08.12.2018

„Mit sechs Mann trainiert und trotzdem hat's gereicht“: „Dasse-Dribbler“ angeschlagen – aber nicht geschlagen!

Ersatzgeschwächte TuS siegt gegen schwache Saseler im Pokal-Achtelfinale mit 2:0

Freude über das 1:0: Sven Möller, Torschütze Marcel von Walsleben-Schied, Mattia Maggio und Mark Hinze (v. li.) bejubeln den ersten Treffer des Spiels. Foto: KBS-Picture.de

In der Vergangenheit ging es das eine ums andere Mal hoch her, wenn die TuS Dassendorf und der TSV Sasel die Klingen kreuzten. Bester Beleg dafür: „Dasses“ Co-Trainer Mirko Petersen verweigerte Sasels Coach Danny Zankl vorm heutigen Spiel den Handschlag – wohl eine Replik auf das letzte Aufeinandertreffen in der Liga, als „Verbal-Vulkan“ Zankl an der Linie Richtung Petersen explodierte. Duelle zwischen der TuS und dem TSV verhießen in der Vergangenheit zumeist auch hochklassigen Fußball. Diesmal nicht ganz – weil die Gäste sich über die 90 Minuten (Hier gibt’s das Spiel zum Nachlesen im Live-Ticker) kaum eine richtig große Torchance erspielten und so das ODDSET-Pokal-Achtelfinale am Wendelweg verdient mit 0:2 verloren. 

Und so konnte Mattia Maggio nach dem Schlusspfiff erst einmal durchatmen. Es war für den Stürmer der TuS und seine Teamkollegen das Ende einer Woche, die alles andere als rund verlaufen war. Etliche Akteure fehlten beim Training angeschlagen und waren auch beim heutigen Match vor 210 Zuschauern nicht zugegen. Wieder andere standen gegen die „Parkwegler“ auf dem Platz, ohne zuvor überhaupt trainiert zu haben. Rinik Carolus musste sogar kurz vor der Begegnung noch passen, sodass Pascal Nägele in die Startformation rückte und auf der Bank mit André Rokita und Tristan Koops überhaupt nur zwei etatmäßige Feldspieler sowie Ersatzkeeper Tobias Braun saßen. Während Rokita und Koops noch ins Spiel kamen, blieb Braun draußen – und das, obwohl kurz darüber nachgedacht wurde, ihn als Feldspieler ins Match zu bringen. „Das machen wir jetzt nicht“, hatte Elard Ostermann schließlich entschieden. Die Demütigung, einen Keeper als Kicker auf den Rasen zu schicken – das wäre etwas zu viel gewesen. Doch auch so genügten die „dezimierten Dasse-Dribbler“, um Sasel in die Schranken zu weisen. „Weil wir elf Mann gefunden haben, die sich den Arsch aufgerissen und ein gutes Spiel abgeliefert haben“, wie Mattia Maggio meinte.

Maggio: „Ich wusste genau: Wer auf dem Platz steht, der wird sich den Arsch aufreißen“

Ein Blick, ein Pass – und das nächste Tor: Mattia Maggio (Mitte, hier im Duell mit Tolga Celikten) bereitet in dieser Szene das 2:0 vor. Foto: KBS-Picture.de

„Wir sind verdient weiter gekommen“, konstatierte der Angreifer der Gastgeber, die im Vergleich zur Niederlage gegen den SC Victoria am vergangenen Wochenende nicht wiederzuerkennen waren. „Wir wussten, dass wir von vornherein nur elf Mann sind – plus die beiden, die auf der Bank saßen. Davon war einer krank und der andere fast nie im Kader. Es war klar, dass wir alle mindestens 120 Prozent bringen mussten. Gegen Vicky haben wir am zurückliegenden Samstag diese Leistung nicht gebracht. Die Einstellung heute war der Unterschied zum Spiel gegen Vicky“, analysierte Maggio, der – nachdem Marcel von Walsleben-Schied die TuS nach Edin Tanovic' missglückter Klärungsaktion im Anschluss an ein Zuspiel von Sven Möller in Führung gebracht hatte (3.) – nach 56 Minuten das 2:0 für Pascal Nägele aufgelegt hatte. „Ich hatte viel Platz, hab mein Bestes versucht. Ein paar Mal hat es geklappt, über die Vorlage zum Tor bin ich glücklich“, sagte Maggio nach dem Schlusspfiff.

Daran, dass die TuS den Schritt ins Viertelfinale machen würde, habe er nie gezweifelt, so der Ex-Profi im weißen Trikot mit der Nummer fünf auf dem Rücken: „Es war schwierig mit den Probleme unter der Woche. Aber ich wusste genau: Wer auf dem Platz steht, der wird sich den Arsch aufreißen. Ich kenne die Qualität meiner Mitspieler und weiß genau: Daran gibt's nichts zu rütteln“, bilanzierte Maggio, während sich sein Coach freute. Es sei, ein „super Jahresabschluss“ für seine Mannschaft, befand Elard Ostermann, „wir haben ein super Spiel hingelegt für die Widrigkeiten, die wir hatten. Es war eine sehr gute Leistung mit dem letzten Aufgebot. Ich hatte unter der Woche nur sechs Feldspieler beim Training, drei Jungs aus der heutigen Startelf konnten nicht trainieren. Heute haben sie alle aufopferungsvoll gekämpft, sich bis zum Ende durchgequält und es herausragend gemacht. Darum ging es.“

Zankl: „Wir müssen gegen die 120 Prozent von Dassendorf bessere Geschütze auffahren“

Hoch das Bein: Dassendorfs Mark Hinze (re.) im Duell mit dem Saseler Benjamin Nadjem. Foto: KBS-Picture.de

Von Sasel „habe ich nicht eine große Chance gesehen. In der zweiten Halbzeit schon gar nicht. Sie waren lediglich bei Standards gefährlich. Wir haben gezeigt, dass wir unbedingt gewinnen wollten und haben ihnen den Schneid abgekauft“, sagte Ostermann, der das Ende des Spiels außerhalb der Coaching-Zone erlebte: Schiri Kevin Rosin (SV Lieth) hatte ihn – aber fälschlicherweise nachdem Ostermanns „Co“ Petersen beim Assistenten gemeckert hatte – aus selbiger verwiesen (81.). „Das muss ein Missverständnis gewesen sein, aber heute wollen wir ihm das mal durchgehen lassen“, lachte Ostermann, der abschließend nochmal auf den jüngsten 3:0-Auswärtssieg der TuS beim TSV in der Liga einging: „Da hat der gegnerische Trainer gesagt, dass Sasel das Spiel in Normalform gewonnen hätte. Diesmal haben wir mit nur sechs Mann trainiert und es hat trotzdem gereicht.“ Entsprechend hätte es also nach dem Spiel um das Seelenleben von Danny Zankl bestellt sein müssen – doch nichts da.

Obwohl seine Elf insgesamt enttäuschte, stellte Sasels Coach zunächst einmal fest: „Wir sind nicht verpflichtet, hier zu gewinnen. Das maßen wir uns auch nicht an. Wir haben aber schon oft genug gezeigt, dass wir solche Highlight-Spiele gewinnen können.“ Sein Elf hätte, so Zankl weiter, „nicht mit einem Rückstand in die Halbzeit gehen müssen. Das Gegentor fällt nach einer Standardsituation und ist dumm.“ Danach habe seine Elf „das taktisch richtig gut gespielt, nur der letzte Ball kam nicht gut an. Nach dem schnellen zweiten Tor nach der Pause hat man gemerkt, dass uns Leute wie Timo Adomat, Jan-Hendrik Kaetow oder Sebastian Zinselmeyer, die so ein Spiel in die Hand hätten nehmen können, gefehlt haben. Das 0:2 hat uns nicht gut getan, wir waren unstrukturiert und es war schwer, zurückzukommen, weil Glaube nicht mehr zu 100 Prozent da war. Es sind Erfahrungswerte. Mit solchen Rück- und Nackenschlägen klarzukommen und uns mehr Widerstandsfähigkeit aneignen. Wir müssen gegen die 120 Prozent von Dassendorf bessere Geschütze auffahren. Sie sind das Nonplusultra, daran möchten wir uns orientieren“, so Zankl, der mit einer Kampfansafe schloss: „Wir wollen sie trotz der Niederlage irgendwann nochmal wieder ärgern...“

Jan Knötzsch 

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