HOLSTEN-Pokal

Lopez richtet „Grüße an den Verband“, Krauses Joker stechen: „Wir wollen das Ding auf jeden Fall holen!“

15. April 2022, 15:30 Uhr

Spiel gedreht: Andre da Silva Goncalves (Mi.) bejubelt seinen zweiten Treffer zur 2:1-Führung für den SC Victoria II. Foto: noveski.com

Fast 70 Minuten lang wäre eine vorgezogene Ostereier-Suche deutlich spannender gewesen, als das letzte HOLSTEN-Pokal-Viertelfinale. Dabei versprach das Duell zwischen dem FC Teutonia 05 II, Aufstiegsaspirant in die Landesliga, und dem SC Victoria Hamburg II, Überraschungsteam der Landesliga-Staffel 3, eigentlich jede Menge Brisanz und vor allem Spannung (alle Highlights im LIVE-Ticker). Doch schon nach 55 Minuten musste Vicky II-Trainer Joshua Krause an der Seitenlinie ziemlich treffend feststellen: „Jetzt spielen wir aber B-Jugend“, haderte er – und forderte zugleich: „Männer, bleibt wach!“

Das Motto der fast ersten 70 Minuten an der Kreuzkirche... Foto: noveski.com

Das Gegenteil war jedoch der Fall. Die ansonsten ausschließlich auf eine gut stehende Defensive bedachten „Kreuzkirchler“ bogen mit ihrer ersten Offensivaktion auf die Siegerstraße ab. Einen Freistoß von Jeremy Miljevic köpfte der gänzlich unbedrängte und ungedeckte Akif Islamoglu zur Führung für den Underdog ein (69.). Vickys U23 tat sich bis zu jenem Zeitpunkt verdammt schwer. „Wir wussten, dass wir viel Ballbesitz haben werden. Und das ist dann die Herausforderung, gegen einen tief stehenden Gegner die Lösungen zu finden. In der ersten Halbzeit waren wir zu inkonsequent vor dem Tor und hatten uns für die zweite Hälfte vorgenommen, die Buden zu machen.“

Stattdessen kassierte seine Elf „ein dummes Standard-Gegentor“, obwohl Krause im Vorfeld extra darauf hinwies, „dass wir keine Standards verschulden wollen, weil wir wussten, dass die einen guten Schützen und eine gewisse Größe haben“. Sein Gegenüber lobhudelte derweil den Kontrahenten: „Vicky ist für mich einer der ‚Top-Sechs-Landesligisten‘ aus den drei Ligen. Eine super Truppe, die das mit vielen jungen Burschen richtig gut macht.“ Aber, so Daniel Lopez weiter, „wenn man ehrlich ist, dann hatten die ein bisschen Schwierigkeiten. Sie kamen zwar zwei-, dreimal zum Abschluss, aber es kam kein einziger Ball aufs Tor.“

Gleich zweimal: Kouakou bedient Goncalves

Gänzlich unbedrängt köpft Akif Islamoglu (re.) zum 1:0 für den Underdog ein. Foto: noveski.com

Deshalb sei es am Ende „umso ärgerlicher“, dass die Teutonen-Reserve doch noch den Kürzeren zog. Nicht zuletzt, weil Krause im zweiten Durchgang frische Kräfte ins Rennen warf. Und vor allem zwei Akteure drückten der Schlussphase ihren Stempel auf: Binnen 240 Sekunden servierte der für den wirkungslosen Carlton Meierdiercks zum zweiten Abschnitt eingewechselte Brayann Kouakou dem nach 64 Zeigerumdrehungen in die Partie gekommenen Andre da Silva Goncalves zwei Treffer auf dem Silbertablett (79., 83.)! Anschließend verriet Krause: „Andre sollte eigentlich von Anfang an spielen, hatte unter der Woche aber ein bisschen Rücken.“

Letztendlich habe er sich aber doch noch fit gemeldet – zum Glück für die Mannen von der Hoheluft. „Es freut mich natürlich, dass er in seinem ersten Pokalspiel für uns beide Tore macht“, strahlte Krause – und führte aus: „Das Schöne ist, dass wir eine sehr gute Breite im Kader haben. Das heißt, dass ich mich eigentlich auf jeden Joker verlassen kann – und mehr oder weniger egal ist, wen man bringt. Denn die Jungs haben alle Bock“, sah er einen „spielerisch insgesamt verdienten Sieg“ seiner SCV-U23. „Hintenraus hat man unsere Fitness gemerkt.“

"Das hat nichts mit Unfairness zu tun, sondern ist einfach unclever"

Der Jubel bei Torschütze Islamoglu (re.) und Mika Zimmermann kannte im Anschluss keine Grenzen mehr. Foto: noveski.com

Unterdessen monierte Lopez vor allem eine Situation, die postwendend zum Ausgleich und zur Wende führte: Finn Hohwieler deutete an, dass es für ihn kräftemäßig nicht mehr weitergehen würde. Anstatt sich erst einmal hinzusetzen, damit sich sein Ersatz Paul Schweitzer an der Seitenlinie auf den Einsatz vorbereiten hätte können, trottete der angeschlagene Innenverteidiger humpelnd vom Platz, so dass die Hausherren sofort reagieren mussten, noch etwas unsortiert waren – und prompt das 1:1 kassierten. „Das hat nichts mit Unfairness zu tun, sondern ist einfach unclever. Wir sind einfach immer zu nett“, echauffierte sich Lopez, machte seinem Youngster aber keinen Vorwurf: „Er hat ausgeholfen, weil unser etatmäßiger Innenverteidiger nicht da war, und ein super Spiel gemacht – obwohl er seit Beginn seiner Ausbildung vor anderthalb Jahren gar nicht mehr im Training ist. Von daher war klar, dass dieser Moment kommt. Aber wir haben auch ältere Spieler mit Erfahrung auf dem Platz“, hätte Lopez von den Jungs in diesem Moment mehr erwartet.

Voller Fokus auf Aufstiegs-Endspurt: "Wollten nicht zu viel riskieren"

Mit der linken Innenseite trifft Andre da Silva Goncalves (re.) zum Ausgleich... Foto: noveski.com

Nichtsdestotrotz sei er „eigentlich mit allem zufrieden, so zufrieden man nach einem 1:2 sein kann. Ich kann nicht bewusst verlieren – und wir alle können das bewusst nicht. Und es soll auch keine Ausrede sein, dass wir echt auf dem Zahnfleisch gehen. Aber ich habe es auch schon im Kreis gesagt: Unser Ziel ist es schon, die Situation in der Liga zu unserem bestmöglichen Ende zu bringen“, liegt der Fokus voll auf dem spannenden Aufstiegs-Endspurt. Denn schon am Montag steht der nächste Härtetest gegen den HEBC II an. „Die Aufstellung heute war auch mit dem Versuch, nicht zu viel zu riskieren. Die Angeschlagenen haben wir gar nicht mit in den Kader genommen“, verriet Lopez.

"Das ist eine Katastrophe!"

... und mit der rechten Innenseite besorgt da Silva Goncalves das 2:1 für den Landeligisten. Erneut kommt Mika Feigenspan zu spät. Foto: noveski.com

Abschließend richtete der Trainer der Teutonen-Reserve noch „einen kleinen Gruß an den Verband“. Grund: „Wenn man das Spiel aufgrund mehrerer Coronafälle am letzten Sonntag nicht stattfinden lassen kann, es dann aber am Freitag darauf ansetzt – dann ist das unfassbar! Wir sind da nicht die einzige Mannschaft, sondern ich kriege das ja links und rechts mit. Ich sehe uns also nicht als Opfer, aber kann es einfach nicht nachvollziehen. Wir haben noch so viele Wochen. Allein nächste Woche wären beide Teams spielfrei gewesen. Von daher ist das für uns natürlich eine Katastrophe!“ Am Donnerstag habe man das Training ausfallen lassen, „um kein Risiko einzugehen. Und am Dienstag standen wir mit elf Leuten auf dem Platz, haben den Rest mit Spielern aus der Dritten Herrenmannschaft aufgefüllt. Nochmal: Es geht nicht nur uns, sondern dem ganzen Amateurfußball so. Trotzdem kann man es anders behandeln!“

Während der einstige Oberliga-Trainer der SV Blankenese den Verband in die Pflicht nahm, gab Krause die Marschroute für die kommenden Wochen vor: „Das Ziel war auch vorher schon klar. Wir haben uns im Winter in Sachen Zielsetzung unterhalten – und geguckt, wo die Reise nun hingehen soll. In der Liga sind wir durch. Deshalb haben die Jungs von sich aus gesagt: ‚Wir wollen das Ding holen!‘ Mit Niendorf ist nun ein starker Gegner raus und mir ist egal, wer jetzt kommt: Wir wollen das Ding auf jeden Fall holen!“

Autor: Dennis Kormanjos

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