: Kormanjos

66 Minuten lang hielt die Kraft von Marco Schultz. Als Berkan Algan seinen gerade erst genesenen Kapitän nach längerer Verletzungspause vom Platz holte, haderte dieser: „Heute einfach kein Glück. Scheiße!“ Dabei hatte eben jener Schultz das zwischenzeitliche 1:1 seines AFC durch Alexander Vojtenko glänzend vorbereitet – mit der Hacke (52.). Doch Schultz merkte wohl auch, welch harter Brocken seinem AFC gegenüberstand (alle Highlights im LIVE-Ticker). „Das war ja klar und wussten wir schon vorher“, zollte auch Algan dem TuS Osdorf durchaus Respekt – und merkte an: „Zuhause gegen Osdorf ist schon schwer genug – aber da habe ich nicht solche Bauchschmerzen wie hier.“ 685 Zuschauer sorgten am Blomkamp für einen tollen Derby-Rahmen. „Hier ist das alles immer sehr emotionsreich“, befand Algan.

Nach dem Tor zum 3:1 war die Freude beim AFC groß. Foto: Kormanjos

Doch zurück zum Ärgernis von Marco Schultz. Denn am Ende schlug das Pendel in die andere Richtung aus. „Dreimal retten die auf der Linie, dreimal hält Grubba überragend und dann schießen wir das Ding auch noch an die Latte: Enttäuscht kann ich nicht sein, ich bin eigentlich mehr stolz auf die Leistung, die die Mannschaft heute abgerufen hat“, konnte TuS-Trainer Piet Wiehle seinen Mannen nichts vorwerfen, obwohl er auf einige Stammkräfte verzichten und mit diversen angeschlagenen Spielern beginnen musste. Während Jeremy Wachter die ganze Woche über nicht trainieren konnte, ereilte den Coach vor dem Spiel auch noch ein Anruf von Mehmet Eren, der aufgrund einer angehenden Magen-Darm-Grippe eigentlich passen wollte. Letztendlich stand das Duo aber in der Startelf – und war maßgeblich am 1:0 beteiligt: Ein Eren-Freistoß landete über den kleinen Umweg Tim Jobmann bei Wachter – drin (39.). Aber: „Im Moment ist es so, dass der Fußballgott nicht auf unserer Seite ist. Heute hatten wir diverse Chancen, die wir leider nicht in Tore umgemünzt haben. Dazu haben wir eine ganze Batterie an Verletzten“, so Wiehle, der letzteres aber keineswegs als Ausrede gelten lassen wollte, wie er mehrfach betonte.

„Wir haben ein Riesenspiel abgeliefert - unterm Strich hat die bessere Mannschaft verloren“

Der Siegerkreis nach dem Spiel. Foto: Kormanjos

Algan meinte derweil: „Wir müssen hier zur Halbzeit 2:0 führen – und dann geht so ein Slapstick-Teil rein. Aber das ist Osdorf. Wir haben hier auch schon Spiele verloren, da war das noch ein roter Teppich. Da kamen Einwürfe, wo drei Mann mit ihren Körpern irgendwelche Schatten produziert haben – und dann stand es 2:0 und keiner wusste, was passiert ist. Heute war das ähnlich, nur: Wir haben gut gespielt. Auch in der ersten Halbzeit haben wir nicht schlecht gespielt, wir haben nur die Dinger nicht reingemacht.“ Das änderte sich nach der Pause, als sein AFC das Derby nach Vojtenkos Ausgleichstreffer drehte. Erst staubte Seyhmus Atug nach einem Metidji-Chip über die Kette und starker Ball-Verarbeitung von Niklas Siebert, der zuvor gegen einen Schuss von Prince Hüttner das 0:2 aus Altona-Sicht verhinderte (50.), zum 2:1 ab (79.). Dann besorgte William Wachowski mit purer Entschlossenheit die Vorentscheidung (83.). Allerdings gab Osdorf zu keinem Zeitpunkt klein bei und wehrte sich stets nach Leibeskräften. Deshalb konstatierte Wiehle auch: „Schmerz kann man das nicht nennen. Im Endeffekt kann man gegen Altona verlieren. Aber wenn man den Spielverlauf sieht, ist es ärgerlich. In der ersten Halbzeit ist Altona mit unserer Taktik gar nicht klargekommen. Wir haben heute ein Riesenspiel abgeliefert und für mich hat heute unterm Strich die bessere Mannschaft verloren.“

„Das hat richtig Spaß gemacht - so kann ich auch verlieren“

Algans Fazit: „Osdorf hat das gut gemacht, wir haben es aber noch besser gemacht, unser Fußballspiel durchgedrückt und verdient gewonnen. Ich bin stolz auf die Jungs. Sie haben jetzt das Wochenende frei. Leider – Ich hätte gerne mit ihnen trainiert“, scherzte er, wollte aber von einem „Bigpoint“ im Meisterschaftskampf nichts wissen: „Nein, weil wir noch zehn Spiele haben. Für die Bigpoints dauert es noch drei, vier Wochen.“ Währenddessen konnte Piet Wiehle seinen Mannen nichts vorwerfen. Denn: „Heute haben wir es dem Gegner unheimlich schwer gemacht, überhaupt einen Punkt mitzunehmen. Das hat richtig Spaß gemacht - und so kann ich dann auch verlieren. Auf diese Leistung können wir definitiv aufbauen.“

Autor: Dennis Kormanjos

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