07.12.2018

„Kolossal schlecht“ und trotzdem weiter: OSV-Kartenfestival spielt Altengamme in die Karten

Oststeinbek mit vier Platzverweisen und einer 1:3-Niederlage gegen den SVA

OSV-Kapitän Dave Fehlandt (re.), der später selbst die Rote Karte sah, hält den soeben vom Platz gestellten Marcel Meyer zurück. Foto: Herzog

Simon Gottschling hatte gerade sein Statement halbwegs komplett über die Bühne gebracht, als der Nieselregen über dem Kunstrasen am Meessen auf einmal in einen heftigen Guss umschlug. Der Coach des Oststeinbeker SV verabschiedete sich von der Presse und suchte den schnellsten Weg in die Kabine. Trocken aber kam er dort nicht an. Der Platzregen nach dem Achtelfinal-Spiel im ODDSET-Pokal gegen den SV Altengamme (Hier gibt’s die Partie im Live-Ticker zum Nachlesen) tat zusätzlich zu den Tropfen, die Gottschling während der Begegnung abbekommen hatte, sein übriges. Aufgrund des Ergebnisses hätte man ohne weiteres folgendes Bild wählen können: Der OSV-Coach ging wie ein begossener Pudel vom Feld.

Auf den Brillengläsern Gottschlings jedenfalls hatte der Regen arge Spuren hinterlassen. Den fehlenden Durchblick aber attestierten die Hausherren nach der 1:3-Niederlage gegen den Hansa-Landesligisten jemand anderem: Schiedsrichter Björn Lassen. Der Spielleiter vom Barsbütteler SV hatte in den etwas mehr als 90 Minuten gleich vier (!) Spieler des OSV vom Platz gestellt. Zunächst Maximilian Grünberg nach 38 Minuten wegen eines groben Fouls, dann Marcel Meyer, der – so die Aussage des Assistenten in Richtung SVA-Bank – Altengammes Kevin Herzberg geschlagen haben soll (40.), anschließend Adrian Voigt (77.) wegen wiederholtem Foulspiel und schließlich Dave Fehlandt (82.), der zwar beteuerte, nichts gemacht zu haben, aber angeblich eine Tätlichkeit begangen haben soll.

Dennis Herzberg: „Wenn ich nicht hochspringe, tritt er mir den Knöchel durch“

Der konsequente Schiedsrichter Björn lassen zog sich den Unmut der Oststeinbeker zu. Foto: WInter

Entsprechend groß war nach dem Spiel der Redebedarf – auf beiden Seiten. „Wenn ich bei dem Foul nicht hochspringe, tritt er mir den Knöchel durch“, konstatierte Dennis Herzberg, der von Grünberg nach 38 Minuten vor der Altengamme-Bank gelegt wurde und anschließend nicht mehr weitermachen konnte, schon während der zweiten Hälfte mit Blick auf den ersten Feldverweis. „Die erste Rote Karte fand ich einigermaßen nachvollziehbar. Er hatte schon Gelb, wenn er die zweite Gelbe sieht, hätte er auch runter gemusst. So war es glatt Rot“, erklärte SVA-Coach Jörn Geffert, während sein Widerpart genau die vorherige „Gelbe“ für Grünberg ärgerte: „Die muss nicht sein“, sagte Simon Gottschling und holte aus: „es gab diverse lang gestreckte Beine der Altengammer vorher im Zentrum. Sie kriegen nicht ein Ticket dafür. Man muss sich nur mal deren Platz in der Fairness-Tabelle ansehen: 67 Gelbe Karten und hier kriegen sie bis dahin gar keine – das ist schon merkwürdig.“

Stimmt nicht ganz: Patrick Bierwagen wurde nach acht Minuten verwarnt. Doch zurück zum ersten Platzverweis: „Da braucht der Schiri ein bisschen Fingerspitzengefühl. Der Spieler kommt mit Speed von hinten auf der Außenbahn. Er läuft gegen den Ball. Wie willst du da abstoppen? Er rasiert ihn nicht. Logisch hat er ihn ein bisschen getroffen. Aber das war kein bewusstes Foul. Die Rote Karte ist heftig“, so Gottschling, der nach der anschließenden Rudelbildung direkt den nächsten Spieler verlor: Marcel Meyer. „Ich weiß nicht, was er da gesabbelt hat, weil es die Rudelbildung gab. Wir wissen aber, dass er emotional ist“, gab Gottschling zu Protokoll. Sei's drum: Meyer musste runter – nicht ohne letztlich neben dem Spielfeld ein „Alles Fotzen“ Richtung Kunstrasen zu fauchen. „Selbst nach den zwei Karten war für uns was drin“, befand Gottschling in seiner Analyse.

Gottschling: „Wir hätten 6:1 gewinnen können – aber irgendwann war's einfach vorbei“

Zwischenzeitlich mussten nach der Rudelbildung vorm Elfmeter in der 84. Minute sogar Ordner auf den Platz. Foto: WInter

Vor den beiden Undiszipliniertheiten übrigens wurde auch Fußball gespielt – und das vom OSV sogar verdammt gut. „Sie waren die eindeutig bessere Mannschaft und uns in allen Belangen überlegen. Eigentlich müssen sie klar führen. Aber dann bringen sie uns ins Spiel zurück. Das war heute unsere einzige Chance“, bilanzierte Altengamme-Übungsleiter Geffert, dessen Elf nach 30 Minuten mit 0:1 in Rückstand geriet, als Adrian Voigt traf. Mit zwei Mann mehr auf dem Feld glich der SVA schließlich durch Dominik Scheu noch vorm Seitenwechsel aus. „Wir hatten vier Hundertprozentige, müssen 4:0 führen. Dann machst du das Tor – das wäre das 5:0 gewesen. Altengamme ist nach dem ersten Treffer total eingebrochen und hat gesehen: Hier geht nichts“, fasste Gottschling derweil zusammen. Aber eben nur, bis die Undiszipliniertheiten über den OSV hereinbrachen.

„Es wurde nur gegen uns gepfiffen. Bei dem geringen Körperkontakt Elfmeter zu geben – da war nichts. Das ist null“, ärgerte sich der OSV-Trainer über den Führungstreffer des SVA in der 84. Minute, als Patrick Bierwagen vom Punkt aus traf. Zuvor waren Voigt und – bei der Rudelbildung nach der Elfmeter-Szene – auch Fehlandt vom Platz geflogen. „Fußballerisch braucht man nichts sagen. Wir waren besser, hätten 6:1 gewinnen können. Aber irgendwann war's einfach vorbei. Wir haben selbst Schuld“, analysierte Gottschling, Im Teamkreis hatte sich das wie folgt angehört: „Jedes Mal verbauen wir uns diese Scheiße selbst.“ Vor der Presse fügte Gottschling hinzu: „Jetzt konzentrieren wir uns auf die Meisterschaft. Ein Sieg heute wäre ein schöner Abschluss gewesen gegen einen machbaren Gegner mit dem wir auf Augenhöhe sind. Die haben eine gute Basis, wir sind individuell besser. An einem guten Tag und unter normalen Umständen schlagen wir sie.“

Geffert: „Jetzt sind wir unter den letzten Acht – total unverdient, aber so ist es halt“

OSV-Trainer Simon Gottschling (Mitte) wurde im Teamkreis erst laut, ehe er das Spiel ruhig analysierte. Foto: Winter

Sein Gegenüber wollte unterdessen zu den Platzverweisen zwei, drei und vier nichts sagen. „Das kann ich nicht. Da gab es ja auch verbale Dinge, die hat der Assistent ja dann gemeldet. Die kann ich nicht sehen. Ich kann die Szenen nur bedingt beurteilen. Was ich blöd finde: Wir haben uns die ganze Zeit weitestgehend moderat verhalten. Weder die Jungs noch ich müssten irgendeiner Kritik ausgesetzt sein. Wir können nichts dafür. Was der Schiedsrichter macht, liegt nicht in meinem Ermessen“, so Jörn Geffert, der dem von der ersten bis zur letzten Minute konsequenten Unparteiischen allerdings – zurecht – kein schlechtes Zeugnis ausstellen wollte: „Ich finde ihn sensationell. Er hat uns in der vergangenen Woche ja auch in der Liga im Spiel gegen Bramfeld gepfiffen und das richtig gut gemacht. Er wird seine Gründe für die Karten gehabt haben.“

Apropos Gründe: die fand Geffert auch in Bezug auf den wenig überzeugenden Auftritt seiner Elf, wie es der Coach zusammenfasste: „Mit zwei, drei oder vier Mann mehr muss das ganz anders aussehen. Das war desolat, einfach nicht gut. Ich kann es mir nur so erklären, dass wir aufgrund der Rhythmus-Störungen durch die Karten so gespielt haben. Wenn es mit elf gegen Zehn beim 0:1 weitergeht, dann machen wir es besser, glaube ich. So waren wir eben durchgehend kolossal schwach. Ich finde. Dass es ein verhältnismäßig vernebelter und unschöner Sieg ist. Die einzige gute Tatsache ist, dass wir jetzt unter den letzten Acht sind – total unverdient, aber so ist es halt“, schloss Geffert seine Ausführungen zum Spiel, in dem Kevin Herzberg in der dritten Minute der Nachspielzeit mit dem dritten Altengammer Treffer den berühmten Deckel drauf machte.

Jan Knötzsch

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