Der Amateur-Blog

Krauses Kapitel: Schiri, der hat schon Gelb!

08. Januar 2021, 15:48 Uhr

Mit seinem eigenen Blog "Krauses Kapitel: Schiri, der hat schon Gelb!" gibt Osdorf-Capitano Bennet Krause (re.) einen Einblick in das Leben eines Amateurfußballers. Foto: noveski.com

25 Jahre TuS Osdorf – Bennet Krause hat gerade erst ein ganz besonderes und in der heutigen Zeit fast schon einmaliges Jubiläum hinter sich. Der Kapitän der „Blomkampler“ hat in diesem Vierteljahrhundert alles rund um den Verein miterlebt – vom Aufstieg aus der Kreisklasse bis in die höchste Hamburger Amateurliga und zu einem der angesehensten Vereine in Hamburg. In all den Jahren hat sich „BK4“ den Ruf erarbeitet, alles für seinen TuS auf dem Platz zu geben und zu lassen – mit allen Mitteln, am Rande des Erlaubten und oft auch zum Leidwesen der gegnerischen Teams. Nun hat der 32-Jährige seine philosophische Ader entdeckt und wird uns künftig mit seinem eigenen Blog „Krauses Kapitel: Schiri, der hat schon Gelb!“ in das Leben eines Amateurfußballers einweihen…

Zusammenhalt in Zeiten einer Pandemie

Am 13. Mai 2016 stieg Bennet Krause (li. oben) mit dem Tu Osdorf erstmals in der Vereinsgeschichte in die Oberliga auf. Foto: noveski.com

In Osdorf leben und zehren wir seit Jahren von der Gemeinschaft. Sucht man bei Google nach dem Begriff Gemeinschaft, dann findet sich ganz oben die Definition von „Zusammensein in gegenseitiger Verbundenheit.“ Das Zusammensein nach Training und Spielen gehört normalerweise zum Blomkamp wie die Große Freiheit zu St. Pauli. Erinnerungen an turbulenten Oberliga-Fußball vor mitreißendem Publikum liegen lange zurück. Fast vergessen scheinen mittlerweile nicht nur die Strahlkräfte der Flutlichter, sondern auch die After-Show-Partys nach Freitagabendspielen. Wie wir als eingeschworener Haufen und die Spielstätte Blomkamp durch die fußballfreie Zeit kommen, zeigen die Kühlschränke in Kabine und Verkaufscontainer. Selten waren diese voller als heute.

Freudestrahlend reckt Bennet Krause (Mi.) die Meisterschale in die Höhe. Foto: noveski.com

Bei all der Zuspitzung möchte an dieser Stelle erwähnt sein, dass auch wir in Osdorf Inzidenzzahlen lesen können und größten Respekt vor politischen Entscheidungen haben. Dennoch ist mir die Akzeptanz, ohne Fußball klarkommen zu müssen, im ersten Lockdown deutlich einfacher gefallen. Der erste Corona-Break war neu. Irgendwie aber auch spannend. Erstaunlich, dass auf einmal in Hamburg kein Ball mehr rollte. Mein Instagram-Feed war überladen mit Challenges, die anfänglich sogar mal Spaß gemacht haben. Das Zoom-Training war eine Herausforderung und Verabredungen über Microsoft Teams waren abwechslungsreiche Alternativen zu den Geisterspielen der Champions League.

Für uns Fußballer war unser schöner Sport und die dazugehörige Amateurszene immer eine Art Therapie diverser Probleme. Es gibt nicht viele Orte auf der Welt, an denen Sorgen, Ängste, Launen und Beziehungsstress in kürzester Zeit so sehr in Vergessenheit geraten, wie auf dem Fußballplatz. Die zweite Pause zwingt uns zwangsweise erneut dazu, die Kabinentüren zu verschließen. Dabei stelle ich mir jedes Mal vor, als würde jemand ständig die Couch aus dem Behandlungsraum des Psychologen tragen. In Zeiten, wo wir gar keine Chance mehr haben, gegen das Leder zu treten, wird mir doch bewusster denn je, wie gut man eigentlich mit dem geliebten Hobby abschalten kann.

Mit seinem TuS Osdorf hat "BK4" (re.) in 25 Jahren jede Menge Erfolge gefeiert. Foto: KBS-Picture.de

Mit einer digitalen Weihnachtsfeier haben wir Ende Dezember versucht, uns einen neuen Therapieraum zu schaffen. Dem Organisationskomitee um Cheftrainer, Vizekapitän und mir war es wichtig, dass wir uns zum Jahresende nochmal gegenseitig Kraft spenden und versöhnlich aus dem turbulenten Jahr verabschieden.

Im Vorwege machten wir uns ein paar Gedanken zum Ablauf und einigten uns auf einen vorweihnachtlichen Brauch namens Julklapp, was vielen wohl unter dem Namen Wichteln ein Begriff sein sollte. So musste sich jedes Teammitglied schweren Herzens von einem Gegenstand im Haushalt trennen, der im entferntesten Sinne etwas mit dem Fußball zu tun hat. Das Komitee hatte am Vormittag der Feier dann das große Glück, die Geschenke einzusammeln und per Zufallsprinzip innerhalb der Mannschaft zu verteilen. Das Einsammeln kam einer Rallye gleich. Der Fahrer chauffierte von Parkverbot zu Parkverbot, während die Co-Piloten telefonierten oder Überraschungsboxen zuklebten. Neben dem Wichtelgeschenk und der Box erhielt jeder Teilnehmer noch eine Weihnachtsmannmütze, mit der am Abend noch ein virtuelles Mannschaftsfoto geschossen wurde. Ich bin mir sicher, dieses Foto wird im Clubheim in etlichen Jahren noch für das eine oder andere Schmunzeln sorgen.

Was habe ich gemacht? Bennet Krause (Mi.) und die Schiedsrichter - ein ganz eigenes Kapitel. Foto: KBS-Picture.de

Am Ende wurde aus der Weihnachtsfeier ein gelungener Mannschaftsabend inmitten eines tristen Dezember-Samstags. Für die Organisatoren hatte sich der Aufwand gelohnt und brachte mir persönlich drei neue Erkenntnisse: Lasse dir als erstes gesagt sein, dass du im Osdorfer Born niemals eine Flasche Wein länger als eine Minute unbeaufsichtigt vor einen Fahrstuhl stellen darfst. Zweitens hat nicht gleich jedes ältere Trikot den Charme Vintage zu sein und drittens kann eine Gemeinschaft auch digital gestärkt und stabilisiert werden. Insbesondere in diesen Zeiten müssen wir Fußballer einfach zusammenhalten. Unterstützt euch so viel wie möglich, bis der Ball wieder rollt. Vor meinem inneren Auge flackert auch schon wieder das Flutlicht. 

Kommentieren