15.01.2019

„Mit dem fünften Platz werde ich mich nicht zufrieden geben“

Türkiyes (Interims-)Trainer Sebastian Loether im Interview

„Der dritte Rang ist das, was wir anpeilen“, sagt Sebastian Loether über die Türkiye-Ziele für die Restsaison. Foto: KBS-Picture.de

Die Personalie war bereits kurz vor Weihnachten die wahrscheinlichste, als es um die Nachfolge von Michael Fischer auf dem Trainerposten beim FC Türkiye ging, nun ist sie auch endgültig in trockenen Tüchern: Sebastian Loether, zu Beginn der laufenden Saison als Co-Trainer von der SV Halstenbek-Rellingen nach Wilhelmsburg gewechselt, um dort zum Spielerkader zu zählen, wird interimsweise bis zum Saisonende Trainer des aktuellen Tabellenfünften der Landesliga Hammonia. Wir haben mit dem 34-Jährigen über den Reiz seiner neuen Aufgabe, personelle Veränderungen im Winter und seine Ziele für die restliche Spielzeit gesprochen. 

Sebastian, wie überraschend kam es für dich, dass sich Türkiye kurz vor Weihnachten von Michael Fischer getrennt hat?

Sebastian Loether: Sehr überraschend. Ich habe es kurz nachdem „Fischi“ und unser Manager Klaus Klock zusammengesessen haben, erfahren. Klock hat mich am 22. Dezember angerufen, davon in Kenntnis gesetzt und mich gefragt, ob ich mir vorstellen kann, die Nachfolge anzutreten.

Wie lange musstest du überlegen, als er dich gefragt hat, ob du bis zum Sommer interimsweise den Trainerposten übernimmst?

Loether: Eigentlich bin ich ja zum FC Türkiye gewechselt, weil ich hier so langsam Abstand von meiner Karriere als Spieler gewinnen wollte und diese so langsam ausklingen lassen wollte. Das hatte auch mit dem Fahrtweg zu tun. Ich musste immer weit raus nach Halstenbek. Zu Türkiye hab ich es hingegen nicht weit, weil Wilhelmsburg für mich nicht weit entfernt ist. Klock hat ab dem Winter sowieso mit mir im Trainerteam geplant, wie er mir verraten hat. Als er mit der Frage auf mich zukam, ob ich die Nachfolge von Michael Fischer antreten will, musste ich eigentlich nicht so lange überlegen.

Warum hast du letztlich relativ schnell „ja“ gesagt?

Zakaria Chergui wird bei den Wilhelmsburgern vom Keeper zum Torwart-Trainer. Foto: KBS-Picture.de

Loether: Weil es aus meiner Sicht nach wie vor eine reizvolle Aufgabe ist, Trainer bei Türkiye zu sein.

Das musst du uns erklären. Derzeit ist Türkiye zwar Fünfter in der Tabelle, hat aber schon 14 Punkte Rückstand auf die Spitze. Wo liegt der Reiz, wenn's um nichts mehr geht?

Loether: Ich will immer das Bestmögliche erreichen und alles geben. Für mich als Spieler war es immer so, dass ich auch in der 94. Minute bei einem 0:5-Rückstand noch gegrätscht habe. Als Fünfter will ich die Saison jedenfalls nicht beenden.

Sondern? Was ist dein Ziel?

Loether: Ich denke, dass Paloma und der HSV III den Aufstieg unter sich ausmachen werden. Erster oder Zweiter werden wir nicht mehr. Aber der dritte Rang ist das, was wir anpeilen. Mit dem fünften Platz werde ich mich nicht zufrieden geben. Das werden die Jungs in der Vorbereitung schon merken. Ich werde das Programm ein bisschen anziehen. Wir müssen als Mannschaft zusammenhalten und auch damit klarkommen, wenn wir mal eine Negativserie haben. Ich möchte in der Tabelle am Saisonende so weit oben stehen, wie es möglich ist und den Grundstein für einen guten Weg des Vereins für die Saison 2019/2020 legen.

Du bist vorerst nur Interimstrainer bis zum Saisonende. Das klingt aber so, als ob du dir vorstellen kannst, das Amt aber auch darüber hinaus auszuüben...

Loether: Das haben wir bewusst offen gelassen. Ich hatte bis zum meinem Engagement als Spieler hier nicht so viele Berührungspunkte mit dem FC Türkiye. Ich möchte mir angucken, wie es als Trainer läuft. Darüber habe ich mit Klaus Klock auch genau so gesprochen.

Spielt dabei vielleicht auch eine Rolle, dass deine Vorgänger nicht unbedingt die längste Halbwertszeit auf dem Posten hatten?

Loether: Dass die alle nicht so überaus lange Trainer waren, hab' ich auch schon gelesen (lacht). Aber das interessiert mich nicht. Ich muss mir selbst ein Bild machen. Ich hatte ein gutes und offenes Gespräch mit Klaus und weiß, dass er für den Sommer mit noch keinem anderen Trainer gesprochen hat.

Lass uns zum Tagesgeschäft kommen: Wirst du einen Co-Trainer an deiner Seite haben?

„Er ist als Kapitän ein Spieler, auf den ich mich verlassen kann“, sagt Loether über Philip Pettersson. Foto: Bode

Loether: Nein, aber wir machen Zakaria Chergui, der bislang Keeper bei uns war, zum Torwart-Trainer. Ansonsten ist Philip Pettersson als Kapitän ein Spieler, auf den ich mich verlassen kann. Er ist ein Wortführer, ihn werde ich mir greifen, wenn ich Unterstützung brauche.

Personell haben sich Jan Rottstedt, Anton Lasko und Sascha Richert verabschiedet. Wie sieht's mit weiteren Abgängen aus? Bricht die Mannschaft vielleicht sogar auseinander, jetzt wo „Fischi“ weg ist?

Loether: Nein, wir haben einen guten Zusammenhalt in der Mannschaft. Auch mein Standing in der Mannschaft ist gut – so ist das Feedback, das ich bekommen hab'. Ich versuche, für jeden Spieler da zu sein – auch für die Nummer 13 oder 14. Die Mannschaft funktioniert. Es ist wichtig, zu sehen, dass der Zusammenhalt da ist. Dass sich Rottstedt und Richert verabschiedet haben, hat interne Gründe – so wie auch bei Lasko unter Fischer. Ich weiß, dass wir eine gute Truppe und Gemeinschaft haben.

Mit Elias Sawicki und Kevin-Uwe Son gibt’s bislang zwei Neue. Was tut sich im Winter in Sachen Zugänge noch?

Loether: Stand jetzt kommt Hasan Capa als Keeper wieder dazu, weil Chergui ja jetzt Torwart-Trainer ist und wir die Planstelle im Kader wieder besetzen müssen. Zudem haben wir ja noch einige Langzeitverletzte, die nach und nach wieder einsteigen. Insgesamt haben wir dann einen Kader von 19,20 Spielern. Das reicht für die restlichen Spiele in dieser Saison aus.

Interview: Jan Knötzsch 

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