02.12.2018

Lokstedter Lust: Brutaler Beslic und prächtiger Precht „verhauen“ Tornesch

„Emotional: Lokstedt verabschiedet zwei Leistungsträger, Reibe außer sich

Lokstedts Luis Gleich (re.) hatte gut lachen. Sein Team machte aus einem 0:1-Rückstand einen 5:1-Kantersieg. Foto: Kormanjos

Sieben Spiele, sieben Siege: Eintracht Lokstedt ist das Team der Stunde in der Landesliga Hammonia! Wer hätte vor der Saison gedacht, dass der Liga-Neuling nach 19 absolvierten Partien nur einen Zähler hinter dem ambitionierten Oberliga-Absteiger FC Türkiye rangieren würde? „Wir haben dieses ‚feeling‘ aus der letzten Saison wieder“, so „Meistermacher“ Anto Josipovic, der vor, während und auch nach der Gala gegen einen absolut desolaten FC Union Tornesch (alle Highlights im LIVE-Ticker) mit den Emotionen zu kämpfen hatte. Der Grund: „Abwehr-Juwel“ Johann „Otto“ Eisenberg und Offensiv-Wirbelwind Tamino Kunter absolvierten ihr vorerst letztes Spiel für die Eintracht...

Erst bekam Tamino Kunter seinen verdienten Abgang... Foto: Kormanjos

Erst bekam Tamino Kunter (82.), dann Johann Eisenberg (84.) den verdienten Abgang. Unter „standing ovations“ wurde das Duo vom Platz gebeten und von Mitspielern, Wegbegleitern sowie Offiziellen geherzt. Während der von höherklassigen Clubs heiß umworbene Eisenberg im Winter für mindestens ein halbes Jahr nach Costa Rica auswandert, zieht es Kunter, den Bruder von AFC-Akteur Pablo, nach Thailand. Die Verabschiedung des Duos habe vor dem Spiel gegen Tornesch in der Ansprache „eine sehr große Rolle gespielt“, wie Josipovic verriet. „Ich habe den Jungs gesagt, dass wir über das Spiel reden werden, aber dass das Menschliche an erster Stelle steht und wir uns deshalb Zeit lassen werden.“ Und so richtete zunächst „Otto“ Eisenberg einige Worte an die Mannschaft. „Wir haben uns die Zeit und die Ruhe genommen“, so Josipovic. „Denn wir spielen nicht für Geld, sondern weil es unser Hobby ist! Circa 40 Metern lang ging es nur darum. Erst hat 'Otto was gesagt, dann ich. Das war schon sehr emotional.“

Lokstedt nimmt Tornesch nach Rückstand auseinander

... dann wurde „Abwehrhüne“ Johann „Otto“ Eisenberg nach seiner Auswechslung von Co-Trainer Ihsan Azizmahmutogullari geherzt. Foto: Kormanjos

Mit jener Emotionalität ging man auch ins Spiel – und wurde nach einem Stahnke-Eckball, den Jan-Philipp Zimmermann über die Linie nickte (5.), kalt erwischt. Doch Lokstedt steckte nicht auf. Ganz im Gegenteil. „Wenn man mit diesem Gefühl rausgeht, sofort das 0:1 bekommt – und sich dann dagegen aufrafft, gegen ankämpft und mental da rauskommt, das haben die Jungs unfassbar gemacht“, huldigte Josipovic seine Mannen in der Pause. Der Grund: Erst besorgte Marc Precht mit einem 17-Meter-Dropkick in den Knick den sehenswerten Ausgleich (16.), ehe der einmal mehr bärenstarke Luis Gleich – nach einem Foul von Fabian Tiedemann an Ersin Cavus – per Strafstoß das Geschehen auf den Kopf stellte (28.). „Elfer-Sünder“ Tiedemann war es auch, der im zweiten Abschnitt nach einem Fehlpass laut wurde: „Aber wohin denn auch?! Bietet doch mal was an!“, war der Defensivakteur der „Unioner“ außer sich. Zu Recht! Denn das, was Tornesch fortan ablieferte, war an Ideen- und Harmlosigkeit nicht zu überbieten. Mehr noch. Man scheute nahezu jeglichen Zweikampf und ließ den Gegner nach Herzenslust schalten und walten.

Reibe: „Auch in der Höhe verdient - das muss man leider so sagen“

Auch von Cheftrainer Anto Josipovic (li.), in T-Shirt, gab es „standing ovations“. Foto: Kormanjos

Binnen 180 Sekunden machte Lokstedt nach Toren von Mario Beslic, der das Spielgerät erst mit einem 24-Meter-Schlenzer traumhaft in den rechten Winkel streichelte (77.), um dann nach Vorarbeit von „Abschiedskind“ Tamino Kunter eiskalt zu vollstrecken (79.), sowie Marc Precht – mustergültig von Gleich in Szene gesetzt – aus einem 2:1 eine 5:1-Führung. Die Eintracht zerlegte wehrlose Unioner in all ihre Einzelteile! „Es gibt dafür keine Erklärung“, zeigte sich Tornesch-Trainer Thorben Reibe anschließend völlig konsterniert. „Keine Ahnung, ich weiß es auch nicht. Das war unfassbar schlecht!“, brachte er es auf den Punkt. „Wieso und weshalb das so war, kann ich auch nicht erklären. Lokstedt hat natürlich einen Lauf, das ist klar – und wir wussten auch, dass sie vor Selbstvertrauen strotzen.“ Trotzdem konnte man nichts dagegen setzen. „Es war jetzt keine fußballerische Delikatesse, sondern die haben den Ball lang gebolzt und waren bissig sowie zweikampfstark, wenn’s um den zweiten Ball ging. Da waren wir eben nicht so präsent und haben uns den Schneid abkaufen lassen. Wir haben die Mehrzahl der Zweikämpfe verloren, darüber kamen sie ins Spiel und wir leider null. Von daher: Ein absolut verdienter Sieg – wahrscheinlich sogar in der Höhe verdient. Das muss man leider so sagen“, gestand Reibe, der lange nach Abpfiff noch mit Co-Trainer Martin Schwabe auf dem Platz über das Gezeigte diskutierte.

Josipovic: „Es ist zurzeit schwer, gegen uns aus dem Spiel heraus ein Tor zu schießen“

Und am Ende konnten die „Blauen“ auch noch fünf Tore bejubeln. Foto: Kormanjos

Einen Grund für die derzeitigen Darbietungen konnte der ehemalige Pinneberg-Coach auch nicht ausmachen: „Ich kann es mir tatsächlich nicht erklären. Es war letzte Woche ähnlich. Ich weiß nicht, warum wir es im Moment nicht schaffen. Denn wir haben ja eigentlich gute Leute drin, die auch zweikampfstark sind. Aber wir kriegen es nicht hin und haben im Moment auch keine gute Aufteilung auf dem Feld. Ganz viele zweite Bälle landen beim Gegner.“ Dieser war an jenem Tag unglaublich willensstark. „Es ist zurzeit echt schwer, gegen uns aus dem Spiel heraus ein Tor zu schießen, weil wir unfassbar bissig und dynamisch in den Zweikämpfen sind“, so Josipovic, der nach dem Spiel im Teamkreis lobende Worte fand, ehe der Vorstand noch einmal bekräftigte, dass Johann Eisenberg und auch Tamino Kunter jederzeit wieder herzlich willkommen sind. Und damit war die Partynacht an der Döhrntwiete eröffnet…

Autor: Dennis Kormanjos

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