Oberliga

Mirco macht's möglich: „Dasse“ deprimiert, „T05“ triumphiert – und Thomas wird zum verhinderten „Sushi-Bomber“

01. Dezember 2019, 18:56 Uhr

Glückwunsch, Junge: Vincent Boock (Zweiter v. re.) klatscht Mirco Bergmann (Zweiter v. li.) ab, der den Siegtreffer erzielte. Foto: KBS-Picture.de

Der Held des Tages zierte sich ein bisschen. Denn als Mirco Bergmann wenige Minuten nach dem Abpfiff des Oberliga-Spitzenspiels zwischen dem Verfolger FC Teutonia 05 und Spitzenreiter TuS Dassendorf vor die Kamera zum Fussi-Freunde-Interview sollte, da wiegelte der Mann, der in der Nachspielzeit den Siegtreffer zum Teutonen-Triumph und der ersten Dassendorfer Saisonniederlage erzielt hatte, ab. „Das kann ich Jonny nicht antun“, sagte Bergmann mit Blick darauf, dass er soeben dafür gesorgt hatte, dass sein ehemaliger Trainer mit leeren Händen da stand. Letztlich gab Teutonias Blondschopf dann doch bereitwillig Auskunft (siehe Video). Und „Jonny“ Richter? „Ausgerechnet du. Das war ja klar...“, stellte Dassendorfs Coach fest, als ihm sein Ex-Schützling aus alten Süderelbe- und Vicky-Zeiten nach der Pressekonfefenz über den Weg lief.

Bergmann grinste kurz, Richters Lachen war eher etwas gequälter Natur – zum gemeinsamen Abklatschen der beiden Protagonisten lange es aber dennoch. Ob ein Treffen so harmonisch auch zwischen Referee Kevin Rosin (SV Lieth) und den Dassendorfern abgelaufen wäre? Man darf es zumindest anzweifeln, denn so richtig zufrieden war die TuS mit der Leistung des Spielleiters nicht. Vor allem mit einer Szene nicht: der aus der 25. Minute. Was passiert war? Nun, Teutonen-Keeper Yannick Zummack war nach einem Schuss zur Stelle und wehrte den Ball ab, konnte as Leder aber nicht richtig festhalten. Finn Thomas witterte dies, war zur Stelle und netzte ein. Es wäre das 2:1 für „Dasse“ gewesen, nachdem die TuS zuvor durch Sven Möller (7.) in Führung gegangen war und Teutonia durch Vincent Boock ausgeglichen hatte (19.). Es blieb allerdings beim Konjunktiv. Denn nach Rücksprache mit seinem Assistenten Jannik Möller (SV Lieth) gab Spielleiter Rosin, der vorher auf Tor entschieden hatte, den Treffer dann doch nicht. Thomas' Einsteigen gegen Zummack, der anschließend behandelt werden musste, wertete das Gespann als Foulspiel.

Teutonias Siegtorschütze Mirco Bergmann im Interview

Titze: „ Die ersten 15, 20 Minuten hat Dassendorf es überragend gemacht, wir nicht“

Reguläres Tor – oder nicht? Dassendorfs Finn Thomas (re.) trifft nach 25 Minuten gegen Teutonias Torwart Yannick Zummack. Foto: KBS-Picture.de

Und damit war Finn Thomas um eine ganz besondere Tor-Präme ärmer. Oder doch nicht? Maximilian Flatau, der Sohn von Dassendorfs Fußball-Abteilungsleiter Fank Flatau, war jedenfalls vor dem Spiel an der Kreuzkirche mit einer Sushi-Box aufgetaucht. Nicht für dem Eigenbedarf, wie er versicherte, sondern für Thomas. Wenn der denn ein Tor schießen würde, so die Auskunft von Flatau junior. Nach dem Spiel aber wechselte die Box dann doch den Besitzer, auch wenn Thomas aufgrund des Schiri-Gespanns zum verhinderten Sushi-Bomber geworden war. „Er hat ja ein Tor gemacht“, sagte „Maxi“ Flatau lachend, als Finn Thomas neben ihm vor der Kabine stand. Und Thomas selbst? „Ich weiß nicht, warum das Tor nicht gezählt hat. Ich treffe den Ball und nicht den Torwart – und der hat den Ball vorher nicht festgehalten“, so der Dassendorfer, der für die Aktion aus Minute 25 sogar noch die Gelbe Karte gesehen hatte.

„In so einem Spiel ist immer ein bisschen mehr Gift oder Spannung drin als in anderen. Das sind wir gewohnt. Es macht immer großen Spaß, gegen Dassendorf zu spielen, Wir waren die kämpferischere Mannschaft, das hat sich am Ende ausgezahlt und wurde belohnt. Wenn man den Ballbesitz und die Chancen betrachtet, dann waren wir effektiver“, analysierte Siegtorschütze Bergmann und bemühte einen Vergleich mit der Bundesliga vom Vortag: „Wir waren Leverkusen und Dassendorf war Bayern München. Der Trainer hat uns ordentlich heiß gemacht.“ Und auch Teamkollege Deran Toksöz erklärte nach dem Match, in dem Pascal Eggert erst noch für das 2:1 sorgte (43.), ehe „Dasse“ durch Marcel Lenz ausglich (61.): „Unser Coach hatte seine Philosphie und seine Taktik – und die ist aufgegangen. Wir standen ganz gut, nur in den ersten 15, 20 Minuten haben wir es nicht so gut gemacht. Danach waren wir da. Wenn wir den einen oder anderen Konter besser ausspielen, sieht es vielleicht vorher schon anders aus.“

Richter: „Es ist bitter, dass ein abgefälschter Schuss das Spiel entscheidet“

Zweikampf fast an der Außenlinie: Kerim Carolus (re.) fährt Teutonias Deran Toksöz in die Parade. Foto: KBS-Picture.de

„Ich kann verstehen, wie bitter sich das emotional für Dassendorf anfühlt. Es ist scheiße, wenn man ein gutes Spiel macht und nicht gewinnt. Emotional ist das nicht zu toppen, diesmal waren wir die Glücklichen. Aber ich habe auch Mitleid mit meinem Trainerkollegen, weil wir am vergangenen Wochenende gegen Osdorf mit dem 4:4 einen ähnlichen Moment hatten“, konstatierte Sören Titze nach dem Spiel. „In dieser Partie war für die neutralen Zuschauer alles drin: Emotionen, Zweikämpfe und Taktik. Die ersten 15, 20 Minuten hat Dassendorf es überragend gemacht, wir nicht. Ich habe gemerkt, dass die Jungs draußen einen Trainer brauchen, der signalisiert: 'Ich glaube fest dran, dass was möglich ist'. Also habe ich entgegen meinem Naturell etwas mehr gesagt und auch in der Pause die Jungs emotional abgeholt“, stellte der Trainer der Teutonen fest. „Ich habe viel versucht, von draußen zu pushen. Dass wir beim 2:2 nach der Pause so schlecht verteidigen, war ein emotionaler Nackenschlag. Danach gab es in der Schlussphase hüben wie drüben 100-prozentige Chancen. Ich bin froh, dass es mit einem Lucky Punch für uns endet“, resümierte Titze.

Auf der anderen Seite stufte Jean-Pierre Richter die Niederlge in einem „intensiven, zum Teil hektischen Spiel“ als „für uns sehr enttäuschend“ ein. Seine Elf sei, so der Coach der Gäste, „aktiv, sehr zielstrebig und kreativ“ gewesen: „Wir haben von Anfang an eine gute Physis auf den Platz bekommen.“ Bei einem der Gegentreffer habe seine Elf zunächst „mit dem, was der Gegner nutzen kann, dafür gesorgt, dass wir bestraft werden“ und dann „durch einen individuellen Fehler. Da waren wir zu passiv in der eigenen Hälfte.“ Dennoch: „Danach schaffen wir den Torunaround und spielen eine super zweite Hälfte. Wir hatten ein bisschen offeneres Visier, waren früher dran. Die letzten zehn Minuten waren offen und chaotisch – da kann auf beiden Seiten der Siegtreffer fallen. Viel mehr Chancen können wir uns nicht mehr herausspielen. Es ist bitter, dass ein abgefälschter Schuss das Spiel entscheidet“, erklärte Richter seine Sicht der Dinge, während Deran Toksöz zuvor draußen nach dem Spiel noch auf dem Kunstrasen mit Blick auf die Situation in der Tabelle festgestellt hatte: „Dassendorf hatte in dieser Saison noch nicht so die Verletzzúngssorgen wie wir. Vielleicht bekommen sie nochmal eine kleine Schwächephase – und dann sind wir hoffentlich da.“

Jan Knötzsch 

Kommentieren

Mehr zum Thema