Oberliga/Analyse

Meiendorf: Unruhe ja, aber Krise? – Die FussiFreunde-Analyse

Beim Oberligisten gibt es derzeit diverse Nebenschauplätze

26. November 2019, 14:55 Uhr

Der Meiendorfer SV und Trainer Baris Saglam stecken derzeit in einer nicht gerade einfachen Phase. Foto: KBS-Picture.de

Für den Meiendorfer SV ist die Lage in der Oberliga derzeit alles, nur nicht glücklich: Vier Punkte liegt die Mannschaft von Trainer Baris Saglam nach der 0:3-Niederlage vom vergangenen Wochenende gegen die TuS Dassendorf derzeit hinter dem ersten Nichtabstiegsplatz zurück, den der SV Rugenbergen nach dem 4:1-Erfolg bei Hamm United vom zurückliegenden Freitag inne hat. Hinzu kommen bei den Meiendorfern seit kurzem nun auch noch öffentlich ausgetragene Unruhen, die in einer solchen Situation fraglos nicht unbedingt förderlich sind. Wir haben die Lage beim MSV analysiert. 

„Wir wollten uns hier positiv präsentieren, das ist uns vor allem in der zweiten Halbzeit auch ganz gut gelungen. Leider haben wir in der ersten Hälfte ein paar Minuten lang gepennt und dem Gegner zwei Tore geschenkt. Zusammen mit dem dritten Treffer kurz vor Schluss waren das gefühlt drei Eigentore. Diese Phasen der Unkonzentriertheit haben uns letztlich das Genick gebrochen. Unsere wenigen Chancen müssen wir effektiver ausspielen, dann haben wir mehr Spannung im Spiel“, ließ Saglam am Sonntag die Niederlage in Dassendorf Revue passieren. Eine Aussage, die nüchtern klingt. Und irgendwie ernüchtert zugleich. Vielleicht aufgrund der diversen Baustellen, die den Coach und sein Trainer- und Betreuer-Team derzeit beschäftigen. Als da wären:

Baustelle Verletzungen:

MSV-Keeper Briant Alberti zählt zum Mitglied des auch in dieser Saison wieder großen Lazaretts. Foto: Bode

Eine Sorge, die man beim Club von der B75 schon kennt. Bereits in der veragngenen Spielzeit suchte das Pech in Sachen Verletzungen den MSV ärger und öfter heim, als es Saglam & Co lieb war. Man erinnere sich nur an die beiden Kreuzband-Patienten Mert Kepceoglu und Josef Shirdel. „Primär ist unser Saisonziel, verletzungsfrei zu bleiben“, baute Saglam diesen Punkt vor der Saison im FussiFreunde-Sonderheft sogar in seinen Ausblick auf die Spielzeit ein. Eine vergebliche Hoffnung: Auch in der laufenden Spielzeit schlug das Verletzungspech abermals in einer Fülle zu, die der Kader nicht wegstecken kann. Beispiele? Kepceoglu riss sich erneut das Kreuzband, an Fußball ist nicht mehr zu denken. Wichtige Bausteine wie etwa Kevin Heitbrock in der Innenverteidigung, fielen ebenfalls aus und suchen nach der Rückkehr seitdem nach der Top-Form. Auch zwischen den Pfosten gab es Änderungen, die Pausen nach einer Verletzung geschuldet waren. Briant Alberti erwischte es an der Schulter. Die Liste der langfristgen Ausfälle lässt sich ebenso wie die der Spieler, die phasenweise nicht mit an Bord waren, beliebig fortsetzen. Für Saglam ein so großer Graus, dass er im Saisonverlauf nach dem Spiel gegen den Bramfelder SV sagte: „Dass wir unten drin stehen, hinterlässt keine Spuren. Dass wir nicht zu einer Mannschaft finden können, weil immer wer ausfällt – das beschäftigt mich mehr als die Tabellensituation. Wenn wir aus dem Maximum schöpfen, dann bräuchte man mich nicht als Trainer an die Seite stellen. Dann läuft die Mannschaft allein auf und gewinnt ihre Spiele, weil sie Qualität hat.“

Baustelle Disziplin:

Schon einmal in dieser Saison suspendierte Saglam zwei Spieler kurzfristig, nachdem es im Training zwischen den beiden Betreffenden „geknallt“ hatte. Dies verlief von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt, Saglam schlug sogar noch positiven Nutzen daraus, weil er die beiden Streithähne zur Organisation einer „Teambuilding-Maßnahme“ heranzog. Kurzum: ein negatives Momentum wurde in eine positive Maßnahme umgekehrt. Auf externe Kritik und Hinweise, dass sich der MSV nicht gerade einfache Spieler in den Kader geholt habe, reagierte der Coach schon vor der Saison deutlich: „Jede Mannschaft braucht solche Typen, die extremen Ehrgeiz und unbändigen Siegeswillen haben – auch wenn sie als unbequeme Charaktere gelten.“ Auch während der Spielzeit konstatierte Saglam nicht weniger klar: „Natürlich kommen einge und sagen, dass wir Leute holen, die charakterlich schwierig sind. Aber haben wir finanziell gesehen andere Alternativen? Nein! Wir müssen aus diesen Gegebenheiten das Maximum holen, den Jungs eine Perspektive bieten und uns ein eigenes Bild machen.“ Nun aber ist – laut des Portals „amateur-fussball-hamburg.de“ mit Ozgür Bulut ein Spieler aus disziplinarischen Gründen aus dem Kader gestrichen worden. Bulut, der gegen Osdorf aufgrund einer Tätlichkeit vom Platz flog, hatte Osdorf-Trainer Philipp Obloch mit einer Flasche beworfen. „Wir dulden so ein Verhalten auf und neben dem Platz nicht. So etwas ist völlig inakzeptabel“, wird Saglam zitiert und bleibt in diesem Punkt damit einer Aussage von vor der Saison treu: „Das Wohl der Mannschaft steht über dem Wohl einzelner Spieler.“ Soll heißen: Wer sich nicht an Regeln hält, für den ist im Zweifelsfall dann eben Schluss.


Auf der zweiten Seite geht's um die Baustellen Kader sowie Management/Präsidium und mögliche Folgen

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