Oberliga 01

Mit „Eiern“, einem Riesen-Keeper „aus der kalten Hose“ und Haimerls Hellseher-Fähigkeiten: BU punktet dreifach bei der „Schwarmintelligenz“!

24. September 2021, 23:56 Uhr

Vor der Anzeigetafel der Concorden bejubelt BU den Auswärtssieg im Sportpark Hinschenfelde. Foto: Kormanjos

Er sank nieder und ballte beide Fäuste: In dem Moment, als der Schlusspfiff ertönte, kannte der Jubel bei BU-Trainer Jan Haimerl keine Grenzen mehr. „Totgesagte leben länger“, zog er im anschließenden Mannschaftskreis den Hut vor seinem Team und brachte seinen Stolz über die gezeigte Leistung zum Ausdruck (alle Highlights im LIVE-Ticker). „Wir haben heute unfassbar viele Meter gemacht, unglaublich gearbeitet und super viel Leidenschaft auf dem Platz gelassen. Man hatte das Gefühl, die Jungs haben die dritte, vierte und sogar fünfte Luft bekommen. Das haben sie sich verdient!“

Da Stammkeeper Rene Heide kurzfristig krankheitsbedingt ausfiel, musste dessen Ersatzmann Malte Leskien zwischen die Pfosten. Zweimal musste sich der Barmbeker Schlussmann in der ersten Halbzeit strecken: Erst pflückte er einen Kopfball von Vedat Düzgüner aus dem Toreck (7.), dann machte er sich nach einem Freistoß von Steven Lindener lang (16.). Leskien war zur Stelle, wenn er gefordert wurde – auch wenn er in beiden Fällen da sein musste. Mehr Gefahr ging von angeschlagenen Concorden im ersten Abschnitt nicht aus. Das Pokal-Aus bei Bezirksligist HT 16 (4:6 n. E.) und die Klatsche im Spitzenspiel bei der TuS Dassendorf (0:4) hatte ganz offensichtlich Spuren hinterlassen. Bezeichnend: Als Schiedsrichter Tim Kossek zur Pause pfiff, lautete der Kommentar eines Cordi-Anhängers von der Tribüne im Sportpark Hinschenfelde: „Könnt ihr euch mal den Arsch aufreißen?!“

Akamé trifft, Haimerls hellseherische Qualitäten treffen fast ein

Aristene Akamé (re.) erzielte den goldenen Treffer und stand nach einem Lakic-Standard goldrichtig. Archivfoto: noveski.com

Denn: Cordi strahlte nicht nur zu wenig Torgefahr aus, sondern fing sich auch hinten einen ein. Weil Marc Bölter nach einem Eckball von Haris Lakic am zweiten Pfosten über die Kugel drosch, hatte Aristene Akamè leichtes Spiel (36.)! „Dass Marc der Ball verspringt, ist doof. Aber das muss eine Mannschaft mit unserer Qualität locker wegstecken“, monierte Cordi-Coach Frank Pieper-von Valtier. Während sein Gegenüber verriet: „Das war heute der Plan, über Standardsituationen gefährlich zu werden. Wir hatten das Gefühl, dass sie damit Probleme haben. Darauf haben wir es angelegt.“ Und weiter: „Haris hat sich in den letzten Wochen richtig gut entwickelt. Diese Schusstechnik ist krank, wie die Jungs sagen würden.“ Noch vor dem Spiel wagte Haimerl uns gegenüber den mutigen Tipp, dass seine Elf durch einen Lakic-Treffer nach einem Freistoß mit 1:0 gewinnen würde. Hinterher witzelte er: „Ich bin ein sehr schlechter Wahrsager. Vielleicht habe ich ihn qualitativ einfach überschätzt“, avancierte Lakic schließlich zum goldenen Vorbereiter. „Letzte Woche hatten wir den zweiten Pfosten nicht besetzt, heute machen wir den glücklicherweise rein.“

Leskien macht "Riesenspiel aus der kalten Hose"

Dem Gegentor lief Cordi in der Folge hinterher – und das im wahrsten Sinne des Wortes. „Wir machen Fehler – das gibt‘s nicht“, schimpfte Pieper-von Valtier eine Viertelstunde vor Ultimo – und legte nach: „Das sind Pässe, die kosten so viel Kraft.“ Wenig später erkannte auch der Cordi-Coach an der Seitenlinie: „Jetzt wird‘s langsam eng mit der Zeit.“ Die Chancen, die der Gastgeber hatte, resultierten aus Einzelaktionen, wie bei Düzgüners (54.) oder auch Bölters (64.) Abschlüssen aus der zweiten Reihe und Claus‘ Solo (80.), sowie aus Fehlern der Barmbeker, wie bei der zu kurz geratenen Kopfballrückgabe von Dominik Ulrich, als erneut Leskien gegen Ebenezer Utz hellwach war (68.). Der BU-Fänger machte „ein Riesenspiel aus der kalten Hose“, wie selbst Haimerl konstatierte.

Schön und Höcker fliegen - Claus schimpft: "Ist das schlecht!"

Bereits in der Pause steckte Cordis Trainerteam die Köpfe für einige Zeit zusammen. Foto: Kormanjos

BU stemmte sich mit purer Leidenschaft dagegen, verteidigte die Führung und hätte mit besser gefahrenen Kontern sogar das zweite Tor erzielen können. Die Hausherren verstrickten sich hingegen immer mehr in ihrer Verzweiflung. Binnen zehn Zeigerumdrehungen handelte sich der erst zur zweiten Halbzeit eingewechselte Lawrence Schön die Ampelkarte ein (87.), ehe auch noch Keeper Johannes Höcker in der Nachspielzeit wegen Meckerns vorzeitig des Feldes verwiesen wurde (90. +2). Zuvor schaltete sich der Torsteher bereits mit nach vorne ein – vergeblich. Der einmal mehr überaus unglückliche Ian-Prescott Claus fluchte bereits wenige Augenblicke zuvor – angesichts des Auftretens seines Teams: „Ist das schlecht, ey!“

"Nicht die besten Fußballer, aber wir haben inzwischen Eier!"

Am Ende feierte BU einen alles andere als unverdienten Sieg, weil Cordi keine Lösungen fand. „Wir werden langsam immer mehr zu einer echten Mannschaft“, strahlte Haimerl. „Wir sind sicherlich nicht die besten Fußballer, aber was wir inzwischen haben, sind: Eier! Ich hätte mir die schon in der letzten Woche gewünscht, so mussten wir halt bei der Schwarmintelligenz punkten“, gab er den Hausherren noch einen kleinen Seitenhieb mit – und erklärte, dass er nach der Derby-Pleite gegen Bramfeld (2:3) „etwas lauter werden musste, das hat gefruchtet. Die Jungs haben sich das verdient!“ Diesmal dürfen sich seine Schützlinge „als Derbysieger fühlen. So hat Cordi das Spiel ja im Vorfeld angekündigt – auch wenn es für mich nicht unbedingt ein Derby war. Aber es tut natürlich immer gut, wenn man als relativ junger Trainer gegen erfahrenere Trainer punktet. Zumal wir im Vergleich sehr, sehr schmale, dürftige und nicht vorhandene Mittel haben.“

"Wir haben uns nicht gut angestellt"

BU-Coach Haimerl (Mi.) richtet nach dem Überraschungscoup einige Worte an seine Mannschaft und bekundet seinen Stolz aufs Team. Foto: Kormanjos

Der langjährige BU-Übungsleiter Frank Pieper-von Valtier gab sich zunächst sehr schmallippig. Auf die Frage, ob er aus dem Spiel irgendetwas Positives ziehen könnte, entgegnete er: „Ja, ich weiß deutlich mehr über meine Mannschaft und woran wir arbeiten müssen...“ Ihm habe die Körpersprache nicht gefallen und es fehlte die Bindung zwischen den Mannschaftsteilen. „Wir haben zwar geduldig gespielt, aber nur bis ungefähr 35 Meter vor dem Tor. Beim Herausspielen der Torchancen haben wir uns auch nicht gut angestellt. Das haben wir in der gesamten Vorbereitungszeit und in den ersten Spielen deutlich besser gemacht.“ Es sei klar, so Pieper-von Valtier, „dass in einem Spiel, wo der Gegner den Bus vor dem Tor parkt und auf seine Gelegenheit wartet, die Standardsituationen ein ganz großes Gewicht haben“.

"Es ist nicht unser Anspruch!"

Alles in allem sei es „nicht das, was wir vorher gespielt und auf den Platz gebracht haben. Es reicht eben nicht aus und entspricht auch nicht unseren Ansprüchen, wenn man ein Spiel zwar beherrscht und dominiert – aber nur in der Mitte des Feldes.“ Kann man nach drei Niederlagen in Folge von einer Cordi-Krise sprechen? „Wenn man Journalist ist“, konterte Pieper-von Valtier – und führte aus: „So ein Wort macht es nicht besser oder schlechter. Es ist nicht unser Anspruch. Aber alles andere ist immer eine Definitionsfrage. Die Jungs waren fleißig, aber nicht mutig – und das reicht gegen so eine Mannschaft nicht.“

Autor: Dennis Kormanjos

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