24.11.2018

„In einen Rausch gespielt“: Norderstedts „VfL-Vorfürhung“ mit 24 Chancen und drei Treffern

Heyne-Elf lässt gegen Oldenburg jede Menge Möglichkeiten liegen, siegt aber souverän

Torschützen unter sich: Norderstedts Jan Lüneburg (vo.) im Duell mit dem Oldenburger Efkan Erdogan. Foto: KBS-Picture.de

Jan Lüneburg wechselte erst einmal ein paar Worte mit den Fans. Der Stürmer von Eintracht Norderstedt stand nach dem Abpfiff des Spiels gegen den VfL Oldenburg (Hier gibt’s die Partie zum Nachlesen im Live-Ticker) auf der Seite der Haupttribüne an der Werbebande und betrieb Smalltalk. Dann, als „Lüne“ fertig war, gab es weiteren Redebedarf. Diesmal im Gespräch mit der Presse. Denn auch, wenn die Eintracht vor 215 Zuschauern einen klaren, am Ende souveränen und „hochverdienten Sieg“ (O-Ton VfL-Coach Dario Fossi) einfuhr, gab es ein paar Dinge, über die noch zu reden war...

Da war zum einen die Sache mit dem 1:0. War der Treffer nach 33 Minuten nun ein Eigentor von Oldenburgs Julius Rahmig oder doch Lüneburgs Treffer? „Lethargischer oder mit mehr Dusel geht’s gar nicht. Felix Drinkuth schießt den Ball aus sechs Metern und trifft ihn überhaupt nicht. Ich weiß nicht, ob der Ball rein gegangen wäre. Ich berühre ihn mit dem Fuß und verändere dadurch die Richtung. Der Ball geht dem Gegenspieler durch die Beine und ist im Tor“, schilderte Lüneburg die erste entscheidende Szene, an der er beteiligt war und grinste dann: „Aus Stürmer-Sicht würde ich sagen: Ja, das ist mein Tor!“

Lüneburg: „Beim 1:1 stelle ich mich extrem dämlich an“

Hürde genommen: Jordan Brown (li.) überspringt den grätschenden Oldenburger Nils Frenzel. Foto: KBS-Picture.de

Dass er es nicht nur als Vollstrecker sondern auch als Vorbereiter kann, bewies Lüneburg dann beim zweiten Norderstedter Treffer, den er nach 52 Minuten für Drinkuth auflegte. Allerdings: Da stand es bereits 1:1 – und auch am Gegentor hatte „Lüne“ seinen Anteil: Er war es, der das Foulspiel beging, das Efkan Erdogan ermöglichte, per Freistoß nach 37 Minuten zu treffen. „Da stelle ich mich extrem dämlich an“, gab Norderstedts Nummer neun zu, hob aber die positiven Aspekte heraus: „Außer dem Tor und einem Pfostentreffer haben wir nichts zugelassen. Das war ein absolut verdienter Sieg. Wir haben ein gutes Spiel gemacht – auch in der Offensive.“ Dass der Angreifer ausgerechnet das betonte, hatte seinen Grund: Wenn es eines gab, das die Hausherren an diesem Nachmittag nicht zufriedenstellen konnte, dann war der Umgang mit den eigenen Möglichkeiten.

Über die 90 Minuten betrachtet spielte sich Norderstedt „in einen Rausch“, wie Gästetrainer Fossi es umschrieb: Am Ende der Begegnung standen 24 hochkarätige Torchancen für die Gastgeber auf dem Zettel und nur derer fünf für den VfL. „Wir hatten viel Pech, wenn ich an meinen Lattenkopfball denke oder an den Schuss von Felix (Drinkuth, Anm. d. Red.), der auf der Linie geklärt wird. Aber klar: Wir müssen mehr Tore schießen und dürfen eigentlich auch keins bekommen. Aber das ist meckern auf hohem Niveau“, bilanzierte Lüneburg, während sein Trainer Minuten später ins gleiche Horn stieß: „Die Chancenauswertung war etwas, was mir nicht gefallen hat. Auch, dass wir nach dem 3:1 drei Situationen haben, wo wir den Gegner zu kontern einladen, hat mir nicht gefallen. Das passiert uns öfter. Heute wurde es nicht bestraft. Wenn wir im Rausch sind, müssen wir trotzdem kühlen Kopf behalten, dass da nichts passiert“, resümierte Dirk Heyne.

Fossi: „Wir hätten uns nicht beklagen können, wenn wir noch höher verlieren“

Norderstedts Juri Marxen (Mitte) bot gegen das Tabellen-Schlusslicht ein starkes Spiel. Foto: KBS-Picture.de

Ansonsten fand der „EN“-Übungsleiter positive Worte. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Sieg, den wir gebraucht haben und wollten. Die Mannschaft hat durchgängig Gas gegeben, den Gegner von Anfang an unter Druck gesetzt und hohes Tempo gehabt.“ Selbst Tayfun Can, der gleich mehrere „Hundertprozentige“ auf dem Fuß hatte, bekam von Heyne nicht etwa sein Fett weg, sondern erntete ein Lob: „Er hat ebenso wie Johann von Knebel, der jeden Ball nach vorne mitnimmt und keine Zeit verliert, ein gutes Spiel gemacht,. Tayfun weiß selbst, dass er ein Tor machen muss. Man hat kurz vor der Auswechselung gemerkt, dass er unsicher war, als er abbricht, nachdem Felix Drinkuth ihn freigespielt hat. Ich möchte von ihm sehen, dass er den direkten Weg zum Tor nimmt. Was ich von ihm erwarte ist, dass er torgefährlich ist. Jetzt ist er torgefährlich, da werde ich ihm nun nichts vorwerfen.“

Vorwürfe waren da schon eher etwas für Dario Fossi. „Ich denke, wir können uns nicht beklagen, wenn wir noch höher verlieren. Wir sind überhaupt nicht ins Spiel gekommen, sowas darf uns nicht passieren. Es sind einfach zu viele Fehler gewesen. Irgendwann sind wir nur noch hinterhergelaufen und haben Glück, dass wir nicht nich mehr Tore kassieren. Wir haben in 90 Minuten eine Phase von fünf Minuten, wo wir ordentlich mitgehalten haben und können froh sein, dass es am Ende nur 1:3 ausgegangen ist“, analysierte der Oldenburger Trainer. Jan Lüneburg war da bereits längst vom Rasen Richtung Kabine verschwunden. Denn auf ihn und seine Teamkollegen wartete nach den Wegen auf dem Platz noch ein weiterer: „Wir haben heute einen Mannschaftsabend. Die Neuen haben den organisiert und geben ihren Einstand. Mal gucken, was sie sich ausgedacht haben“, verriet der Torjäger, „ich weiß selbst nicht, wo es hingeht...“

Jan Knötzsch 

Die Pressekonferenz nach dem Spiel im Video:

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