LOTTO-Pokal

Nach 4:0-Führung ein umkämpfter Pokal-Fight: Algner und Pabst harmonieren prächtig

04. Oktober 2022, 08:42 Uhr

Nach einer 4:0-Pausenführung für den FC Alsterbrüder wurde es noch einmal spannend: Edison Sa Borges Dju (2. v. re.) leitete per Hacke die Aufholjagd des OSV ein. Foto: Klaas Dierks

Am Tag der Deutschen Einheit empfingen die Alsterbrüder in der Vierten Runde des LOTTO-Pokals als Sechster der Hammonia-Staffel die Landesliga-Kollegen aus Oststeinbek, die in der Hansa-Staffel momentan mit vier Punkten den 14. Platz belegen. 

Der starke Tim Algner (2. v. li.) im Kopfballduell mit Youssef Sbou. Foto: Klaas Dierks

Entsprechend der Tabellenplatzierungen entwickelte sich das Spiel. Nach sieben Minuten ging die Heimmannschaft durch Konrad Janta in Führung, die Antonio Pabst nach Vorarbeit durch Tim Algner auf 2:0 schraubte, als er Martin Leu im Kasten der Gäste keine Chance ließ.


Die Oststeinbeker waren durchaus bemüht, den Rückstand aufzuholen, ihre Bemühungen blieben aber durch wiederholte Abseitsstellungen erfolglos. Auch die Alsterbrüder tappten bisweilen ins Abseits, aber bei dem schönen Solo von Tim Algner in der 38. Minute aus der eigenen Hälfte am rechten Flügel, war alles in bester Ordnung, als er erneut Pabst bediente, der mit seinem zweiten Treffer zum 3:0 einschoss. In der 44. Minute zeigte das prächtig miteinander harmonierende Duo, dass es auch andersherum funktioniert. Nach einem Freistoß kommt der Ball zu Pabst. Der spielt auf Algner. Leu wirft sich Algner entgegen, aber im zweiten Versuch erhöht der Mann mit der 29 auf dem Rücken zum 4:0. Im Verlauf der ersten Halbzeit wurde die Stimmung auf dem Platz und bei den Trainern zunehmend gereizt, so dass der gut leitende Unparteiische Dennis Voß unter anderem beide Trainer mit Gelb verwarnte.

Carl Janta (li.) bringt Youssef Sbou zu Fall - Elfmeter für Oststeinbek. Foto: Klaas Dierks

Wer gedacht hätte, nach der Pause würde es ähnlich wie vor dem Halbzeitpfiff weitergehen, sah sich getäuscht. Die Zuschauer sollten ein Spiel mit zwei komplett unterschiedlichen Halbzeiten sehen. Gleich viermal hatte der Gästetrainer zur Halbzeit gewechselt. Die Schleswig-Holsteiner übernahmen die Initiative und drängten die Alsterbrüder in ihre eigene Hälfte zurück. In der 49. Minute kommt ein Einwurf der Oststeinbeker in den Alsterbrüder-Strafraum. Die Abwehr kann nicht entscheidend klären. Der oberligaerfahrene Edison Sa Borges Dju bekommt den Ball am Fünfmeterraum mit dem Rücken zum Tor in zentraler Position, versucht es einfach Mal mit der Hacke und erwischt damit die Verteidigung und den Alsterbrüder-Torwart kalt. Ein sehenswerter Ehrentreffer. Oder geht da noch was für den Gast?

Den anschließenden Strafstoß pariert Alsterbrüder-Keeper Daniel Göbel stark. Foto: Klaas Dierks

Für Knipser Algner kommt nur vier Minuten nach dem Tor durch Sa Borges Dju Gian Luca Verago und für den gewohnt unaufgeregt und effektiv verteidigenden Philipp Dechow Jannik Kretschmar zum Zug, der sich in der Folge über mangelnde Arbeit nicht beklagen kann und oft in höchster Not vor den weiter stürmenden Oststeinbekern retten muss. In der 58. Minute sorgt Youssef Sbou für Gefahr auf seinem linken Flügel. Carl Janta geht im Sechzehner in den Zweikampf, der Gegner fällt, der Schiri pfeift Strafstoß. Den führt der Gefoulte selbst aus. Eigentlich platziert, der Schuss ins linke untere Eck. Aber Daniel Göbel taucht ab und wischt den Ball so eben noch an den Pfosten, von wo der Ball wieder ins Feld springt und von einem Verteidiger endgültig geklärt wird. Monsterparade. Weckruf für die Alsterbrüder? Nein.

Das 3:4 - erneut per Hacke: Diesmal ist es Youssef Sbou (li.), der das Runde kunstvoll im Eckigen unterbringt und den OSV wieder hoffen lässt. Foto: Klaas Dierks

Im Spielaufbau gelingen kaum Ballstafetten, zu schnell landet der Ball wieder bei den Rot-Schwarzen, die entschlossen hoch pressen und so ein ums andere Mal den Ball gewinnen. Mehrfach muss Göbel im Eins-gegen-Eins Kopf und Kragen riskieren, um einen weiteren Gegentreffer zu vermeiden. Das gelingt ihm bis zur 71. Minute. Wieder geht es über die linke Angriffsseite der Gäste. Ein Pass im Strafraum hebelt die gesamte Alsterbrüder-Abwehr aus und Agatino Indulto kann unbedrängt mit einem Ausfallschritt zentral aus sechs Metern zum 2:4 verkürzen. Jetzt ist Feuer unter dem Dach. Kaum einmal kombinieren sich die Alsterbrüder bis zum gegnerischen Strafraum durch, kommen vorerst zu keinen gefährlichen Abschlüssen mehr.

Felix Niebuhr (re.) hat die endgültige Entscheidung auf dem Fuß, wird aber noch von Dave Fehlandt im letzten Moment geblockt. Foto: Klaas Dierks

Die Schleswig-Holsteiner schon. Den Versuch vom eingewechselten Kevin Apau aus kurzer Distanz wehrt der gute Göbel noch ab, aber der Ball ist frei. Die Chance für Youssef Sbou. Kurz vor der Torlinie macht er es seinem Mitspieler Sa Borges Dju nach und „hackt“ den Ball ins Tor. Zwei Hackentore für eine Mannschaft in einem Spiel dürfte es länger nicht auf Hamburger Plätzen gegeben haben. Und noch sind 15 Minuten zu spielen. Gibt es die Chance auf einen „Hacktrick“?

Nach langer Zeit mal wieder eine Chance der Alsterbrüder. Einen frech, fast von der Oststeinbeker Grundlinie, direkt getretenen Freistoß kann Leu entschärfen. Dann drückt wieder sein Team. Weil die Gäste es mit Macht versuchen, eröffnen sich zunehmend Räume für die Platzherren. So nach einer Ecke der Rot-Schwarzen. Endlich mal ein Konter der Gelb-Blauen, der zielstrebig vorgetragen wird. Mit dem Ball am Fuß eilt Luca Drude allen auf seiner linken Seite davon und passt auf den zentral mitgelaufenen Kapitän Felix Niebuhr, dessen Schuss in allerletzter Sekunde vom zurückgesprinteten Dave Fehlandt geblockt wird. Entscheidung vertagt.

Bezeichnend: Erschöpfte, aber glückliche Alsterbrüder unmittelbar nach dem Abpfiff und dem Achtelfinal-Einzug. Foto: Klaas Dierks

Während die Gästespieler ihr Feuer sportlich fair auf dem Platz abbrennen und den Alsterbrüdern in dieser Phase das Leben arg schwer machen, kann sich der Gästetrainer trotz Verwarnung nicht beherrschen. Als er einen Alsterbrüder-Spieler beleidigt, der von einem seiner Spieler (unabsichtlich) am Kopf getroffen wird und benommen liegen bleibt, und zudem Jörn Großkopf auffordert „Kauf Deinen Spielern mal ein paar Eier!“, reicht es Schiedsrichter Voß. Er zeigt dem Trainer die Gelb-Rote Karte. Auf dem Feld dagegen geht es auch in den letzten Minuten der zweiten Hälfte fair zu.

Beide Mannschaften haben noch Chancen auf den Torerfolg, aber die Alsterbrüder können ihre Konter nicht gewinnbringend abschließen und den Oststeinbekern bleibt der Ausgleich durch Sa Borges Dju verwehrt, weil Göbel ihm die Kugel vor der Nase wegfaustet. Dabei verletzt sich der Schlussmann der Alsterbrüder, wird aber seinem Trainer wohl im Landesliga-Spiel gegen den Tabellenzweiten SSV Ranzau nächsten Sonntag zur Verfügung stehen. Dann erfolgt der Schlusspfiff und die Anhänger der Alsterbrüder freuen sich, dass sowohl die Erste als auch die Zweite Mannschaft eine Runde weiter ist. Für die Oststeinbeker sollte die zweite Halbzeit für den Liga-Alltag Mut machen. Wenn sie dort so spielen, wie gegen die Alsterbrüder in der zweiten Halbzeit, werden bald ein paar Punkte mehr auf ihrer Habenseite zu verbuchen sein.


Klaas Dierks

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