Oberliga

„Kann mich noch an die Zeit erinnern, wo ich ‚Troche‘ und ‚Cello‘ im Fernsehen verfolgt habe“

03. Dezember 2020, 12:37 Uhr

Artur Krüger (Mi.) stand in allen sechs Saisonspielen für den HSV III auf dem Platz, gibt sich aber dennoch sehr bescheiden. Foto: noveski.com

Er glänzt nicht als regelmäßiger Torschütze oder Vorbereiter, sondern vielmehr als absoluter Teamplayer, der sich voll in den Dienst der Mannschaft stellt und wichtig für das Gesamtgefüge beim Hamburger SV III ist. In sämtlichen sechs Saisonspielen stand er für die Rothosen auf dem Platz: Artur Krüger. Wir haben mit dem 24-jährigen Mittelfeldakteur über seine Rolle im und Bedeutung fürs Team, den zunächst durchwachsenen Saisonstart, den Abgang von einem Teil des Trainerteams, prominente Mitspieler sowie seine Ziele mit dem HSV III in der Oberliga gesprochen…

In der vergangenen Saison, die für den HSV III nach 24 Spielen aufgrund des vorzeitigen Corona-Abbruchs beendet war, erzielte Krüger (re.) in 18 Einsätzen zwei Tore. Foto: noveski.com

FussiFreunde: Du bist im Sommer 2019 von Niendorf II zum HSV III gewechselt und hast dich sofort als Stammspieler etabliert. In dieser Saison hast du in allen sechs Spielen von der ersten bis zur letzten Minute auf dem Platz gestanden. Was macht dich so wichtig fürs Team und wie siehst/interpretierst du deine Rolle?

Artur Krüger:
„Von der Aussage, mich als wichtig für das Team zu bezeichnen, würde ich mich zunächst distanzieren. Auch als Stammspieler würde ich mich nicht bezeichnen. Die Aufstellungen werden bei uns Woche für Woche im Training bestimmt. Man darf sich keine Blöße geben und sollte immer 100 Prozent geben, damit man am Ende der Woche in der Startelf steht. Für wen sich ‚Rabe‘ (Trainer Marcus Rabenhorst, Anm. d. Red.) entschiedet, liegt am Ende ganz bei Ihm. Ich stelle mich immer in den Dienst der Mannschaft und wir harmonieren in der jetzigen Konstellation sehr gut zusammen. Zudem kommt mir die von ‚Rabe‘ vorgelebte Spielphilosophie sehr zu Gute, weil er uns immer wieder einimpft keine Scheu zu zeigen und offensiven Fußball spielen.“

Bei euch stehen oft Spieler wie Sepehr Nikroo oder Dominik Jordan, die vorne mit ihren Toren auch mal den Unterschied ausmachen, im Fokus. Wie wichtig ist es da, auch nach hinten eine gewissere Absicherung zu haben?

Bei den Rothosen zieht Krüger (re.) im Mittelfeldzentrum ganz unaufgeregt die Fäden. Foto: KBS-Picture.de

Krüger: „Klar, mit ‚Zippa‘ (Sepehr Nikroo, Anm. d. Red.) und ‚Dome‘ (Dominik Jordan) haben wir da vorne zwei Spieler, die meiner Meinung nach zu den Besten Offensivspielern der Liga gehören. Das haben sie letzte Saison genauso wie in der bisherigen Saison mit ihren Leistungen gezeigt. Man darf aber nicht vergessen, dass unser Team nicht nur aus den Beiden besteht. Es gibt einige Spieler, die eine sehr hohe Qualität haben und jeder Einzelne trägt dazu bei, dass die beiden auf ihre Tore kommen. Nach hinten eine gewisse Absicherung zu haben, ist für uns schon länger ein Thema. Wir haben natürlich unseren Kapitän Torben Wacker, welcher mittlerweile in der Oberliga ein ‚alter Hase‘ ist, dazu kommen auch Spieler wie Jerry Sampaney, der auch nicht gerade ein Unbekannter ist. Aber zwei Spieler alleine können nicht für das ganze Team verteidigen. Es nimmt sich bei uns keiner raus, wenn es um die defensive Arbeit geht. Eine passende Floskel dazu: ‚Der Sturm gewinnt Spiele, die Abwehr gewinnt Meisterschaften.‘“

Nachdem ihr in der letzten Saison als Aufsteiger absolut positiv überrascht habt, war der Start in diese Serie eher weniger erfolgreich. Woran hat das aus deiner Sicht gelegen?

Krüger: „In der letzten Saison hatten wir noch das Image eines ‚Außenseiters‘ und dementsprechend in keinem Spiel etwas zu verlieren. Dieses Bild hat sich in dieser Saison geändert und wir werden – das denke ich – als ernstzunehmende Rivalen angesehen, die gut und gerne jeden schlagen können, wenn wir das abliefern, was wir können. Unsere Offensive ist – wie auch schon letzte Saison – in einer sehr guten Verfassung. Unsere Spiele sind dafür bekannt, dass sie sehr unterhaltsam für alle Zuschauer sind, da sie für offensiven Fußball und viele Tore auf unserer Seite genauso wie auf der Seite des Gegners stehen. Damit kann man unsere defensive Leistung als negativ betrachten. Leider bekommen wir zu viele unnötige Gegentore, was häufig auf individuellen Fehlern basiert. Wir müssen als Mannschaft lernen, dass jeder Einzelne dafür verantwortlich ist, was sowohl vor dem Tor des Gegners als auch vor unserem eigenen Tor passiert.“

Mit Christian Rahn, der zum Co-Trainer bei der U21 befördert wurde, hat euch ein Teil des erfolgreichen Trainerteams verlassen. Wie wichtig war er für euch und was wird durch seinen Abgang künftig fehlen?

Christian Rahn (li.) und Marcus Rabenhorst waren ein absolut eingespieltes Team und haben sich nahezu blind verstanden. Erstgenannter wurde nun zum U21-Co-Trainer befördert. Foto: KBS-Picture.de

Krüger: „Natürlich ist ‚Rahners‘ Abschied bitter für uns. Um sich weiterzuentwickeln, was für einen Fußballlehrer normal sein müsste, hat er sich für den richtigen Weg entschieden. Ich habe nur das letzte Jahr unter ihm spielen dürfen. In dieser Zeit habe ich einiges von ihm mitnehmen können – dafür bin ich ihm sehr dankbar. Seine Erfahrungen als Profifußballer konnte er weitergeben und wir geben natürlich unser Bestes, um seine Tipps weiterhin umzusetzen, auch wenn er nicht mehr dabei ist. Man darf aber nicht vergessen, dass ‚Rabe‘ ebenfalls einen sehr großen Anteil an dem Erfolg unserer Mannschaft hat. Die beiden haben sich sehr gut ergänzt, deshalb schmerzt es umso mehr, dass ‚Rabe‘ das jetzt alleine machen muss. Wir versuchen ihn jetzt so gut es geht zu unterstützen, denn 24 alte Säcke können gut und gerne mal ziemlich anstrengend werden (lacht)."

Natürlich muss auch eine Frage zu deinen „prominenten“ Mitspielern kommen. Wie ist es für dich, Seite an Seite mit ehemaligen Nationalspielern wie Marcell Jansen und Piotr Trochowski zu spielen und zu trainieren – und was kann man von den Jungs noch lernen?

Beim Premierentreffer von Piotr Trochowski (2. v. li.) in der Oberliga war Artur Krüger (li.) der erste Gratulant. Foto: KBS-Picture.de

Krüger: „Natürlich ist es eine Ehre, mit den beiden Jungs zusammen zu spielen. Ich kann mich noch an die Zeit erinnern, wo ich ‚Troche‘ und ‚Cello‘ im Fernsehen verfolgt habe. Dass ich eines Tages mit den beiden zusammen spielen darf, damit hätte ich im Leben nicht gerechnet. Ich persönlich kann von ‚Troche‘ mehr mitnehmen als von ‚Cello‘, weil bei uns die Position auf dem Platz ähnlich ist, aber auch ‚Cello‘ trägt immer etwas zur Entwicklung jedes Spielers bei. In der Kabine zeigen die beiden auch keine Anzeichen von Starallüren und sind perfekt in der Mannschaft integriert.“

Wie sieht deine persönliche Zielsetzung in dieser Saison aus – und wo soll/kann die Reise noch hingehen?

In jedem Spiel für sein Team stellt sich Krüger (re.) komplett in den Dienst der Mannschaft, während andere Akteure vorne glänzen können. Foto: KBS-Picture.de

Krüger: „Meine persönliche Zielsetzung für diese Saison ist, den Tabellenplatz der letzten Saison zu erreichen oder besser abzuschneiden. Inwieweit das durch Corona möglich ist, steht aber leider in den Sternen. Ich hoffe, wir können Mitte/Ende Januar weitermachen, wenn auch mit einem veränderten System. Ich will in dieser Saison jede mögliche Erfahrung mitnehmen und als Spieler reifen. Ich habe frühzeitig für ein weiteres Jahr verlängert. In dieser Zeit möchte ich mich noch weiterentwickeln und vielleicht noch mehr Aufmerksamkeit auf mich richten – da setze ich keine Grenzen. Wie genau die Zukunft verläuft und was sie mit sich bringt, steht aber noch in den Sternen. Aktuell sind andere Themen wichtiger als der Fußball.“

Autor: Dennis Kormanjos

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