LL Hansa/Oberliga

Mimarbachi: „Es war überhaupt nicht geplant, im Rampenlicht zu stehen“

04. Juni 2020, 10:11 Uhr

Robert Mimarbachi hat die Nachfolge von Mato Mitrovic beim VfL Lohbrügge angetreten - dabei wollte er gar nicht im Rampenlicht stehen, wie er sagt. Foto: Bode

Im Februar 2013 endete seine erste Amtszeit beim VfL Lohbrügge. Damals trennte sich der Verein von Robert Mimarbachi, der sich zu jener Zeit beruflich verändert hatte und für einen bestimmten Zeitraum als Manager etwas kürzertreten wollte. Doch der Erste Vorsitzende Jens Wechsel überraschte den heute 45-Jährigen mit der sofortigen Trennung. Mimarbachi sprach zu diesem Zeitpunkt von einer „riesigen Enttäuschung“, von einer Entscheidung seitens des Vereins, für die er „kein Verständnis“ habe und die er „überhaupt nicht nachvollziehen“ könne. Seither sind sieben Jahre ins Land gegangen – und siehe da: Inzwischen ist Robert Mimarbachi zurück am Binnenfeldredder. Auch mit der Erkenntnis: „Ich konnte dem Fußball nicht die nötige Aufmerksamkeit schenken, wie es der Verein erwartet hat.“

„Alte Liebe rostet nicht“, erklärt Mimarbachi im Amateurtalk „Kalles Halbzeit im VERLIES“ sein Comeback beim Hansa-Primus, der in der kommenden Spielzeit in Hamburgs höchster Spielklasse um Punkte kämpfen wird. Anfang des Jahres hätten sich Präsident Jens Wechsel und seine Wenigkeit „zufälligerweise mal wieder getroffen“. Daraus entstand das eine oder andere Gespräch, wie Mimarbachi berichtet, und die Überlegung, seine Person „wieder mit einzubinden“. Er habe sich Gedanken gemacht und schließlich gesagt: „Lohbrügge ist meine alte Liebe, eine spannende Aufgabe.“ Zu der Zeit ging es allerdings noch darum, den Sportlichen Leiter Mato Mitrovic zu unterstützen. „So haben wir angefangen, den einen oder anderen gemeinsamen Plan zu schmieden“, erzählt Mimarbachi – und verrät: „Es war überhaupt nicht geplant, im Rampenlicht zu stehen – definitiv nicht. Die Aufgabe, die wir irgendwann mal skizziert und miteinander vereinbart haben, betraf das Organisatorische und Kaufmännische im Hintergrund.“

"Man hat ihm angeboten, ein bisschen kürzer zu treten"

"Alte Liebe rostet nicht", so Mimarbachi, der nach seinem Aus im Jahr 2013 an den "Binner" zurückkehrt. Foto: Bode

Denn „eine Mannschaft in der Oberliga braucht natürlich auch eine gewisse Struktur. Das fängt bei der Etatplanung an – und geht dann weiter über Themen wie Sponsoring oder Ausrüstung. Eben all das, was so dazu gehört. Die Idee war, dass ich dieses Thema begleiten sollte und ich habe mich da auch wiedergefunden. Denn das war auch eine Geschichte, die ich in Dassendorf länger gemacht habe.“ Doch dann „kam es ganz anders“. Mitrovic und der VfL gingen getrennte Wege – und plötzlich rückte Mimarbachi doch ins Rampenlicht. „Das sind Gespräche, die seinerzeit mit dem Vorstand gelaufen sind. Der Kenntnisstand, den ich hatte, war der, dass Mato damals auf den Vorstand zukam und gesagt hat, dass er aufgrund einer beruflichen Situation, die sich bei ihm ergeben hätte, keine Zeit mehr hätte, diesen Job auszufüllen. Dann hat man gemeinsam überlegt, wie man das macht – und hat auch eine ganze Zeit versucht, ihn im Verein zu halten für die eine oder andere Aufgabe. Man hat ihm angeboten, eventuell ein bisschen kürzer zu treten. Aber das hat scheinbar nicht funktioniert.“

"Ich habe mich aus den Gesprächen ganz bewusst rausgezogen"

Gemeinsam mit dem Trainerduo Sven Schneppel (li.) und Elvis Nikolic will Mimarbachi den VfL Lohbrügge in der Oberliga etablieren. Foto: Bode

Mitrovic selbst stellte das Szenario uns gegenüber ein wenig anders dar: „Ich wollte Lohbrügge nicht verlassen“, teilte er uns unlängst mit. Er habe mit dem Vorstand gesprochen und diesem lediglich mitgeteilt, „dass ich in den nächsten zwei, drei Monaten mehr Zeit für meine neu aufgebaute Firma brauche. Es war von meiner Seite aus nie die Rede davon, komplett aufzuhören.“ Für ihn sei es „ein großer Schock“ gewesen, „in einem kurzen Gespräch am Telefon zu erfahren, dass meine Dienste nicht mehr erwünscht sind“. Mimarbachi sagt derweil, dass er selbst „bei den letzten Gesprächen nicht dabei“ war. „Ich habe mich da auch ganz bewusst rausgezogen, weil für mich klar war, dass dieser Manager-Posten, den Mato – in Verbund mit der Sportlichen Leitung und allem, was dazu gehört – gemacht hat, nicht zwingend das ist, was ich machen wollte. Aber irgendwann schien es dann so, dass man keinen gemeinsamen Weg mehr gefunden hat.“

"Auch bei uns herrscht völliges Unverständnis und es ist schwer zu verstehen"

Eigentlich sollte Mimarbachi im Hintergrund die Geschicke mit Mato Mitrovic (re.) zusammen leiten - doch dann kam alles anders. Foto: Bode

Eine Situation, die mit der von 2013, als es Mimarbachi traf, vergleichbar scheint. Da dieser aber den Kenntnisstand hatte, dass sich Mitrovic komplett zurückziehen wolle, war die Überraschung umso größer, als bekannt wurde, dass der ehemalige Trainer und Manager des FC Bergedorf 85 nun bei Concordia nageheuert und dort die Nachfolge von Matthias Stuhlmacher angetreten hat. „Damit haben wir absolut nicht gerechnet. Auch bei uns herrscht völliges Unverständnis und es ist schwierig zu verstehen. Wir, damit sind Elvis Nikolic und ich gemeint, haben uns noch mit Mato getroffen – und überlegt, wie wir das gemeinsam hinkriegen. Als wir dann erfuhren, dass er zu Cordi geht, habe ich mich auch gefragt: Wie kann das sein? Wo kommen auf einmal die Zeit und dieser plötzliche Sinneswandel her?“, nimmt Mimarbachi in der „Kalles Halbzeit“-Show kein Blatt vor den Mund.

"Am Ende gewinnen nicht die besten Einzelspieler, sondern die beste Mannschaft"

Wie dem auch sei. Inzwischen hat er den Posten von Mitrovic übernommen – und innerhalb des Teams wurde „ein gewisser Schnitt gemacht“. Man habe Spielregeln festgelegt und überlegt, wie man dieses Konstrukt bestreiten und sich konkret aufstellen wolle. Denn: „Am Ende gewinnen nicht immer zwingend die besten Einzelspieler, sondern die beste Mannschaft.“ Dieses Konzept habe man der Mannschaft vorgestellt und relativ klar sowie offen formuliert, „was wir von jedem Einzelnen erwarten und welchen Weg wir bestreiten werden. Da haben fast alle unisono gesagt, dass sie dabei sind.“ Er denke schon, dass man am „Binner“ gute Argumente habe – und damit ist nicht nur das Finanzielle gemeint, wie Mimarbachi klarstellt: „Wir versuchen, den Spieler nicht nur in das Team oder in die Mannschaft einzubinden, sondern ganzheitlich in den Verein. Da findet jeder seine Aufgabe und jeder kann seine Vorlieben so ausleben, wie er es will.“ Durch den Wegfall von Mitrovic habe man am Binnenfeldredder nun „eine außergewöhnliche Situation“, so Mimarbachi. „Denn wir haben keinen klassischen Manager, der auch Sportlicher Leiter ist. Wir machen das gemeinsam, stimmen uns ab, führen die Gespräche zusammen und entscheiden dann auch gemeinsam. Wir sind ein Team – und so fungieren wir auch.“ Bei der Kaderzusammenstellung komme es vor allem darauf an, dass „der Charakter passen muss“.

Ziel? "Klassenerhalt" - Späte Verbands-Entscheidung "eine Katastrophe"

Dassendorf-Zugang Chris Gruhne soll nicht nur das Sieger-Gen zum VfL mitbringen, sondern auch in die Jugendarbeit im Verein eingebunden werden. Foto: Bode

Trotz des Aufrüstens werde man von ihm in Bezug auf die Zielsetzung „definitiv nix anderes hören, als das, was als Aufsteiger auch das seriöse Ziel sein muss: Der Klassenerhalt.“ Man würde sich „über jeden Platz, den wir am Ende über dem Abstiegsplatz liegen, freuen“, meint Mimarbachi, der bereits für das Hamburger Oberhaus plant, obwohl noch keine 100-prozentige Entscheidung gefallen ist, wie die Spielzeit nun gewertet wird. Deshalb sei „die späte Entscheidung“ von Seiten des Hamburger Fußball-Verbandes für den Verein auch „eine Katastrophe! Denn für uns ist die Lage nun mal nicht so klar, in der Oberliga zu sein – auch wenn es am Ende so sein wird.“ Das Zögern des Verbandes habe den VfL Lohbrügge so sehr gestört, „dass unser Vorstand mit einem offenen Brief an Herrn Fischer (HFV-Präsident Dirk Fischer, Anm. d. Red.) herangetreten ist.“ Dennoch muss mindestens bis zum außerordentlichen Verbandstag am 22. Juni abgewartet werden, was nun Sache ist – und wie es weitergeht. „Wir sind einfach nur froh, wenn wir endlich wieder Fußball spielen können.“

Autor: Dennis Kormanjos

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