10.02.2018

Jansen hat sein "Hobby zurückgewonnen" - aber Erman spielt den "Showstealer"!

Ex-Nationalspieler feiert Comeback - Favorit siegt, zollt dem Gegner aber Respekt

Eine knappe Viertelstunde stand er auf dem Platz und deutete bereits an, dass er eine Verstärkung im Abstiegskampf für den HSV III sein wird: Ex-Profi Marcell Jansen, der per Kopf beinahe das 3:3 markierte. Foto: Heiden

Eine Viertelstunde vor Schluss hatte das Warten ein Ende: Der ehemalige Nationalspieler, Double-Sieger mit dem FC Bayern und langjährige HSV-Profi, Marcell Jansen, wurde zur Ersatzbank gerufen und zog das Trainings-Leibchen aus. Nur wenige Augenblicke später war es dann soweit: In der 76. Spielminute feierte der 32-Jährige sein Debüt für den Hamburger SV III. Ganz bescheiden erklärte der "Hauptprotagonist" des Abends nach der Partie gegen den Tabellenzweiten vom FC Teutonia 05: "Das stand ja gar nicht im Vordergrund." Da hatte nicht nur Gäste-Coach Sören Titze eine andere Meinung: "Erstmal ist es ja positiv, dass ein Mann wie Marcell Jansen sagt, dass er den Amateursport so liebt, dass er das hier auch gerne unterstützt. Und grundsätzlich ist es auch für die Liga eine Bereicherung, was man allein schon an der heutigen Anzahl der Pressevertreter sieht."

Vor dem Spiel erhielt Jansen Videogrüße von seinen Ex-Mitspielern Dennis Aogo und Tomas Rincon. Foto: Heiden

Es lief die 85. Spielminute, als HSV III-Stürmer Jendrik Bauer den Ball vom rechten Flügel präzise ins Zentrum schlug und Marcell Jansen urplötzlich zum Kopfball hochstieg. Aus acht Metern segelte sein Versuch nur um Haaresbreite am rechten Pfosten vorbei. Es wäre nicht nur das 3:3 gewesen, sondern für den einstiegen WM-Teilnehmer ein absoluter Traumeinstand. "Ich mache den Schritt nach hinten und sehe ihn nicht ganz. Schade, dass der ganz knapp vorbeiging – es wäre natürlich gut gewesen und wahrscheinlich wäre das Spiel dann auch ganz anders gelaufen", beschrieb Jansen selbst jene Aktion. Zu einem Happyend sollte es am Ende nicht reichen. Denn der Favorit setzte sich bei den Norderstedtern mit 4:2 durch, hatte aber arg zu kämpfen. "Großer Respekt vor dem HSV III. Sie haben von der ersten bis zur letzten Minute an sich geglaubt, diszipliniert und mit Leidenschaft Fußball gespielt – und uns das Leben 90 Minuten lang schwer gemacht", lobte Titze die "Rothosen" fast schon überschwänglich. Und das nicht mit Unrecht.

Der erste Spielabschnitt gehörte nicht etwa dem ärgsten Dassendorf-Widersacher, sondern dem Abstiegskandidaten. Die größte Möglichkeit hatte Außenverteidiger Daniel Michalowski, der nach einem Ballgewinn des ganz stark aufspielenden Jerry Sampaney und Flanke von Damian Ilic mit dem Oberschenkel nur am Querbalken scheiterte (31.). "Wenn du Pech hast, liegst du zur Pause hinten. Die Spielanlage vom HSV war wirklich gut und man hat in der ersten Halbzeit überhaupt keinen Unterschied gesehen", erkannte auch Titze. Während Jansen befand: "Der Gegner war verunsichert und hat zur Halbzeit schon zweimal gewechselt. Daran war zu sehen, dass der Tabellenzweite mit dem Spiel überhaupt nicht zufrieden war."

Titze: "Dann denkst du, dass du mit einem Punkt zufrieden sein musst"

Jendrik Bauer (re.) im Duell mit Seyhmus Atug. Foto: Heiden

Tatsächlich bewies Sören Titze vor allem mit einer Hereinnahme ein goldenes Händchen: Stürmer Aytac Erman, der dem großen "Comebacker" schlussendlich die Show stahl. Binnen 180 Sekunden sorgte Erman - zunächst nach Arifi-Querpass von links, dann nach einem Arifi-Freistoß auf den zweiten Pfosten - für eine scheinbar beruhigende 2:0-Führung der Gäste (56., 59.)! Zuvor verhinderte Sampaney auf der Linie stehend bereits einen Rückstand (54.), während auf der anderen Seite Semir Svraka, der die Nummer eins der Hinrunde, Mirko Oest, vorerst verdrängt hat, einen abgefälschten Yasar-Schuss unmittelbar nach Wiederanpfiff in unglaublicher Manier entschärfte (46.). Die Hausherren ließen die Köpfe aber auch nach den beiden Gegentoren nicht hängen. Ganz im Gegenteil. Erst gelang dem beherzt nachsetzenden Damian Ilic der Anschluss (70.). Dann egalisierte Michael Ulbricht per Kopf - nach einem ruhenden Ball von Emre Yasar - das Geschehen (80.). "Dann denkst du eigentlich, jetzt musst du froh sein, wenn du mit einem Punkt nach Hause gehst", so Titze ganz ehrlich. Doch es sollte anders kommen...

"Ein saublödes Tor, das richtig wehgetan hat"

Winter-Neuzugang Jerry Sampaney wusste beim HSV III zu überzeugen. Foto: Heiden

Inzwischen war auch Marcell Jansen, der sich zu Spielbeginn mit Teamkollege Darwin Streubier auf den „Soccercourt“ neben dem Hauptplatz zurückzog und dort warmhielt, auf dem Feld und zeigte gleich, dass er nichts verlernt hat. Sein erster Ballkontakt: Ein gewonnenes Kopfballduell (78.). Dann narrte er gleich zwei Gegenspieler, die eng an ihm dran klebten, auf der linken Seite und brachte die Kugel tatsächlich noch in die Mitte, ehe er per Hacke für Bauer ablegte. Noch bevor er allerdings zu seiner ersten richtig guten Torchance kam, zeigte ein Akteur auf der anderen Seite, dass gegen ihn am heutigen Abend einfach kein Kraut gewachsen ist: Der Jubel nach dem Ausgleich war noch gar nicht verklungen, da nagelte Erman das Spielgerät aus 14 Metern staubtrocken ins linke untere Toreck - nachdem die Rothosen-Defensive zuvor nicht klären konnte (81.)! "Ein saublödes Tor, das richtig wehgetan hat", ärgerte sich Jansen im Anschluss an die Begegnung, die Ilic beinahe wieder spannend gemacht hätte. Nachdem sein 13-Meter-Schuss - noch leicht abgefälscht - aber knapp am kurzen Eck vorbei flog (88.), machten die "Kreuzkirchler" in der Nachspielzeit den Deckel drauf. Wieder war es Aytac Erman, der diesmal in einer Kontersituation das Auge für den Nebenmann hatte und Andre Müller sagte artig "Danke" (90. +1)!


Autor: Dennis Kormanjos

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10.02.2018 - 11:31 - darwish

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