Landesliga Hammonia

Mit Geschick und Glück: Alsterbrüder mit erstem Auswärtssieg

05. September 2022, 22:16 Uhr

Der Matchwinner und Hattrick-Schütze der Alsterbrüder: Konrad Janta. Foto: Klaas Dierks

Am Sonntagnachmittag empfing der Kummerfelder SV den SC Alsterbrüder zum Aufsteigerduell auf seiner schönen Anlage am Ossenpadd vor gut 100 Zuschauern. Obwohl der durch ein Unwetter unbespielbar gewordene Kunstrasenplatz rechtzeitig wieder hergestellt worden war, wurde bei schönstem Wetter auf dem kurzgeschorenen Naturrasenplatz nebenan gespielt. Ein kleiner Vorteil für den Verein aus Schleswig-Holstein, da dies für die Hamburger Vereine der Landesliga in der Regel ein ungewohntes Geläuf darstellt. Durch einen Sieg am letzten Spieltag hatten sich die Alsterbrüder nun punktgleich mit den Kummerfeldern vor sie geschoben. 

Das 0:1 nach sechs Minuten: Tim Algner (li.) köpft zur Alsterbrüder-Führung ein. Foto: Klaas Dierks

Die Hamburger wollen ihren ersten Auswärtssieg und legen entsprechend los. Erste Annäherungen in der vierten und fünften Minute bringen zwar noch nichts Zählbares, ein Angriff in der sechsten Minute immerhin eine Ecke. Und die hat es, wie so oft in der Saison bei den Alsterbrüdern, in sich. Von rechts kurz herausgespielt, findet die anschließende Hereingabe den vor dem Fünfmeterraum lauernden Tim Algner, der mit einem entschlossenen Kopfball fast ungedeckt sein drittes Tor im dritten Spiel erzielt.

Nach der Führung versuchen die Alsterbrüder weiter durch spielerisch gelungene Aktionen den Vorsprung auszubauen, aber das ersatzgeschwächte Kummerfeld hält nun gut dagegen und kommt selbst zu Chancen. So in der 28. Minute, als Mikael Großmann frei vor Moritz "Mo" Kühn an der Grenze zum Fünfmeterraum auftaucht, abzieht und den Alsterbrüder-Keeper zu seiner ersten starken Parade des Matches zwingt. Statt des Ausgleichs nur zwei Minuten später das 0:2. Über Kühn und weitere Stationen im Mittelfeld gelangt der Ball nach weitem Schlag auf links zu Luca Drude, der den Ball an den langen Pfosten zu Konrad Janta bringt, der abgeklärt aus der Nahdistanz den Ball vorbei an Torwart Yannik Neumann in der kurzen Ecke unterbringt. Was für ein feiner Spielzug!

Stark pariert! Mikael Großmann (re.) prüft Alsterbrüder-Keeper Moritz Kühn. Foto: Klaas Dierks

Trotz der eigentlich beruhigenden Führung wirken die Gäste allerdings in der Folge nicht immer ballsicher, vor allem im Aufbauspiel. Ballverluste und kleinere Fouls sind die Folge, die dem Heimteam immer wieder Gelegenheiten zum Anschluss bescheren, die aber entweder nicht ausgespielt oder zu ungenau abgeschlossen werden. Fast mit dem Halbzeitpfiff bekommt dann Alsterbrüder-Kapitän Felix Niebuhr nach einem erneut gut getimten diagonalen Ball von Drude die Chance, auf 0:3 zu erhöhen. Seine Volleyabnahme trifft allerdings nur das Aluminium. So geht es mit einem aus Alsterbrüder-Sicht eigentlich beruhigendem Vorsprung in die Pause.

Das 0:2: Konrad Janta (re.) schiebt ganz cool ein und baut die FCA-Führung aus. Foto: Klaas Dierks

Aber, wer Kummerfeld kennt, weiß: So einfach gibt sich dieses Team nicht geschlagen. Bereits kurz nach Wiederanpfiff muss Kühn erneut sein ganzes Können aufbieten, um im Eins-gegen-Eins, diesmal gegen Enzo Simon, den Anschluss zu verhindern. Praktisch im Gegenzug, ähnlich wie in der ersten Halbzeit, machen es die Alsterbrüder auf der anderen Seite besser. Im Zusammenspiel der Torschützen bedient Algner auf links Janta in der Mitte, der zum 0:3 ins lange Eck einschiebt.

Diese Führung sollte den Alsterbrüdern Sicherheit vermitteln, doch statt gelungener Ballstafetten mehren sich die Abspielfehler und kleinen Fouls wie in der ersten Halbzeit. Es scheint, als müssten sich die Alsterbrüder in der Landesliga noch daran gewöhnen, deutliche Führungen sicher herunterzuspielen, statt etwas überhastet so zu agieren, als würde man zurückliegen. So wird das Ganze trotz des 0:3 noch einmal spannend. Kummerfeld beginnt, anders als in der ersten Halbzeit, die aus der Spielweise der Alsterbrüder resultierenden Chancen zu nutzen. In der 52. Minute gewinnt der physisch starke Marco Guillery im rechten Mittelfeld einen Zweikampf und zieht in den Alsterbrüder-Strafraum hinein. Flach schiebt er den Ball am herauseilenden Kühn vorbei ins lange Eck zum 1:3.

Marco Guillery (li.) bringt die Hausherren erstmals zum Jubeln - nur noch 1:3 aus KSV-Sicht. Foto: Klaas Dierks

Geht da noch was? Das Gegentor scheint die Konzentrationsfähigkeit der Alsterbrüder zumindest kurzfristig wieder hergestellt zu haben. Erst kann Kummerfelds Keeper Neumann zeigen, dass auch er sein Handwerk versteht, als er einen Schuss von Lenny Akpu entschärft, dann braucht er kurz darauf nicht mehr einzugreifen, als Lorenz Hertwig knapp verzieht. Sechs Minuten später kann Guillery seinen Doppelpack schnüren. Wieder ist er durch, wieder im Ein-gegen-Eins mit Kühn, doch dieses Mal setzt er den Ball knapp am Pfosten vorbei ins Aus. Auch eine kurz darauf ausgeführte Ecke bringt nicht den ersehnten Treffer. Wieder ist Kühn gegen einen Kopfball aus kurzer Distanz zur Stelle. Dann ist Trinkpause.

Knappe Kiste: Nach seinem Torerfolg verzieht Guillery (re.) nur äußerst knapp. Foto: Klaas Dierks

Alsterbrüder-Trainer Großkopf nimmt sein Team ins Gebet, mahnt, gibt Anweisungen. Dann geht es weiter. Fruchtet die Ansprache? Der für Algner eingewechselte Gian Luca Verago beweist Gefühl im Fuß und Übersicht, steckt zu Janta durch, der abgeklärt sein drittes Tor in der Partie macht. Nicht nur seine Kaltschnäuzigkeit in hitziger Atmosphäre imponiert, auch seine Kondition und Bereitschaft, selbst spät in der zweiten Halbzeit lange Wege zu gehen. War es das jetzt für die Alsterbrüder? Nein! Quasi im Gegenzug kommt wieder einer dieser langen Bälle in die Spitze. Die Alsterbrüder stehen zu offen, und so müssen sich Guillery und Simon am Sechzehner des Gegners nur noch einigen, wer denn nun aufs Tor schießt. Das ist dann Simon, der die Kugel an Kühn vorbei zum 2:4 in die Maschen bringt, obwohl der Torsteher noch dran ist, trudelt der Ball letztlich über die Linie.

Letztlich ist es Enzo Simon (re.), der im "Zweikampf" mit Guillery die Oberhand behält und zum 2:4 einschießt. Foto: Klaas Dierks

In den letzten Minuten der Partie entwickelt sich ein offener Schlagabtausch mit schneller Überbrückung des Mittelfeldes. Beide Mannschaften habe gute Gelegenheiten, das Ergebnis noch zu verändern. Der Einzige, der noch trifft, ist: erneut Enzo Simon. Nach einem schnell durch Dominik Berlin ausgeführten Freistoß in Strafraumnähe, den Kummerfelds Nummer elf zu seinem persönlichen Doppelpack einnickt (90. +1). Den Ausgleich erzielen die Kummerfelder nicht mehr, dazu läuft ihnen die Zeit davon. So bleibt es beim 3:4 aus ihrer Sicht; eine schmerzliche Niederlage in einem sehr fairen Spiel, in dem es zwar keine gelbe Karte gab, aber leider eine schwere Verletzung. Der gerade erst eingewechselte Moritz Krellmann erlitt am Boden liegend einen Bruch der Hand. Von dieser Stelle die besten Wünsche für eine baldige Genesung!

Die Chance für Enzo Simon (re.) - knapp verzogen. Foto: Klaas Dierks

Für die Alsterbrüder ist es der erste Auswärtssieg in der Landesliga. Aber die meisten Akteure sind zu erschöpft, um sich darüber direkt nach dem Abpfiff zu freuen. Aufgrund der Ergebnisse der anderen Partien in der Hammonia-Staffel bleiben die Positionen für beide Teams in der Tabelle unverändert. In der nächsten Partie können die Alsterbrüder mit einem Sieg gegen HNT allerdings Anschluss ans obere Mittelfeld erhalten. Auf den ersten Blick eine machbare Aufgabe gegen den aktuell Zwölften der Tabelle, der aber auswärts mehr Punkte geholt hat, als die Eimsbütteler. Die Kummerfelder werden versuchen, nach nun drei verlorenen Spielen in Folge, gegen den HTB wieder zu punkten.

Klaas Dierks

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