15.05.2018

Köpke: „Die Phase des ‚Bezahlens des Lehrgeldes‘ haben wir hinter uns“

St. Pauli IV-Coach im Interview über den Aufschwung und die Saison

Der "Erfolgsmacher" der Vierten von St. Pauli: Christian Köpke. Foto: Ingo Brussolo

Drei Jahre, die von Erfolgen geprägt waren: Zwei Aufstiege und einen Pokalsieg feierte der FC St. Pauli IV unter der Regie von Christian Köpke. Diese Spielzeit beendet man wohl auf einem hervorragenden dritten Tabellenplatz - hinter dem bereits feststehenden Meister Hamm United und Inter 2000 - in der Bezirksliga Süd. Wir haben mit dem Trainer über die Saison, die Erfolge und die nächsten anstehenden Ziele gesprochen:

FussiFreunde: Dritter Tabellenplatz hinter den von der individuellen Klasse her starken Teams von Hamm United und Inter 2000: Du musst ziemlich zufrieden sein mit der bisherigen Saison – oder wie fällt dein Zwischenfazit kurz vor Schluss aus?

Christian Köpke: „Gleich zu Beginn fünf Euro in das Phrasenschwein. Denn hätte uns jemand vor der Saison gesagt, dass wir Dritter werden können, hätten wir das sofort unterschrieben. Blickt man nun aber zurück und denkt dabei an Spiele wie zum Beispiel gegen Dersimspor II, Zonguldakspor, SCVM und Inter 2000, wäre zumindest ein spannenderes Saisonfinale möglich gewesen. In allen Spielen haben wir es nicht geschafft, unsere Überlegenheit und Führungen zu nutzen. Vielleicht ist das auch das berühmte Lehrgeld, das man als Neuling in der Bezirksliga bezahlen muss. Nun aber wird es am Ende ein Platz unter den ersten Vier, womit wir trotzdem zufrieden sein können – ruft man sich mal in Erinnerung, dass wir noch vor drei Jahren in der Kreisklasse an den Start gegangen sind.“

Matthias Jeschke (re.), zweitbester Schütze der Kiezkicker, wird dem Verein und der Hansestadt den Rücken kehren. Foto: Ingo Brussolo

Viele wunderten sich vor der Saison über die Staffeleinteilung – und die Tatsache, dass ihr in der Süd-Staffel gelandet seid. Wie seid ihr damit umgegangen und zurechtgekommen?

Köpke: „Wenn man bedenkt, dass der SC Hansa 11, der FC St. Pauli III und wir als Vierte alle auf dem selben Platz spielen und alle drei Teams in unterschiedliche Staffeln eingeteilt wurden, ist das schon kurios. Aber auch wenn wir eigentlich nicht für sie Süd gemeldet hatten, sind wir nach dem Verlauf der Saison nicht unglücklich mit der Einteilung. Es war eine spannende und faire Saison und wir konnten uns über einige bekannte Gesichter aus vergangen Spielzeiten freuen. Trotzdem werden wir uns auch dieses Jahr mit dem Team zusammensetzen und entscheiden, für welche Liga wir melden wollen. Wie der Verband dann am Ende entscheidet, werden wir sehen. Natürlich haben die West und die Nord ihre Reize, bedenkt man die möglichen Derbys zum Beispiel gegen Hansa 11, SC Sternschanze II oder auch Alsterbrüder. An dieser Stelle herzliche Glückwünsche an Hamm United zur Meisterschaft und dem direkten Wiederaufstieg in die Landesliga.“

Ihr habt in den letzten Jahren eine beeindruckende „Aufstiegsserie“ hingelegt. Wo soll der Weg noch hinführen?

Köpke: „Es waren für uns drei sehr schöne Jahre. Mit zwei Aufstiegen und einem Pokalsieg waren wir sportlich durchaus erfolgreich. Was aber fast noch wichtiger für uns ist, und natürlich auch zum Erfolg auf dem Platz beigetragen hat, ist, wie wir als Team auch abseits des Platzes zusammen gestanden haben. Für uns gilt es weiterhin, eine gute Mischung aus Beidem zu finden. Wir wollen auch nächste Saison attraktiven und erfolgreichen Fußball spielen, dabei aber den Zusammenhalt und das Miteinander nicht aus den Augen verlieren.“

Foto: Ingo Brussolo

Nun habt ihr die vergangenen Spielzeiten immer ganz oben abgeschlossen und beendet diese Saison mit großer Wahrscheinlichkeit auf dem dritten Rang: Heißt das auch, dass der logische nächste Schritt der Aufstieg in die Landesliga wäre – und geht ihr mit dem erklärten Ziel vom Aufstieg auch in die neue Saison?

Köpke: „Natürlich werden wir auch wieder ein Ziel für die kommende Spielzeit ausgeben. Bei all den Erfolgen in den letzten Jahren wollen wir aber trotzdem realistisch und authentisch bleiben. Zum jetzigen Stand sind noch zu viele Fragen unbeantwortet, um ein erreichbares Ziel auszugeben. Bevor diese nicht geklärt sind, werden wir mit den Zielvorgaben also noch abwarten. Erst einmal muss diese Saison zu Ende, die Kaderplanungen abgeschlossen und unsere Konkurrenz bekannt sein, um uns auf ein mögliches Ziel festzulegen. Sollte der Aufstieg in die Landesliga möglich sein, werden wir versuchen, diesen Schritt zu gehen. Wird es ein Kampf um den Klassenerhalt, werden wir auch diesen annehmen und erreichen. Aktuell arbeiten wir aber natürlich daran, Voraussetzungen zu schaffen, die es uns ermöglichen, den Weg der letzten Jahre fortzusetzen. Dabei geht es nicht nur um den Kader für die kommende Spielzeit, sondern auch darum, das Umfeld und die Möglichkeiten für den sportlichen Erfolg weiter zu verbessern. Und die Phase des ‚Bezahlens des Lehrgeldes‘ haben wir nach dieser Saison hinter uns.“

Roman Kasper (re.) wird ebenfalls nicht mehr für die "Braun-Weißen" auflaufen. Foto: Ingo Brussolo

Was macht denn die Kaderplanung für dieses Unterfangen: Konnten die Leistungsträger von einem Verbleib überzeugt werden und wie sieht's in Sachen Neuzugänge aus?

Köpke: „Natürlich laufen unsere Planungen für die kommende Spielzeit schon seit einigen Monaten. Die Gespräche mit Spielern aus dem aktuellen Kader haben wir bereits nach der Winterpause geführt. Somit war lange klar, ob und wo wir handeln müssen. Danach haben wir viele Gespräche mit potenziellen neuen Spielern geführt. Jetzt kommen wir in die Phase, in der es bei dem einen oder anderen Neuzugang konkret wird. Aber auch hier werden wir erst darüber berichten, sollten die Zusagen getroffen sein. Trotzdem sind wir natürlich immer auf der Suche nach Spielern, die sich uns anschließen wollen. Sollten Spieler Interesse haben, unseren Weg – und unsere Art Fußball zu leben –, mitzugehen, werden wir auch hier Gespräche aufnehmen. Natürlich wird es auch einige Abgänge geben. Wie bei allen vorangegangen Abgängen werden uns diese Spieler auf und neben dem Platz fehlen. Matthias Jeschke wird Hamburg berufsbedingt verlassen, Roman Kasper wird uns ebenfalls auf Grund der Entfernung verlassen, Florian Puschmann wird als zweifacher Vater die Zeit nicht mehr aufbringen können, um auf diesem Niveau zu spielen, und uns ebenfalls nicht mehr zur Verfügung stehen. Alle drei Spieler haben das Team mit gestaltet und erheblichen Anteil daran, dass es uns heute in dieser Form gibt. Hier verlassen uns drei Spieler, die nicht nur sportlich, sondern auch aus menschlich eine große Lücke hinterlassen werden.“

Was zeichnet euch als Mannschaft aus – oder anders gefragt: Was ist das Erfolgsgeheimnis?

Köpke: „Wie bereits angedeutet, haben wir es immer wieder geschafft, Spieler zu bekommen, die die gleichen Vorstellungen vom Fußball haben. Hier geht es nicht nur um den sportlichen Erfolg, sondern auch um das Verständnis, eine Mannschaftssportart auszuüben. Die Idee davon ist bei all unseren Spielern gleich. Somit war es immer ein großes Plus von uns, über den Teamgeist zum Erfolg zu kommen. Diese Idee vom Fußball wollen wir auch weiterhin leben und mit neuen Spielern gehen. Sollten wir Interesse geweckt haben, können sich Interessenten gerne auf unserer facebook-Seite bei uns melden.“

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