Keine Party am Perlstieg: Juventude muss zurück in die Bezirksliga!

1:2-Niederlage gegen Dersimspor gleichbedeutend mit dem Abstieg

27. Mai 2018, 18:52 Uhr

Für Emre Tutak und Juventude nahm das Duell mit seinem Ex-Club um Rafat Waseq (re.) kein gutes Ende. Foto: Brussolo

Im Wappen von Juventude do Minho prangt die Jahreszahl 1987. Passend zum 30. Geburtstag des Vereins im Jahr 2017 schafften die Portugiesen den Aufstieg in die Landesliga. Nur eine Saison später steht seit dem heutigen Sonntag fest: Für den Club vom Perlstieg geht es nach 30 Spieltagen in der Sechsten Liga direkt wieder zurück in die Bezirksliga. Zwar hätte Juve noch die Chance gehabt, sich mit einem Heimsieg gegen Dersimspor aus den Fängen des Abstiegsgespenstes zu lösen und so den FC Elazig Spor in den Abstieg zu schießen. Doch daraus wurde nichts. Während die kleine Elazig-Delegation, die das Match als Zuschauer verfolgte, sich mit dem Schlusspfiff freute, sprachen die Bilder auf Seiten von Juventude Bände....

Jens Perez, der die kompletten 90 Minuten am Rand gestanden und gecoacht hatte, sank nach dem letzten Akt auf seinen weißen Trainerstuhl und blieb einige Minuten sitzen, diskutierte dann auf Portugiesisch mit Diogo Fernando Miler Lourenco, dem Juve-Akteur, den der Coach nach 61 Minuten ausgewechselt hatte. Weit von Perez entfernt saß Alexander Fernandes deprimiert auf dem roten Grand, schaute ins Leere. Und noch ein paar Meter weiter lag Keeper Lukas Andresen. Auf dem Rücken, Arme und Beine von sich gestreckt, den Blick in den sonnigen Nachmittagshimmel über Wilhelmsburg gerichtet. Sonnig war die Stimmung bei keinem der drei. Sie hatten in diesen Minuten die Gewissheit, dass es nicht gereicht hatte. Der Klassenerhalt für Juve hatte sich soeben erledigt.

Derouiches Doppelpack beendet die Hoffnung der Hausherren

Doppeltorschütze in der Verfolgerrolle: Dersims Karim Derouiche (re.) jagt Ball und Gegner hinterher. Foto: Brussolo

„Es ist natürlich ärgerlich, wenn man in die Gesichter der Jungs schaut und sieht, dass sie traurig sind. Aber aus Respekt vor den anderen Konkurrenten, die unten noch mit drin standen, mussten wir versuchen, unsere 100 Prozent zu geben – auch wenn wir mit der Saison innerlich und mental schon durch waren. Juve hatte vor dem heutigen Spiel 29 Partien, in denen sie die nötigen Punkte hätten holen können. Aber genau wie wir im Kampf um den Aufstieg haben auch sie viele Zähler liegengelassen“, brachte mit Prince Boateng Styhn ausgerechnet ein Spieler der Gäste die Situation der Hausherren so auf den Punkt, wie man es nicht besser hätte formulieren können. Jens Perez, der Coach des nun feststehenden dritten Absteigers, fasste es in seiner Analyse nach der Begegnung anders zusammen: „Dersimspor war heute einfach besser. Das hat man gesehen.“ Völlig ohne eine Chance auf den Ligaverbleib war Juve vor rund 100 Zuschauern am Perlstieg zuvor aber nicht gewesen.

Zehn Minuten lang passierte bei knallender Sonne fast gar nichts, dann ging es Schlag auf Schlag: Zunächst war es Roberto D'Urso, der mit einem einfachen, aber umso effektiveren Flachpass Karim Derouiche bediente. Der Dersim-Stürmer zog im Strafraum ab, überwand Schlussmann Andresen und der Ball ging links unten ins Netz (16.). Beinahe hätte Juventude im direkten Gegenzug geantwortet, doch bei Emrecan Tutaks Schuss aus der 17. Minute war „Goalie“ Maximilian Hentrich zur Stelle. Der Ausgleich war damit aber keineswegs aufgehoben, sondern nur aufgeschoben. Es lief die 20 Minute, als Hamilton Alvarez Sanchez im Dersim-Strafraum nach einem Foul von David Janaszek zu Fall kam. Schiedsrichter Torben Kunde (SCALA) entschied – ohne groß zu zögern – auf Elfmeter, Ogün Aydin zimmerte den Strafstoß mittig mit Urgewalt in die Maschen – 1:1 (20.). Urplötzlich war alles wieder drin für die Hausherren.

Perez: „Wer weiß, was passiert wäre, wenn der Schiri das Fallrückzieher-Tor gegeben hätte“

Zweiter Sieger: Juventudes Habib Zagre (li.) muss Rafat Waseq den Vortritt lassen. Foto: Brussolo

Noch vor dem Seitenwechsel tauchte Juve, nachdem Hischem Metidji per Weitschuss für Dersim vergeben hatte (23.), zwei Mal vorm Kasten von Torwart Hentrich auf: Erst scheiterte Habib Zagre am Dersim-Keeper (30.), dann schaltete Kushtrim Ferizi nach einer Faustabwehr Hentrichs im Anschluss an eine Ecke schnell, sein Schuss ging jedoch über den Querbalken (31.). Die bittere Pille für die Equipe von Jens Perez folgte vier Minuten nach Wiederbeginn, als ein langer Ball nach vorne bei Derouiche landete und sich der Stürmer der Gäste nicht lange bitten ließ, sondern zum 2:1 für seine Farben einnetzte (49.). Weitere vier Zeigerumdrehungen später hätte genau dieser Derouiche mit seinem dritten Treffer alles klar machen können, doch nach einem Zuspiel von Dejan Sekac und einem anschließenden Haken, mit dem er seinen Gegenspieler ins Leere laufen ließ, verzog er völlig freistehend. Auf der anderen Seite war es Rafael Miler Lourenco, der nach einem Diagonalball von Aydin nur den Pfosten des Dersim-Gehäuses traf (57.).

Nach einer Stunde Spielzeit lag die Kugel dann hinter Hentrich im Kasten – doch der Jubel der Hausherren war so schnell verebbt, wie er entstanden war. Referee Kunde verweigerte dem Treffer die Anerkennung. Was war passiert? Aydin hatte das Spielgerät links von der Grundlinie in den Sechzehner geschlagen, Rafael Miler Lourenco hatte zum Fallrückzieher angesetzt und getroffen. Der Unparteiische jedoch wertete die Aktion des Juve-Spielers als gefährliches Spiel, weil direkt hinter ihm ein Dersim-Akteur gestanden haben soll. Aydin, zuvor noch Flankengeber, hatte nach 70 Minuten dann ebenso den Ausgleich auf dem Fuß, doch sein Schuss trudelte rechts am Pfosten vorbei. Dersim hatte in der Endphase nur noch einen Schuss des kurz zuvor in die Partien gekommenen Lamin Jawla entgegenzusetzen, der aber drüber ging (80.). Den Gastgebern lief mehr und mehr die Zeit davon, doch mehr als ein erneuter Schussversuch von Alvarez Sanchez, der vier Minuten vor dem Ende nicht seinen Weg ins Ziel fand, sondern vorbei ging, bekam Juve nicht mehr zustande. Dann war Schluss und der Abstieg der Perez-Schützlinge perfekt.

Fernandes: „Wir Älteren hätten die jungen Spieler besser leiten können“

Laufduell: Dersimspors Umut Yildiz (re.) hat einen kleinen Vorsprung vor Emre Tutak. Foto: Brussolo

„Wir haben viel geredet. Darüber, was passieren würde, wenn wir absteigen. Und was, wenn nicht“, ließ der Coach der Hausherren nach dem Abpfiff einen Blick auf die Vorbereitung auf das Match zu. „Wir wollten die Null halten und nach vorne spielen – so wie wir das in den letzten 30 Minuten des Spiels gemacht haben. Mal mit zwei, mal mit die Spitzen“, verriet Perez, „wir hatten unsere Chancen. Wenn er Schiri das Tor nach dem Fallrückzieher gegeben hätte, wer weiß, was dann passiert wäre...“ So aber „wird es heute Abend in unserer Chat-Gruppe leise sein, was nicht normal ist“, konstatierte Perez und blickte voraus: „Wir hatten unabhängig davon, was heute passiert, geplant, dass wir uns am kommenden Wochenende treffen und zusammensetzten werden.“ Dort wird es dann Gespräche über die Zukunft geben: „Einige Spieler haben Angebote, wir müssen klären, wer bleibt und wer nicht, Auch ich muss mich mit dem Vorstand zusammensetzen“, gab Perez abschließend zu Protokoll. Und auch sein Abwehrmann Alexander Fernandes begab sich auf Spurensuche.

„Wir waren nicht so präsent wie sonst. In der Mannschaft sind einige Topspieler, aber die bringen ihre Leistung auf dem Spielfeld nicht immer. Wir machen die Tore nicht. Wir sichern 90 Minuten ab und dann bekommst du ein doofes Ding und das ist drin“, fasste der Innenverteidiger die Probleme der gerade zu Ende gegangenen Saison zusammen. „Wir hatten viel mit dem Training und den Platzverhältnissen zu tun. Es macht keinen Sinn, die Fehler bei einzelnen zu suchen. Die ganze Mannschaft hätte kämpfen müssen. Das haben wir zu spät gemacht und deshalb sind wir abgestiegen“, sagte der 31-Jährige und nahm auch sich bei der Ursachenforschung nicht heraus. „Wenn man so schnell hintereinander aufsteigt, denkt man, die Landesliga ist auch ein Klacks, aber das ist sie nicht. Wir Älteren hätten die jungen Spieler besser leiten können“, befand der Routinier, der mit Blick auf diverse Platzverweise im Verlauf der Saison feststellte: „Man kann nicht immer dem Schiri die Schuld geben. Diese vielen Karten haben uns aus der Bahn geworfen. Man steckt es nicht so leicht weg, wenn mal fünf Mann zugleich gesperrt sind.“ Nach dem Abstieg, in dessen Folge „einige weggehen werden“, hoffe er, so Fernandes, „dass wir gut nachlegen können.“

Jan Knötzsch

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