Oberliga

Meiendorf im Pech gegen „einen schwerfälligen Panzer“

„Haben nicht einen Punkt mit Dassendorf, sondern mit den Schiedsrichtern geteilt“

27. Juli 2019, 18:48 Uhr

Der erste große Aufreger: Nach einem Duell zwischen Martin Fedai (li.) und Kerim Carolus, wo der Dassendorfer nachtrat, zeigte Schiri Jürgensen beiden Akteuren die Gelbe Karte. Foto: KBS-Picture.de

Dassendorf-Coach Jean-Pierre Richter sprach ganz offen von einem „Dämpfer“ und brachte es im Nachgang – bildlich gesprochen – treffend auf den Punkt: „Wir sind nicht wie eine Gazelle, sondern eher schwerfällig wie ein Panzer auf den ersten Metern gestartet.“ So schwerfällig, dass sich die Dassendorfer Führungsriege um Sponsor Michael Funk, Sportchef Jan Schönteich und Liga-Manager Alexander Knull während der Halbzeitpause und bis in die 55. Spielminute hinein weit abseits des Geschehens nieder- und das bis dato Gesehene Revue passieren ließ. „Das war sicherlich nicht die Leistung und ist auch nicht das Ergebnis, was wir uns heute erarbeiten und erspielen wollten. Deswegen ist die Unzufriedenheit groß. Mit dem Frust und der Unzufriedenheit müssen wir jetzt ins Wochenende und in die neue Woche starten“, so Richter.

Kerim Carolus hat Glück, dass er nach einem Nachtreten gegen Martin Fedai „nur“ Gelb sieht. Foto: KBS-Picture.de

64 Zeigerumdrehungen waren vergangen (alle Highlights im LIVE-Ticker), als der schwerfällige und behäbig agierende Abonnement-Meister, der in der Vorsaison von Altona 93 vom Thron gestürzt wurde, zu seiner ersten echten Torgelegenheit kam. Ein spektakulärer Fallrückzieher von Marcel von Walsleben-Schied sprang von der Unterkante der Latte wohl vor und nicht hinter der Linie wieder auf – zumindest wähnte das Schiedsrichter-Gespann um Luca Jürgensen (Eintracht Norderstedt), von dem noch ausgiebig die Rede sein wird, den Ball nicht im Tor. Kurz darauf kamen die „Wendelwegler“ aber doch noch zum Ausgleich, als Pascal Nägele den lautstarken Rat seines Liga-Managers Alexander Knull befolgte, einfach mal aus 19 Metern Maß nahm – und die Kugel im rechten unteren Toreck einschlagen ließ (70.). Am Ende hätte kein Hahn danach gekräht, wie die drei Punkte zustande gekommen wären, wenn Sven Möller ein Geschenk von Referee Jürgensen angenommen hätte: Alexandros Tatsis bekam einen unbeabsichtigten Tritt von Marcel von Walsleben-Schied in die Hacken und sank zu Boden. Ein glasklares Foulspiel – doch der Pfiff blieb zunächst aus. Stattdessen war der TuS-Torjäger, der wie auch Kristof Kurczynski zu Beginn auf der Bank Platz nehmen musste, während Möller als Sturmspitze (!) agierte, auf und davon, wurde von Briant Alberti zu Fall gebracht. Elfmeter!

„Diese Professionalität haben sie in der 20. Minute aus der Hand gegeben“

Früh musste TuS-Coach Jean-Pierre Richter (re.) seinen akut Platzverweis-gefährdeten Defensivakteur Carolus vom Platz holen. Foto: KBS-Picture.de

Die Meiendorfer Verantwortlichen und Spieler waren außer sich. Nicht erst in jener Szene fühlten sich die Hausherren benachteiligt. In der ersten Halbzeit hätte Kerim Carolus nach einem Nachtreten gegen Martin Fedai, ebenfalls Platzverweis-gefährdet, bereits mit Rot vom Platz fliegen müssen (20.), sah aber nur den Gelben Karton. Keine sieben Minuten später kam der Dassendorf-Defensive an der Mittellinie gegen Fedai erneut zu spät – für Jürgensen, der sich nach der Partie mit seinen beiden Assistenten direkt und ohne „Handshake“ in die Kabine begab und von Meiendorf-Präsident Jens Malcharczik von der Dassendorfer Bank den Kabinenschlüssel bringen ließ, reichte eine Ermahnung aus. „Wir haben heute nicht einen Punkt mit Dassendorf, sondern mit den Schiedsrichtern geteilt. Da bin ich ganz ehrlich. Das war mit Abstand eine Leistung…“, biss sich MSV-Trainer Baris Saglam auf die Zunge – und holte nicht noch weiter aus. Allerdings befand er auch: „Hut ab vor den jungen Leuten, dass die sich selbst mit Headset ausstatten und professioneller auftreten wollen. Aber diese Professionalität haben sie schon in der 20. Minute aus der Hand gegeben, wo es diese ganz klare Rote Karte hätte geben müssen. Wenn ich da noch sage, ich beweise Fingerspitzengefühl, aber dann nur wenige Minuten später im Mittelfeld eine neuerliche ungestüme Situation kommt, dann muss es dort Minimum Gelb-Rot geben. Dann zu argumentieren, dass er keinen Spieler vom Platz stellen wollte, stattdessen die Linie so zu verlieren und Gelbe Karten wie am Fließband zu verteilen, das ist…“, rang Saglam nach den richtigen Worten. Auch sein Gegenüber meinte: „Das war übers ganze Spiel betrachtet sehr chaotisch und wild.“ Aber: „Da darf sich auf beiden Seiten nicht beschwert werden.“

„Das stimmt uns positiv, dass wir so einer Mannschaft Paroli bieten konnten“

Der starke Sean Paul Vinberg (2. v. li.) brachte Meiendorf vor der Pause in Front. Foto: KBS-Picture.de

Doch zurück zur Elfer-Szene, der ein Vergehen an Tatsis vorausging: Möller legte sich das Spielgerät zurecht, scheiterte aber mit seinem kläglichen und halbhohen Versuch an Alberti, der den Ball sogar festhielt. Ausgleichende Gerechtigkeit?! Nicht umsonst wollte Saglam nach der Partie keine Glückwünsche zum Remis gegen ein (strauchelndes) Top-Team entgegennehmen. Vielmehr konstatierte er: „Schade, dass wir heute zwei Punkte liegen gelassen haben. Wir hatten die besseren Chancen.“ Allein im ersten Durchgang wies Meiendorf ein Chancenverhältnis von 4:0 auf. Eine dieser Möglichkeiten nutzte der starke Innenverteidiger Sean Paul Vinberg, als dieser nach einem langen Mucunski-Freistoß von Youngster Andi Ayim in Szene gesetzt wurde, den Ball mit der Brust mitnahm und an Yannick Jonas, der im Torwart-Duell mit Christian Gruhne offenbar die Oberhand behielt, vorbei in die Maschen jagte (42.). „Mit der bedingungslosen und puren Leidenschaft, die die Jungs abgerufen haben, bin ich sehr zufrieden“, bilanzierte Saglam, dessen Schützlinge vor allem im ersten Abschnitt „die Laufduelle und die Zweikämpfe – offensiv als auch defensiv – gewonnen und uns aus Drucksituationen herausgespielt haben. Noch nicht in der Größenordnung, wie wir das haben wollen, aber das stimmt uns positiv, dass wir gegen eine Mannschaft, die von purer Erfahrung lebt, während wir mit Spielern, die zum Teil aus der Landesliga oder aus der Jugend kommen und in der Oberliga noch keinen Namen haben, so dagegengehalten haben und Paroli bieten konnten.“

„Es wurde wahrscheinlich oft zu schön geredet“

Pascal Nägele (re.) brachte „Dasse“ mit seinem Schuss aus der zweiten Reihe zurück. Foto: KBS-Picture.de

Richters ernüchterndes Fazit: „Man hat in der ersten Halbzeit gesehen, dass uns ab und zu die Geduld und die Qualität gefehlt hat, dass wir aus vielen Standards, die wir hatten, Konter bekommen haben, die wir schwer verteidigen konnten. Beim Gegentor haben wir unzureichend verteidigt und vorne nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen. In der zweiten Halbzeit sind wir griffiger und zielstrebiger gewesen, haben es aber bis zur Nachspielzeit versäumt, aus den vielen Ballaktionen das entscheidende Tor zu machen. Aber wir waren auch immer wieder anfällig.“ Letztlich habe „uns die Mischung und Balance aus offensivem Visier, aber gleichzeitig auch nicht naiv in Konter zu laufen, hintenraus nur einen Punkt gebracht. Deswegen sind die Gefühle auch gemischt.“ Allerdings habe sich das bereits „angedeutet, dass wir noch nicht da sind, wo wir hinkommen müssen. Deshalb war ich auch mit der Vorbereitung absolut nicht zufrieden. Spätestens mit diesem Ergebnis wird nochmal deutlich, woran wir wirklich arbeiten müssen. Es wurde wahrscheinlich von außen und vielleicht auch von innen oft zu schön geredet, was in den letzten Wochen für gute Ergebnisse herauskamen. Jetzt, wo es um Punkte geht, haben wir ein semi-optimales Ergebnis erzielt.“ Und das, obwohl man „in den letzten Wochen viel dafür getan hat, eine gewisse Stabilität reinzubekommen. Deshalb ist es sicherlich nicht zufriedenstellend, dass uns der Gegner immer wieder vor Gefahren gestellt hat. Ich glaube, die vier klaren Aktionen bekommen sie jeweils nach einem Einwurf, einer Ecke und einem Freistoß von uns. Das ist dann sehr frustrierend, dass wir diese Kontersabsicherung nicht hatten.“

„Das hatte sich ein Stück weit angedeutet“

Mit seinem schwachen Strafstoß vergab Sven Möller (Mi.) den Sieg und scheiterte an Briant Alberti. Foto: KBS-Picture.de

Und weiter: „Von dem, was wir maximal ausfahren können, waren wir heute etwas zu weit weg.“ Frust und Enttäuschung wären da und müsse man auch mitnehmen, so Richter, „aber das muss uns auch für die nächsten Aufgaben stärker machen. Denn bei aller Liebe: Wir haben heute über 90 Minuten nicht den Fußball gespielt, den wir einerseits qualitativ spielen können, der aber auch andererseits von meiner Seite gewünscht ist. Wir haben das Spielergebnisse aktiv bestimmt – mit Fehlern, vor allem in der ersten Halbzeit, aber auch mit nicht genutzten Chancen in der zweiten Halbzeit.“ Abschließend betonte er jedoch: „Das hatte sich ja ein Stück weit angedeutet…“

Autor: Dennis Kormanjos

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