07.12.2018

Mitteregger: „Der Druckbegriff ‚Müssen‘ ist zu hoch“

ETV-Coach im Interview über sein „Comeback“ und Ziele

Dennis Mitteregger (li.) ist zurück beim ETV und will den Verein zurück in die Landesliga führen. Foto: Kormanjos

Am 23. Oktober 2018 drang die Meldung in die Öffentlichkeit: Dennis Mitteregger kehrt zu seinen Wurzeln zurück und tritt beim Eimsbütteler TV die Nachfolge des zurückgetretenen Thorsten Beyer an (HIER). Gut sieben Jahre nach dem riesengroßen Pokal-Coup, der im Nachhinein jedoch auch zu diversen internen Meinungsverschiedenheiten und schließlich zur Trennung zwischen Mitteregger und dem ETV führte. Doch mittlerweile sind die Wogen längst wieder geglättet und der Rückkehrer-Coach hat die Mannschaft zurück an die Tabellenspitze der Bezirksliga Nord gehievt. Wir haben mit dem 36-Jährigen über sein Comeback gesprochen - und blicken auch auf seine erste Amtszeit zurück...

FussiFreunde: Wann ist der Zeitpunkt da, wo man auch schon die Handschrift von dir sehen kann?

Mitteregger: „Ich sehe schon was, so ist es nicht. Die Jungs haben auch total Bock darauf und wir haben kognitive Typen dabei, mit denen man auch in der Theorie etwas machen kann. Das klappt schon ganz gut, so dass ich bereits ganz viele Ansätze sehe. Aber natürlich ist eine Vorbereitung total wichtig. Da sieht man sich häufiger, hat auch nicht den Stress wie in den Pflicht-Spielen und man kann mehr ausprobieren. Mit der Mannschaft geht das schnell – aber wenn’s um die Feinheiten geht, dann wäre es natürlich cool, wenn man sich schon zwei Jahre kennt.“

Wenn du die aktuelle Mannschaft mit der von damals vergleichst: Wie siehst du diese vom Potenzial her zu der Pokalsieger-Truppe von 2011?

Im Jahr 2011 gewann Mitteregger (Mi.) mit dem ETV als krasser Underdog den ODDSET-Pokal. Foto: KBS-Picture.de

Mitteregger: „Die Mannschaft damals war etwas älter. Aber eines haben beide gemeinsam: Es sind alles Jungs, die unbedingt Fußball spielen wollen. Spieler, die sich nicht damit zufrieden geben, wenn wir sagen: ‚Wir geben mal dem Gegner 30 Minuten lang den Ball und stellen uns hinten rein. ‘ Wir hatten damals wie heute gute Fußballer auf engem Raum. Aber in der aktuellen Mannschaft sind viele dabei, die noch ein bisschen mehr Tempo haben und jünger sind. Die Truppe hat ein Riesen-Potenzial.“

Wie groß ist der Druck, in dieser Saison mit dem ETV aufsteigen zu müssen – nachdem es in den letzten Anläufen für den Verein nicht geklappt hat?

Mitteregger: „Ich weiß, dass die Mannschaft es unbedingt will – weil sie es auch schon so oft probiert hat. Ich weiß auch, dass die A-Jugendlichen, die im Sommer vielleicht zum Teil hochkommen, es wollen. Ich selbst spiele natürlich auch lieber Landesliga als Bezirksliga. Aber grundsätzlich, wenn ich schon länger da wäre und wir nicht diese Anspannung hätten, dann würde ich sagen: Man kann sich auch erst einmal in der Bezirksliga noch ein Jahr länger entwickeln. Ich würde nicht von Druck sprechen und auch nicht sagen, wir müssen – aber wir gehören in die Landesliga. Den Anspruch hat auch jeder an sich selbst. Denn man hat ein paar Spiele, die zu ‚einfach‘ sind für viele Spieler im Kader – und das ist das Problem. Die Mannschaft gehört eine Liga höher – aber der Druckbegriff ‚Müssen‘ ist für mich zu hoch. Wir arbeiten daran und gucken, wie schnell es im Winter geht, dass wir zueinander finden. Und ich denke auch: Da geht was. Aber ich kenne die Liga noch nicht allzu gut. Und es hängt ja immer auch ein Stück weit von der Konkurrenz ab. Die Mannschaft ist aber stark genug.“

Als es im Jahr 2011 nicht gerade im Frieden auseinanderging: Hättest du dir damals gedacht, dass es irgendwann nochmal ein Comeback von dir beim ETV geben würde?

Mitteregger: „Das kann ich so gar nicht sagen, weil ich darüber nie nachgedacht habe. Ich war ja ewig beim ETV, habe sogar seitdem ich Zehn bin Handball im Verein gespielt und gehe hier jetzt auch mit meiner Tochter regelmäßig zum Vater-Kind-Turnen. Es hat sich sehr viel gewandelt und die Bedingungen sind viel besser geworden. Die handelnden Personen sind ganz neu – und es hat auch viel damit zu tun. Ich gucke aber ganz wenig auf die Zeit zurück, eben weil sich seither so viel geändert hat. Ich kenne natürlich ein paar Gesichter, aber sowohl die Mannschaft als auch alles Drumherum hat sich komplett gewandelt. Deswegen ist es für mich recht neu – ich kenne nur den Anfahrtsweg und die Baulichkeiten noch. Aber die sollen sich ja auch verändern.“

Als die Anfrage vom ETV kam, musstest du da, auch gerade aufgrund der Vorgeschichte, lange überlegen, ob du es wieder machst – oder war für dich relativ schnell klar, dass du es machen wirst?

„Ich würde nicht von Druck sprechen und auch nicht sagen, wir müssen – aber wir gehören in die Landesliga“, so Mitteregger. Foto: KBS-Picture.de

Mitteregger: „Ich habe immer mal wieder mit dem ETV gesprochen. Man hat ja auch das eine oder andere Mal den Trainer gewechselt und ich war immer mal wieder mit denen im Austausch. Also, es war nicht so, dass ich da jetzt irgendwie geschluckt habe und mir gedacht habe: ‚Was ist denn nun los?‘ Ich kenne ja auch die Mannschaft, da wir mit Inter immer Testspiele gegeneinander gemacht haben. Jon Pauli ist zum Beispiel ein ehemaliger Schüler von mir. Deswegen hatte ich die Truppe immer so ein bisschen im Blick und habe mir über die Jahre auch immer mal wieder ein Spiel angeguckt. Gerade so die Derbys gegen Alsterbrüder waren schon immer geile Spiele. Von daher war mir die Mannschaft ein Begriff, zwar nicht im Detail – aber sie hat mich interessiert, weil es eine junge und hungrige Truppe ist.“

Du hast schon gesagt, dass der Verein an sich in die Landesliga gehört. Muss es auf längere Sicht hin nicht sogar das Ziel und Selbstverständnis eines so großen Clubs mit diesem Potenzial sein, in der Oberliga mitzuspielen und Mannschaften wie Dassendorf Konkurrenz zu machen?

Mitteregger: „So weit sind wir damals ja auch gar nicht gekommen, dass wir darüber sprechen können oder konnten. Es ist natürlich ein großer Verein – aber der Fußball spielt da auch nicht die Hauptrolle. Ohne das jetzt in irgendeiner Art und Weise kritisch anzusprechen, aber ich weiß ja, wovon ich spreche. Deshalb kann ich nicht sagen, inwieweit da jetzt der Fokus vermehrt auf Fußball gelegt wird. Es wandelt sich was – man sieht, was in der Jugend geht und dass es dort sogar einen festangestellten Jugend-Koordinator gibt. Das gab es zu meiner ersten Zeit ja nicht. Mir ist es zwar mal angeboten worden, aber ohne eine Festanstellung, sondern nebenbei und neben dem Trainerjob. Was da langfristig geht, das hängt immer davon ab, was der Verein will. Ich glaube aber, dass man in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht – auch vor meiner Zeit noch. Da wurde wirtschaftlich nicht so gut gearbeitet. Deswegen ist der Verein auch sehr vorsichtig. Denn die Zeit kennt auch ein Frank Fechner (Erster Vorsitzender; Anm. d. Red.) noch und er weiß auch, dass es mit vielen Kosten verbunden ist.“

Autor: Dennis Kormanjos

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