14.04.2019

„Jetzt müssen sie unsere Ärsche jagen“: „Asche“ und Geburtstagskind Kaba halten ASV auf Landesliga-Kurs

OSV-Coach Gottschling hakt nach der 1:2-Niederlage im Gipfeltreffen den Meistertitel ab

Freudenmoment: ASV-Siegtorschütze Argetim Kaba (Dritter v. li.) und seine Teamkollegen Abdul-Nahe Farahi (li.), Serhat Cayir (Zweiter v. li) und Timo Aschenbrenner (re.) jubeln. Foto: Both

Es war friedlich und fair geblieben. Bis zum Schlusspfiff. Dann aber kochten die Emotionen nach dem Match des ASV Hamburg gegen den Oststeinbeker SV (Hier gibt’s den Live-Ticker der Partie zum Nachlesen) zumindest für einen kurzen Moment hoch, als ASV-Abwehr- „Oldie“ Saihidu Idrissou und Erdinc Örün nach einem vorangegangenen Kopfballduell, bei dem sich Örün eine drei Zentimeter große Wunde am Kopf zuzog und später zur Behandlung kurz ins Krankenhaus gefahren wurde, verbal aneinander gerieten. Die beiden Streithähne konnten getrennt werden – und dann war alles vorbei. Alles vorbei – das war auch das Stichwort für Simon Gottschling nach dem Match. „Das war's“, stellte der OSV-Coach nach der Begegnung und der 1:2-Niederlage seiner Equipe fest, dass der Meistertitel und der Aufstieg dem ASV nicht mehr zu nehmen sein dürften.

Und der Mann, der daran den größten Anteil vor den etwa 210 Zuschauern an der Snitgerreihe hatte, strahlte nach dem Spiel bis über beide Ohren. Aus zwei Gründen: Zum einen war Argetim Kaba in der 73. Minute nach einer Vorarbeit von Abdul-Nafe Farahi der Treffer zum 2:1-Endstand gelungen, zum anderen feiert die Nummer acht des ASV am heutigen Sonntag Geburtstag. „Das fühlt sich gut an. Es war ein verdienter Sieg und ein wichtiger Schritt zum Aufstieg. Das lassen wir uns jetzt nicht mehr nehmen. Dass ich an meinem Geburtstag auch noch den Siegtreffer erziele, ist umso schöner“, jubelte Kaba, der seit heute 31 Jahre alt ist, und stellte fest: „Auch das 1:1 hat uns nicht aus dem Konzept gebracht, ich hatte Vertrauen, dass wir heute da sind und stabil sind. Wenn wir uns das jetzt noch nehmen lassen, müssen wir abmelden.“ Und auch Timo Aschenbrenner, der in Abwesenheit des erkrankten ASV-Coaches Mo Wadhwa das 1:0 für den ASV nach 34 Minuten erzielt hatte, war sich im Anschluss an die inklusive Nachspielzeit 98 (!) Minuten sicher: „Heute wurde die Meisterschaft entschieden. Jetzt müssen sie unsere Ärsche jagen. Wir haben auch für Mo die drei Punkte geholt.“ Punkte, die dafür sorgen, dass der ASV jetzt fünf Zähler vorm OSV liegt.

Kaba: „Wenn wir uns das jetzt noch nehmen lassen, müssen wir abmelden“

Voller Einsatz: Alesson Fernandes Arguelho (li.) im Zweikampf mit Oststeinbeks Esmin Sejdi. Foto: Both

Mit diesem „Dreier“, so „Asche“ Sekunden später, „haben wir uns ganz wichtige Punkte geholt. Auch die drei Punkte in Eilbek letze Woche, wo wir nach vier Minuten fast schon drei Punkte liegengelassen hatten (der ASV drehte erst anschließend einen 0:2-Rückstand in einen 7:2-Sieg, Anm. d. Red.), waren wichtig.“ Und zudem war da ja noch eine ganz besondere Motivation: „Wir hatten gegen Oststeinbek in dieser Saison zwei Mal verloren (ein Mal im Pokal und ein Mal in der Meisterschaft, Anm. d. Red.), also hatten wir da noch einiges offen, Und wir wollten den Vorsprung ausbauen. Es ist geil, dass uns das gelungen ist, Jetzt sind sie gefragt, nicht wir. Ich denke, dass wir und der OSV definitiv nichts mehr in der Bezirksliga zu suchen haben“, ließ Aschenbrenner keinen Zweifel daran, dass seiner Meinung nach nicht nur der ASV, sondern auch der Verlierer des Gipfeltreffens in der kommenden Saison in der Landesliga spielen wird – als Zweiter, dank der Koeffizienten-Regelung. „Ich freue mich vor allem auf das letzte Spiel gegen den SCVM (Aschenbrenners Ex-Verein, Anm. d. Red.) und hoffe, dass wir dann schon Meister sind“, schloss „Asche“ sein Statement zum Spiel.

Das hatte nach dem 1:0 durch Aschenbrenners Freistoß, den Youssef Sbou unhaltbar abfälschte (34.), nur zwei Minuten nach der ASV-Führung den Ausgleichstreffer gesehen: Youssef Sbou machte sein Missgeschick aus der Defensive in der Offensive wieder gut und bediente mit einer Flanke Samet Yazici, der in der Mitte verwertete und Keeper Shahin Ahmadi keine Chance ließ. So richtig etwas auslösen bei beiden Kontrahenten konnte dieses Remis allerdings nicht: Der ASV geriet nicht außer Kontrolle, der OSV bekam durch das 1:1 keinerlei Schub. „Es hat irgendwie alles zusammengepasst. Wir waren in keinster Art und Weise da. Wir waren tot, mehr gibt’s zu diesem Spiel nicht zu sagen“, war das erste, was Simon Gottschling nach dem Match zu sagen hatte. „Mehr“, so der OSV-Übungsleiter weiter, „brauche ich dazu gar nicht zu erzählen. Der Aufstieg als Meister wäre für den ASV verdient. Sie haben über Jahre immer wieder oben mitgespielt, es bisher aber nicht geschafft. Dann ist es jetzt in diesem Jahr eben so. Wir haben selbst Schuld. Wenn wir so weiter rum eiern, steht auch der Quotient und ob wir als Zweiter hochgehen, in Frage. Es wird Zeit, dass wir wieder die Eier auspacken und Fußball mit Tempo und Entschlossenheit spielen – das ist das, was uns ausgezeichnet hat.“

Gottschling: „Es wurde viel Wind und Politik gegen uns gemacht – das hat die Mannschaft gehemmt“

In die Mitte genommen: Serhat Cayir (Mi.) muss sich gegen Samet Yazici (re.) und Esmin Sejdi zur Wehr setzen. Foto: Both

Worte, mit denen sich Gottschling auf Ursachenforschung begab, warum es zuletzt bei seiner Elf nicht mehr so rund lief, wie es eigentlich könnte und im Titelrennen müsste: „Spiele gegen Börsen sind immer Schweinespiele. Gegen Ahrensburg müssen wir zur Halbzeit 3:0 führen. Wir haben 75 Prozent Ballbesitz, das Spiel müssen wir gewinnen. Hier und heute wäre der ASV tot gewesen, wenn Örün das 1:0 macht. Dann hätten wir griffig sein und sie anlaufen können. Dann machst du zwei, drei Tore und gewinnst zu Null. Es ist erschreckend, was hier heute abgegangen ist“, konstatierte der OSV-Trainer. „Wenn du als Zweiter hochgehst, dann ist alles gut. Klar: ich will aufsteigen, aber es interessiert mich nicht, ob wir dabei Meister werden. Wichtig ist nur, dass wir aus der Liga raus marschieren. Ich kann auch damit leben, wenn wir am Ende der Saison als Zweiter in der Tabelle stehen und hochgehen“, erklärte Gottschling und begründete: „Wenn man sich mal die ganzen Konstellationen in dieser Saison anguckt...“

Was er damit meinte? Auch da sorgte der Coach für Aufklärung. Es gehe ihm nicht nur um den personellen Sektor, wo „wir viel gemacht haben, viele Ausfälle hinnehmen mussten und sich die Truppe auch erstmal wieder neu finden musste“, wie der Coach es umschrieb. Nein, da seien auch noch die äußeren Faktoren: „Es wurde viel Politik und Wind gegen uns gemacht. Die Presse hat viel Scheiße geschrieben. Das hat die Mannschaft gehemmt, wir sind von dem aggressiven Pressing, das uns ausgezeichnet hat, abgekommen. Vielleicht war es auch dumm von uns, dass wir uns für Dinge entschuldigt haben, die wir gar nicht vorangetrieben haben. Ich weiß: Wir waren nicht komplett unschuldig, aber jeder hat uns auf dem Zettel. Jeder will immer schön gegen uns sticheln. Damit musst du leben, aber wenn du zu grün hinter den Ohren bist, dann kannst du da nicht gut mit umgehen. Da müssen wir cleverer werden“, beschied Gottschling, der abschließend aber dennoch den Optimisten gab: „Wir werden es schaffen“, ist sich der 44-Jährige, der seinen Vertrag am Meessen um zwei weitere Jahre verlängert hat, sicher, in der kommenden Saison mit seiner Equipe in der Landesliga um Tore und Punkte zu spielen. 

Jan Knötzsch 

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