Regionalliga Nord

Kobert-Fallrückzieher bringt Phönix zurück: Rosin wütet, AFC kassiert „absolut vermeidbare Niederlage“!

19. September 2021, 21:22 Uhr

AFC-Kapitän Dennis Rosin (li.) kann es nicht glauben und auch William Wachowski (Mi.) blickt ungläubig drein, nachdem der Elferpfiff ausbleibt. Foto: MSSP-Sportphoto

Es war die Szene, die den Altonaer Fussball-Club in Aufruhr versetzte. Die „Schlüsselsituation“, wie Trainer Andreas Bergmann im Nachgang meinte. „Der ist so klar – das muss man einfach sehen“, echauffierte er sich – und sprach damit jene Aktion in der 80. Spielminute an. Dort nämlich steckte William Wachowski den Ball für Dennis Rosin durch. Der Kapitän des AFC tankte sich durch die Hintermannschaft der Gäste aus Lübeck, drang fast bis an den Fünfmeterraum vor und sank dann zu Boden. Wilde Proteste der Altonaer, doch der wohl fällige Pfiff blieb aus unerklärlichen Gründen aus.

Phönix-Keeper Kevin Tittel (li.) ist am Strafstoß von Rosin dran, kann den Einschlag aber nicht verhindern. Foto: MSSP-Sportphoto

„Ein ganz klarer Elfmeter – das sagen selbst die Gegenspieler“, erklärte der Gefoulte unmittelbar nach der Partie, ehe er ausführte: „Drei der Jungs, die ich gut kenne, kamen sofort zu mir und meinten, dass er den geben muss.“ Selbst „Übeltäter“ Dustin Thiel habe ihm gegenüber eingestanden, „dass er mich ganz klar getroffen hat“. Umso größer war der Ärger bei den Hausherren. Denn: „Das sind einfach ganz klare Dinger, die wir nicht bekommen. Der Schiedsrichter steht daneben, man sieht und hört es auch. Ich kann ansonsten frei schießen“, war Rosin bedient – und machte abschließend noch einmal unmissverständlich deutlich: „Er trifft mich ganz klar!“

"Diese Niederlage war absolut vermeidbar!"

Für Altona 93 wäre es die Chance zum 3:2 kurz vor Schluss gewesen. Stattdessen hieß es am Ende 2:4! „Die Niederlage war absolut vermeidbar!“, waren sich Rosin und sein Trainer hinterher einig. „Wir waren in der ersten Halbzeit klar die bessere Mannschaft. Durch individuelle Fehler hauen wir uns selbst die Dinger rein. Das sind ganz einfache Fehler, die man eigentlich abstellen kann. Aber sie passieren uns immer wieder“, monierte der „Capitano“. Während Bergmann feststellten musste: „Wenn wir nur ein bisschen weniger Unruhe in unser eigenes Spiel reingebracht, ein paar weniger von den einfachen Ballverlusten und von den unnützen Eins-gegen-Eins-Situationen gehabt hätten, dann hätten wir das verhindern können. Wir haben uns im Endeffekt selbst auf den Kopf gehauen!“ Denn sein Team habe „eine sehr gute erste Halbzeit“ gespielt.

Feka feiert Heim-Premiere, Altona mit starker erster Halbzeit

Haris Hyseni (2. v. li.) - hier im Duell mit Peer Mahncke - bereitete der AFC-Defensive ein ums andere Mal Kopfschmerzen und erzielte das 3:2 für die Gäste. Foto: MSSP-Sportphoto

Doch der Reihe nach. Bei seinem Debüt für den Altonaer Fussball-Club in der Vorwoche gab's den ersten Saisonsieg (2:1 beim Heider SV), nun feierte Dren Feka seine Heim-Premiere für den neuen Verein - und deutete auf Anhieb an, worauf sich der AFC in der Zukunft freuen kann. Das einstige HSV-Talent versprühte im ersten Abschnitt viel Spielfreude, war stets in Bewegung und ein echter Aktivposten. Mehr noch. Nach dem äußerst unglücklichen Rückstand, als Kevin Hübner 20 Meter vor dem Tor alle Zeit der Welt hatte und gekonnt mit der Innenseite flach ins linke Eck traf (14.), war Feka an der postwendenden Antwort direkt beteiligt...

Ein Freistoß von Dennis Rosin, der zuvor schon einen Lattenkracher zu verzeichnen hatte (6.), fiel Feka auf den Schlappen. Was der Altonaer Neuzugang im doppelten Anlauf noch nicht schaffte, vollbrachte Eudel Monteiro im Nachsetzen - 1:1 (17.)! Der Initiator jener Szene war auch in der Folge ein stetiger Unruheherd: AFC-Kapitän Rosin. Zehn Zeigerumdrehungen vor der Pause ermöglichte ihm Peer Mahncke, der den Ball am eigenen Strafraum erkämpfte, anschließend von Rosin in Szene gesetzt und von Yassine Bouchama im Phönix-Sechzehner ziemlich stümperhaft zu Fall gebracht wurde, das 2:1. Allerdings hatte Rosin großes Glück, dass die Kugel den Weg ins Tor fand, denn Gäste-Keeper Kevin Tittel war am halbhoch und mittig getretenen Versuch noch dran (35.).

"Damit hat ja keiner gerechnet!" - Koberts Fallrückzieher bringt Phönix zurück

Die Szene, die Dennis Rosin (re.) auf die Palme brachte. Nach einem Kontakt ging er zu Boden, ein Pfiff ertönte nicht. Foto: MSSP-Sportphoto

Nichtsdestotrotz: Der AFC führte zur Pause hochverdient. Aber: „Es war klar für uns, dass es in der zweiten Halbzeit ein anderes Spiel werden wird. Das mussten wir annehmen“, so Rosin. Doch seine Equipe verlor „die Souveränität und den Mut“, wie Bergmann konstatierte. Hinzu kamen die vielen „einfachen Fehler“, bemängelte sein „Leader“ auf dem Platz. Der Ex-Altonaer Kubilay Büyükdemir, zur zweiten Hälfte gekommen, scheiterte noch an Jasin Jashari (56.). Aber Altona sorgte kaum noch für Entlastung. Phönix brachte nach einer Stunde den ehemaligen Norderstedter Michael Kobert in die Partie – und der sorgte für die Wende. Und wie er das tat! „Damit hat ja keiner gerechnet“, staunte selbst Bergmann nicht schlecht, als sich der Angreifer in Minute 78 – nach einem zunächst abgewehrten Freistoß – an der Sechzehnergrenze plötzlich in die Luft schraubte und zum Fallrückzieher ansetzte. Die Kugel schlug im rechten Toreck ein – ein Wahnsinnstreffer!

"Unsere Jungs müssen lernen, dass Fußball auch ganz einfach sein kann"

Fast schon flehend blicken Rosin (li.) und Wachowski in Richtung Schiedsrichter, der nicht weit weg stand und gute Sicht hatte. Foto: MSSP-Sportphoto

„Ich fand die in der zweiten Halbzeit auch nicht gut, sondern das Spiel generell nicht besonders attraktiv“, so Bergmann, der befand: „Wir haben nicht mehr in unser Spiel gefunden und versucht, dagegen zu arbeiten. Und dann kriegst du so ein Tor.“ Die Safadi-Schützlinge waren zurück im Geschehen. Doch Altona hätte die direkte Antwort geben können, wäre der Pfiff in jener ominösen 80. Minute ertönt. Dies war aber nicht der Fall – und so sorgte „ein stetiger Unruheherd, der ja auch schon eine andere Liga hinter sich hat, was man eben ab und zu sieht“, für die Phönix-Führung. Nach einem dieser einfachen Ballverluste vom eingewechselten Djavid Abdullatif kombinierte sich der Gast durch. Der von Bergmann erwähnte „Unruheherd“ Haris Hyseni schirmte das Leder gegen André Wallenborn gut ab und verwertete aus der Drehung ins lange Eck (87.)! Altona war geschockt, die Lübecker legten mit einem weiteren Sonntagsschuss nach. Morten Knudsen jagte die Pille aus 21 Metern halblinker Position mit Hilfe der Unterkante der Latte ins Phönix-Glück (90.)!

„Wir haben in der Phase zu oft versucht, gewisse Sachen mit besonderen Dingen zu kompensieren und waren dann zu lange am Ball“, meinte Bergmann die vielen Einzelaktionen, in denen man sich immer wieder verzettelte und hängenblieb. „Unsere Jungs überlegen noch zu viel – und dann wird es unruhig. Sie müssen lernen, dass Fußball auch ganz einfach sein kann.“

Autor: Dennis Kormanjos

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