14.02.2019

„In Schulnoten würde ich sagen: Wir können uns eine gute Zwei geben“

Lohbrügge-Coach Sven Schneppel im Interview

Fingezeig: Kann es für Sven Schneppel und den VfL Lohbrügge in der Tabelle noch ein Stück weiter nach oben gehen? Foto: Bode

Hamm United führt mit 46 Punkten die Tabelle der Landesliga Hansa an. Es folgt der Bramfelder SV mit 43 Zählern. Dahinter liegt der VfL Lohbrügge mit 39 Punkten. Die Equipe des Trainerduos Sven Schneppel und Elvis Nikolic surft quasi im Windschatten und könnte mit Glück vielleicht der „lachende Dritte“ im Kampf um den Aufstieg sein. Wir haben mit Schneppel über den möglichen Sprung in die Oberliga, den bisherigen Saisonverlauf sowie die Zusammenarbeit mit Nikolic und Manager Mato Mitrovic gesprochen und verraten, ob die Winter-Verpflichtung von Danijel Suntic aus Trainersicht nochmal eine Kampfansage an die Konkurrenz ist.

Sven, vier Punkte Rückstand auf Bramfeld, sieben auf Hamm: Wie oft denkt man angesichts dessen an den Aufstieg?

Sven Schneppel: Nicht so oft, wenn ich ehrlich bin. Natürlich beschäftigt man sich mit der Tabelle – man wäre ja auch ein schlechter Trainer, wenn nicht. Aber wir laufen jetzt aber auch nicht die ganze Zeit mit der Tabelle in der Hand durch die Gegend und sagen: Wir müssen hoch. Wir wollen uns jetzt im Winter genau wie im Sommer ganz gewissenhaft vorbereiten. Die Möglichkeit, den Rückstand aufzuholen und vielleicht noch einen Platz zu klettern, besteht. Zwei Plätze wäre vielleicht ein bisschen vermessen. Sieben Punkte sind schon ein Brett. Die muss Hamm auch erstmal liegenlassen. Wir haben Hamm, anders als Bramfeld, noch im direkten Vergleich. Aber auswärts bei Hamm zu sagen: Wir hauen die weg und dann sind es nur noch vier Punkte und dann verlieren sie hier und da noch was – das wäre ein bisschen zu plump. Wir wissen dass Hamm eine gute Mannschaft hat und sich im Winter nochmal gut verstärkt hat.

Du sprichst es an: Das dritte Ligaspiel des neuen Jahres ist das Match gegen Hamm...

Temporärer Abgang: JOnas Holz (li.) wird dem VfL wegen eines USA-Aufenthaltes ein halbes Jahr nicht zur Verfügung stehen. Foto: Bode

Schneppel: Wir haben erstmal zwei schwere Spiele gegen Berne und Bergstedt. Die gucken noch nach unten und brauchen jeden Punkt. Gegen Teams, die noch um den Klassenerhalt kämpfen, sind es keine einfachen Duelle. Trotzdem brauchen wir da sechs Punkte, um noch weiter eine Rolle spielen zu können. Darauf bereiten wir uns vor. Wir würden natürlich gerne die beiden Partien gewinnen, um gegen Hamm dann eine gute Ausgangsposition zu haben. Vielleicht haben die bis dahin den einen oder anderen Punkt abgegeben und wir können ein bisschen dichter ran rutschen. Aber das sind alles Eventualitäten...

Mit Agit Aydin gab es zuletzt einen Spielern, der bei „bolzjungs.de“ erklärte, mit dieser Mannschaft müsse man aufsteigen. Wie geht man damit als Trainer um?

Schneppel: Agit hat von mir erstmal einen lockeren Spruch bekommen nach dieser Aussage. So nach dem Motto: Da ist wohl die Euphorie nach den geschossenen Toren (Aydin traf bislang 13 Mal, Anm. d. Red.) etwas mit ihm durchgegangen. Ich weiß nicht, ob seine Aussage so die richtige war – aber letztlich ist ihm auch keiner böse. Wir wollen ja alle selbstbewusste Spieler und solche mit Ecken und Kanten haben, Agit ist so einer. Er hat manchmal seinen eigenen Kopf, zahlt das aber mit überragenden Leistungen wieder zurück. Solche Leute muss man einfach auch mal von der Leine lassen ohne solche Aussagen auf die Goldwaage zu legen. Ich würde mich nicht so äußern, als Trainer musst du aber auch ein bisschen routinierter mit der Geschichte umgehen.

Aber muss man mit so einem starken Kader, wie ihn der VfL hat, nicht tatsächlich aufsteigen?

Schneppel: Natürlich hat Agit nicht so ganz Unrecht, wenn er sagt, dass wir eine gute Mannschaft haben. Die Rahmenbedingungen, dass einem der Aufstieg gelingen könnte, sind schon da. Aber sicherlich haben Hamm und Bramfeld ähnlich gute Kader zur Verfügung. Von daher müssen wir das alles ein bisschen relativieren.

In der Winterpause hat der VfL mit Danijel Suntic einen Spieler in die Landesliga gelotst, der sicher auch weiter in der Oberliga hätte spielen können. Ist das nochmal eine Kampfansage an die beiden Teams über euch?

Über Manager Mato Mitrovic (re.) sagt Schneppel, er erfülle seine Posten mit einer unaufgeregten und sympathischen Art. Foto: Bode

Schneppel: Am Anfang hab' ich mich mit der Personalie gar nicht so richtig beschäftigt, weil wir da eine Arbeitsteilung hatten und sich Elvis Nikolic und Mato Mitrovic um den Transfer gekümmert haben. Ich war zwar immer informiert, aber federführend waren die beiden. Suntic kenne ich noch aus der Zeit, als er bei Hamm United gespielt hat. Bei Dassendorf habe ich ihn nicht so verfolgt, weil das eben Oberliga war und wir uns eher auf die Landesliga konzentrieren. Im ersten Training hast du aber direkt wieder gesehen, was für ein guter Fußballer das ist. Da wird einem klar, warum er bei seinen Clubs so hoch gehandelt war und sicher mehr Optionen gehabt hat als nur Lohbrügge.   

Wie plant ihr mit ihm?

Schneppel: Gerade nach dem temporären Abgang von Jonas Holz, der für ein halbes Jahr nach Amerika geht, mussten wir eine Lücke schließen. Das wird Danijel tun, das kann man jetzt schon sagen, obwohl Holz eine bislang überragende Saison gespielt hat. So gesehen war der Transfer dringend nötig. Wir brauchen im zentralen Mittelfeld eine Balance zwischen Absicherung auf der einen sowie Spielfreude und Kreativität in der Offensive auf der anderen Seite. Suntic verkörpert beides. Er kann arbeiten, ist in sehr guter körperlicher Verfassung. Das ist wie gesucht und gefunden und passt optimal. Es war ein sehr gewinnbringender Transfer, den uns Mato da noch serviert hat. Zudem haben wir mit Marcel Walter ja noch einen gefühlten Neuzugang, weil er bislang nicht spielberechtigt war. Beide werden uns weiterhelfen.

Du hast mit Elvis Nikolic und Mato Mitrovic deine beiden Mitstreiter schon erwähnt. Was zeichnet euch als Trio aus?

Schneppel: Bei dieser Aufzählung darf man auch unseren Co-Trainer Marco Schultz nicht vergessen. Dadurch können wir im Training auch mal in kleinen Gruppen arbeiten. Am Dienstag hat Marco mit einem Teil der Mannschaft das Testspiel gegen den MSV Hamburg absolviert, während Elvis und ich mit den anderen Spielern trainiert haben. Da kann man sich auch mal auf Details und gewisse Bereiche spezialisieren und ganz genau hinschauen. Es ergänzt sich super. Mato füllt den Managerposten mit einer sehr unaufgeregten und sehr sympathischen Art aus. Momentan passt es sehr gut.

Mit Boris Lastro fällt einer eurer Keeper verletzungsbedingt lange aus. Siehst du euch auf der Position trotzdem gut genug besetzt?

Elvis Nikolic (li., her mit Co-Trainer Marco Schultz) ist gleichberechtigter Coach an Schneppels Seite. Foto: Bode

Schneppel: Wir haben uns im Sommer bewusst für drei Keeper entschieden. Die drei sollten sich gegenseitig zu mehr Leistungsvermögen anstacheln. Das hat super funktioniert. Leider haben wir die Situation jetzt nicht mehr so. Kurzfristig wollten wir noch einen neuen Torwart holen, aber das hat nicht geklappt, so dass wir jetzt mit zwei Torhütern in die Restsaison gehen. Alen Brandic hat die meisten Spiele gemacht und überzeugt. Said Sigarieazar hat auch seine Partien gehab, war gut und präsentiert sich auch jetzt im Training so. Beide gehen das professionell an, wir müssen uns da keine größeren Sorgen machen. Dass Boris ausfällt, ist irre schade. Er ist ein Teamplayer wie er im Buche steht. Er hat seine Konkurrenten immer angefeuert und motiviert und strahlt eine positive Art aus.

Lass uns abschließend aufs Saisonende im Mai 2019 vorpulen: Welches Fazit der Spielzeit aus VfL-Sicht willst du dann ziehen?

Schneppel: Mindestens das gleiche Fazit, das wir im Dezember 2018 gezogen haben. Das bedeutet, dass wir unsere Ziele erreicht haben. Eines davon war, die Defensive zu verbessern und die Mannschaft wieder fit bekommen. Wenn ich das in Schulnoten sagen müsste, würde ich sagen: Wir können uns eine gute Zwei geben. Wir wollen uns auf keinen Fall verschlechtern. Um die Note eins zu bekommen, wäre es das Ziel, dass wir uns noch mal in der Tabelle verbessern. Das wäre optimal.

Interview: Jan Knötzsch 

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