Oberliga

„Jeder, der sich mit HEBC ein bisschen auskennt, der weiß um seine Wichtigkeit“

29. Mai 2024, 14:58 Uhr

In Özden Kocadal brennt weiterhin das Feuer für den HEBC. Der Erfolgsmacher der Eimsbütteler setzt seine Arbeit fort. Foto: noveski.com

Auch, wenn er es selbst nicht gerne hören oder lesen wird – aber: Özden Kocadal hat den HEBC zu einer Spitzenmannschaft in der Oberliga entwickelt. Nach seinem Karriereende und dem postwendenden Übergang zum Cheftrainer übernahm „Özzi“ die Reinmüller-Rackerer nach dem Abstieg aus dem Oberhaus und formte aus einem Team, das lange Zeit für die typischen Grandplatztugenden à la „Kratzen, kämpfen, beißen“ stand, eine überaus angesehene Fußball-Mannschaft. Kocadal hielt den HEBC nicht nur in der höchsten Hamburger Amateurspielklasse, sondern erreichte zweimal einen einstelligen Tabellenplatz, ließ im zweiten Jahr den einst so übermächtig scheinenden Nachbarn vom SC Victoria hinter sich – und beendete die Spielzeit 2023/24 mit den Lila-Weißen auf einem fast schon sensationellen fünften Tabellenplatz. Das beste Endresultat seit 1959, als man ebenfalls den fünften Rang belegte.

Und so muss Liga-Manager Stilianos Vamvakidis auch gar nicht allzu viele Worte verlieren, um seine Freude über den Verbleib des Cheftrainers zum Ausdruck zu bringen – denn: „Jeder, der sich mit HEBC ein bisschen auskennt, der weiß um die Wichtigkeit von ‚Özzi‘ und seinen Faktor auf uns“, will er eben nicht die üblichen Standard-Floskeln aus dem Repertoire kramen. Vielmehr gibt er offen und ehrlich zu: „Bei mir herrscht keine Angst, dass er eines Tages ‚abgeworben‘ wird, sondern, ob es generell noch einen weiteren Schritt in der Entwicklung bei uns geben kann“, hat nicht zuletzt die laufende Saison der Eimsbütteler mit ganz großer Sicherheit reichlich Begehrlichkeiten geweckt.

Kocadal verlängert am Reinmüller

Nichtsdestotrotz betont Vamvakidis: „Am Ende des Tages ist es immer auch eine Teamleistung.“ Ein Team, das scheinbar nahezu blind funktioniert – und wie. Denn Kocadal hat seinen Kontrakt am Reinmüller verlängert! „Das gibt einerseits uns als Verein natürlich Planungssicherheit, zeigt aber andererseits auch umgekehrt, dass er mit dem ‚Paket HEBC‘ sehr gut leben kann, die Entwicklung sieht und gleichzeitig auch, dass diese noch nicht abgeschlossen ist“, unterstreicht „Speedy“.

"Sehe auf jeden Fall noch Entwicklungsschritte"

Nicht mal in seinen Träumen habe er damit gerechnet, dass sein HEBC in der Oberliga am Ende auf dem fünften Tabellenplatz stehen könnte, gesteht Kocadal. Foto: noveski.com

Angesprochen auf eben jenen Aspekt, wo und ob Kocadal – auch angesichts der überaus bescheidenen Mittel im Vergleich zu vielen anderen Oberligisten – noch Entwicklungspotenzial sieht, entgegnet er postwendend voller Ansporn: „Ich sehe auf jeden Fall noch Entwicklungsschritte!“ Die Saison, in der am Ende nur vier Zähler auf den dritten Tabellenplatz und ein mickriges Pünktchen auf den viertplatzierten Niendorfer TSV gefehlt haben, hätte gezeigt, „dass wir immer gesehen haben, was wir verbessern können“, so der 40-Jährige. „Wir werden uns zusammensetzen und die Dinge auf den Tisch legen – und dann geht es um Methodik und Didaktik.“ 

Genauer gesagt: „Was wollen wir verbessern? Wie können wir das verbessern? Und dann geht es in die ganz konkrete Planung, wie wir das auch auf den Platz bekommen und was wir den Spielern mitgeben können, um gewisse Dinge zu verbessern.“

"Wir haben riesengroße Themenfelder vor uns"

Und Kocadal wäre nicht Kocadal, wenn er nicht schon ganz konkrete Vorstellungen hätte. „Einerseits geht um mehr Stabilität, wenn wir mal Viererkette spielen, dass wir da weniger Gegentore kassieren. Das betrifft die gesamte Mannschaft und geht ganz vorne los. Ein weiteres ganz großes Thema bei uns ist: Im letzten Drittel noch mehr Handschrift und eine klare Idee zu haben, wie wir Tore erzielen und noch wellenartigere Angriffe fahren wollen.“ Der Coach der Oberliga-Überraschungsmannschaft verfolgt einen klaren Plan – sowohl im Spiel mit als auch im Spiel gegen den Ball, wo er der Fokus darauf setzen will, „wie wir den Ball schnellst- und bestmöglich zurückergattern, wie die Restverteidigung aussehen und wie wir stehen wollen. Eine weitere große Frage ist, in welcher Formation wir spielen wollen. Das sind riesengroße Themenfelder, die uns auf jeden Fall beschäftigen werden in der kommenden Saison – und nicht nur durch personelle Veränderungen auftreten, sondern die wir uns durch all die Erfahrungswerte und Dinge, die wir analysiert und erkannt haben, als Trainer-Hausaufgabe vor- und mitgenommen haben.“

"Habe nicht mal im Traum damit gerechnet, dass wir Fünfter werden"

Kocadal verfolgt klare Ziele mit seinem HEBC und sieht noch Entwicklungsschritte - trotz der historischen Saison. Foto: noveski.com

Er sehe viel Potenzial, betont aber zugleich: „Das bedeutet nicht, dass wir wieder Fünfter werden, weil die Liga einfach brutal wird.“ Eine Liga, in der sein HEBC zuletzt für das eine oder andere Ausrufezeichen gesorgt hat. „Ich bin wirklich ehrlich: Das hätte ich uns nicht zugetraut. Nicht mal in meinen Träumen habe ich damit gerechnet, dass wir Fünfter werden“, gibt er unumwunden zu – und fügt an: „Ich hatte schon gedacht, dass wir zwischen Platz acht und zwölf einlaufen können.“ Aber: „Dass es so gut läuft, hätte ich nicht gedacht. Ich finde auch, dass wir uns fußballerisch nochmal heftig verbessert haben.“

"Unser fußballerischer Ansatz hat uns da hingebracht"

Hintenraus habe seinen Eimsbüttelern das Verletzungspech entscheidende Körner gekostet. „Ich glaube, wir hätten den dritten Platz erreichen können, wenn wir alle Mann komplett fit an Bord gehabt hätten. Und das ist die Grundvoraussetzung für die nächste Saison: Wenn du wieder eine gute Rolle spielen willst, dann muss einfach auch ganz viel zusammenkommen“, weiß der Erfolgsmacher aus seiner jahrelangen Erfahrung als Spieler. „Ich mache mir keine Sorgen, dass wir doofen Fußball spielen werden. Wir werden weiter dranbleiben und unser fußballerischer Ansatz hat uns da hingebracht. Das wird auch so bleiben.“

Genauso wie die Devise am Reinmüller: „Bodenständig bleiben. Erstmal arbeiten, dann feiern. In schlechten Zeiten heißt es: Kopf hoch. In guten Zeiten: Kopf runter“, sollen weder ein gewisser Höhenflug noch der Schlendrian einkehren. Stattdessen setzt man weiter auf die Grundtugenden: „Wenig sabbeln, auf dem Platz die Wahrheit sprechen lassen. Damit fahren wir gut“, will und wird man auch weiterhin „authentisch bleiben“ und alles versuchen, um die „ultra-klasse Leistung“ zu bestätigen – Tabellenplatz-unabhängig.

Autor: Dennis Kormanjos