Lipke: „Habe bewusst nicht vor dem Derby zugesagt!“

BU-Neuzugang erklärt Wechsel und hat seinen Frieden gemacht

18. August 2016, 17:21 Uhr

BU-Neuzugang Benjamin Lipke (l.) und Chefcoach Frank Pieper. Foto: Dimitri Ismer/BU

Er hat den Verein geliebt und gelebt wie kaum ein Anderer: Wenn es um Vereinstreue geht, ist Benjamin Lipke sicher das Paradebeispiel dafür. Doch nach sieben Jahren endete seine Ära beim AFC – nicht ganz geräuschlos. „Natürlich gab es in der Zeit auch Anfragen von finanzstarken Clubs, aber das war für mich nie ein Thema und nicht das, was ich wollte. Für mich war es immer wieder aufs Neue ein Highlight, mich am Sonntagvormittag um 11:30 Uhr aufs Rad zu schwingen und an der AJK Fußball zu spielen.“

Mittlerweile habe er „einen Haken dahinter“ gesetzt, wie er uns sagt. „Mir war es sehr wichtig, dass ich mich von den Fans verabschieden kann, bevor ich ein neues Kapitel aufschlage. Ich hatte immer wieder einen inneren Konflikt mit mir selbst. Deshalb bin ich dem Verein dankbar, dass ich einige Worte an die treuen Anhänger richten durfte“, blickt der „Linksfuß“ nicht mehr im Groll zurück, sondern vielmehr auf die neue Aufgabe voraus. „Beim Eröffnungsspiel gegen Dassendorf war ich ja auch zugegen. Da kamen so viele Menschen auf mich zu, auch Leute, die ich nicht mal kannte, und haben sich bei mir bedankt. Das hat mich sehr gerührt und war etwas ganz Besonderes für mich!“ Bei AFC-Konkurrenz HSV Barmbek-Uhlenhorst schlägt Lipke, der sich die Barmbeker Auftritte allesamt anschaute, ein neues und traditionsreiches Kapitel auf. Dabei gab es zwischenzeitlich auch anderweitige Gedankenspiele. „Wenn du eine solch intensive Zeit miterlebst und so dahinterstehst, dann machst du dir schon Gedanken, ob es überhaupt weitergeht. Aber ich bin noch fit genug, um irgendwo Alte Herren zu spielen“, scherzt der 32-Jährige und ergänzt: „Ich kann ohne Fussi einfach nicht, es kribbelt zu sehr und ich weiß, dass ich noch zwei, drei gute Jahre auf hohem Niveau vor mir habe. Deshalb freue ich mich auf die neue Herausforderung.“

Nach seinem Aus beim AFC erhielt der sympathische Defensiv-Allrounder konkrete Anfragen von sage und schreibe 19 Vereinen. „Darüber habe ich mich natürlich sehr gefreut! Es ist eine unheimlich positive Rückmeldung.“ Sogar ein Regionalligist buhlte um seine Dienste – zudem acht Oberligisten. „Die Regionalliga kam für mich aber nicht mehr in Frage. Das hätte ich mit meinem Beruf gar nicht vereinen können“, verrät er.

Schlussendlich fiel die Wahl auf BU. „Eigentlich waren es drei Gründe, die den Ausschlag gegeben haben: einerseits handelt es sich bei BU um einen weiteren absoluten Traditionsverein mit großer und emotionaler Fanbase. Hinzu kommt, dass ich Frank Pieper (Trainer, Anm. d. Red.) und ‚Pacze‘ (Co-Trainer Peter Paczkowski) schon seit zehn Jahren kenne – von meiner Zeit in der A-Jugend beim HSV, wo Frank unser damaliger Trainer und ‚Pacze‘ Teammanager war. Jens Schadewaldt kenne ich sogar schon seit fast 20 Jahren“, so Lipke, der einen weiteren Aspekt anfügt: „Nachdem das bekannt wurde, haben sich meine langjährigen Freunde sofort bei mir gemeldet.“ Gemeint sind damit die ehemaligen Altona-Teamkollegen Matze Ribeau und Sebastian Clausen, die inzwischen ebenso bei BU aktiv sind wie Physiotherapeutin Franziska Ganz.

Trotz der vielen bekannten Gesichter verrät Lipke allerdings auch: „Vor zwei, drei Jahren hätte ich noch gesagt: das würde ich niemals machen – schließlich weiß ich um die Rivalität zwischen Altona und BU.“ Aus Verbundenheit zu seiner „Ex-Liebe“ ließ er seine neue sportliche Heimat sogar noch ein wenig zappeln. „Was viele ja nicht wissen: ich trainiere bereits seit drei Wochen bei BU mit. Aber mir war von Anfang an klar, dass ich vor dem Derby nicht zusagen werde!“ Nun fiebert „Forrest“, wie er beim AFC nur genannt wurde, seinem ersten Auftritt im neuen Dress entgegen und meint: „Natürlich ist BU im letzten Jahr Vize-Meister geworden, aber inzwischen sind einige Neue dazu gekommen. Nichtsdestotrotz bin ich nicht hierhergekommen, um im Mittelfeld herumzudümpeln. Ich habe richtig Lust!“ Ob die Anhänger-Schar bereits am Freitagabend gegen den TSV Buchholz 08 in den Genuss kommt, Benny Lipke auf dem Grün an der Dieselstraße zu sehen, lässt der Neuzugang selbst noch offen: „Ich konnte die Vorbereitung nicht mitmachen, da ich eine Nasen-OP hatte. Deshalb bin ich da ganz geduldig und bereite mich drauf vor. Wenn der Trainer mich braucht, dann bin ich da!“

Kommentieren