20.10.2018

Lang, Länger, Phillip Lang: Ohe räumt zum neunten Mal in Serie ab!

Voran-Serie hält dank eines „Last-Minute-Treffers“ auch gegen Hamm

Der Siegtorschütze zieht freudestrahlend von dannen: Phillip Lang (li., gefolgt von Marco Braesen) feiert den Treffer zum 2:1. Foto: Zerbian

Hanno Stengel hatte das richtige Gespür. „Alle bereit machen zum Jubeln“, hatte der Sportliche Leiter des FC Voran Ohe gemutmaßt, als bereits die erste Minute der Nachspielzeit lief und Marco Pflug im Spiel gegen Hamm United (Hier gibt’s die Partie zum Nachlesen im Live-Ticker) einen Eckball in den Strafraum des Gegners schlug. Die Gäste bekamen den Ball nicht aus der berühmt-berüchtigten Gefahrenzone. Stattdessen landete das Leder am ersten Pfosten bei Phillip Lang. Und der hatte nichts Besseres zu tun, als das Spielgerät einfach irgendwie zum 2:1-Siegtreffer über die Linie zu bugsieren. Der Rest war grenzenloser Jubel – so wie es Hanno Stengel vorausgeahnt hatte. Auch bei Rainer Seibert.

Keine Viertelstunde später stand Ohes Coach vor dem Eingang zu den Umkleidekabinen. Einen Moment würde er bitte mit seinem Statement zum Spiel gerne noch warten, erklärte der Übungsleiter. „Ich will erst mit allen Jungs abklatschen“, sagte Seibert, um diesen Versuch wenig später dann doch kurzerhand abzubrechen, weil der eine oder andere seiner Schützlinge dann doch etwas länger für den Weg vom Platz ins Warme brauchte. Und so stand Seibert nun da: Die Hände tief in den Taschen seiner schwarzen Trainingsjacke vergraben. Unaufgeregt, ja fast schon cool. „Wir bleiben bodenständig und gucken weiter von Spiel zu Spiel“, konstatierte er. Wohlwissend, dass „uns jetzt keiner mehr unterschätzen wird. Der Bonus ist weg.“ Dafür aber sind die Punkte 28, 29 und 30 da – jene 30 Punkte, die gemeinhin als Punktegrenze für den Nichtabstieg tituliert werden. „Jetzt gibt’s die Nichtabstiegs-Feier“, grinste Seibert um dann schon fast forsche Töne für sein eigentlich doch eher zurückhaltendes Naturell loszulassen.

Seibert: „Die Erwartungen haben wir jetzt schon erfüllt, nun wollen wir noch mehr“

Nach dem entscheidenden Tor kannte der Jubel auf Oher Seite keine Grenzen mehr. Foto: Zerbian

„Die Erwartungen für diese Saison haben wir jetzt schon erfüllt. Nun wollen wir noch mehr“, gab Ohes Trainer zu Protokoll und schob auch direkt hinterher, was dieses „mehr“ bedeutet: „Unser Ziel ist es, dass wir lange Zeit unter den ersten Drei bleiben!“ Dass er mit Pflug und Lang quasi den Sieg eingewechselt hatte, ordnete Seiber nüchtern ein („Passiert alles nach Bauchlage...“) und ließ die Partie gegen den HUFC, der nach 26 Minuten durch Daniel Webers Linksschuss im Anschluss an eine Rechtsflanke von Alessandro Schirosi mit 1:0 in Führung gegangen war (26.), Revue passieren. „Ich denke, dass unser Sieg aufgrund der zweiten Halbzeit absolut verdient ist. Wir hatten insgesamt sechs hochkarätige Chancen. Hamm hat bis zum Sechzehner stark gespielt, danach haben wir nichts zugelassen. Der Erfolg freut mich für die Mannschaft“, so Seibert, der selbst nach dem Rückstand den Glauben an sein Team nicht verloren hatte.

„Wir hatten in den letzten zehn Minuten der ersten Hälfte schon eine Phase, wo wir gedrückt haben und auch das eine oder andere Ding hätten machen können“, so der Oher Übungsleiter, dessen Equipe nach Wiederbeginn einen Top-Start erwischte: Gerade einmal die dritte Minute des zweiten Durchgangs lief, als Marco Braesen für Robin Woost ablegte, dieser ganz genau zielte und die Kugel an HUFC-Schlussmann Samuel Graudenz vorbei ins Netz flog. Apropos Braesen: „Er hat sich mehrfach gute Chancen erarbeitet“, war auch Seibert nicht entgangen, dass der Ex-Lohbrügger neben Woost und Sebastian Kaufmann mit zu den besten Ohern vor den 320 Zuschauern am Amselstieg zählte. „Wir haben gezeigt, dass wir in dieser Staffel auf jeden Fall oben mitspielen können. Jetzt bin ich mal noch auf den SV Nettelnburg-Allermöhe gespannt, die sind auch gefährlich“, behält der Voran-Coach trotz des inzwischen neunten Siegs seiner Truppe die dahinter lauernden Kontrahenten genauestens im Blick.

Marschall: „Diese fehlende Cleverness kenne ich von meiner Mannschaft nicht“

Voller Körpereinsatz: Hamms Raffael Kamalow (Zweiter v. re.) im Duell mit Jens Schenkenberg. Foto: Zerbian

Und sein Gegenüber? „Ich habe der Mannschaft gesagt, dass wir nicht clever genug waren. Zur Pause in der Kabine hab' ich trotz der 1:0-Führung noch drauf hingewiesen, dass das Spiel 90 Minuten dauert. Wir müssen das Ganze cleverer zu Ende spielen, den Ball und den Gegner laufen lassen. Kurz vor dem 1:2 haben wir eine Ecke und bringen den Ball nicht in den Strafraum. Dann hat Ohe die Ecke und macht daraus das Tor. Diese fehlende Cleverness kenne ich von meiner Mannschaft nicht. Das ist das Einzige, was ich meinen Spielern heute vorwerfen kann: Dass wir nicht clever genug waren. Eigentlich sind wir erfahren genug, um das über die Bühne zu bringen“, bilanzierte Sidnei Marschall nach dem Match und kritisierte zudem: „Wir hatten riesige Lücken im Zentrum, hätten das viel besser ausspielen können.“

Seine Elf habe, so der United-Coach, „ein, zwei Tore mehr machen können. Aber da waren eben die Fehlpässe im Zentrum. In der Halbzeitpause hab' ich den Jungs nochmal gesagt, dass wir grüne Trikots anhaben und der Ball zu den Grünen muss und nicht zum Gegner. Ohe war aggressiv. Das war ein gutes Spiel, in dem es hin und her ging. Beide Teams hatten Chancen. Wenn es 1:1 ausgeht, kann sich keiner beklagen. Die Niederlage ist schade und tut weh, aber sie bedeutet nichts. Für uns heißt es Kopf hoch und weiter.“ Das Schlusswort gebührt jedoch Rainer Seibert: „Mal schauen, was jetzt am nächsten Wochenende gegen Billstedt drin ist. Wir gehen als Favorit ins Spiel und fahren da mit breiter Brust hin. Es ist uninteressant, dass die gegen Rahlstedt 1:4 verloren haben. Ich glaube, wir haben da noch nie gepunktet, seit ich in Ohe bin...“ Vielleicht sollte er mal Hanno Stengel nach dessen Vorahnung fragen...

Jan Knötzsch 

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