13.03.2018

In der Nachspielzeit: St. Pauli VI dreht umkämpftes Aufsteigerduell!

Mit der Sonne im Rücken

Foto: Mathias Merk

Eigentlich sollte es gleich im ersten Spiel für St. Paulis „Sechste“ nach der langen aber durchaus fleißig genutzten Winterpause genauso erfolgreich weitergehen wie man vor über vier Monaten abgeschlossen hatte (zwei Siege vor Weihnachten verschafften den Kiezkickern vorerst ein wenig Luft im Abstiegskampf), doch die Vorstellung in der ersten Halbzeit im Sechs-Punkte-Duell bei ETV III taugte nur wenig als Mutmacher.

Vorne ohne die letzte Dynamik und hinten in den entscheidenden Szenen nicht mit dem nötigen Zugriff, geriet man nach 36 Minuten bereits mit 0:2 ins Hintertreffen. Erst köpfte Gudmundur Jonsson die Roten ganz allein im Strafraum nach einer 8-Ecke in Führung (20.), ehe der FC gleich zweimal in tödliche Konter lief. Wo Schlussmann „Toni“ Seibt gegen den überragend vom umtriebigen Junior Garcia Anccas in Szene gesetzten Frederic Crasemann noch zur rettenden Instanz wurde, gab es im zweiten Anlauf gegen David Haßler überlegten Abschluss nichts zu halten (36.).


Nichts deutete zu diesem Zeitpunkt darauf hin, dass die wachen und gut organisierten Eimsbütteler die Punkte am Ende noch gänzlich aus der Hand geben sollten, bis die Gäste kurz vor der Pause einmal vorne leidenschaftlich nachsetzten und Habibullah Sediqi zum flachen Anschlusstreffer in die lange Ecke traf.
Daran änderten auch die Proteste der Gastgeber gegen die intensive Zweikampfserie bei der Entstehung nichts.
Jetzt waren auch die Feldstraßenkicker endlich aktiver Teil dieses selbstdeklarierten Derbys, das sie halbzeitübergreifend sogar binnen sechs Zeigerumdrehungen wieder auf null setzten, segelte ein Freistoß als Hereingabe herrenlos durch den Strafraum, wo nicht nur Kai Simons im Ringkampf zu Boden ging, sondern mit Bastian Fein auch ein torgefährlicher Außenverteidiger zur Stelle war – 2:2!

Die Folge: Abstiegskampf wie er im Buche steht. Viele Zweikämpfe, wenig Spielfluss und ein Schiedsrichter, der es, egal was er (nicht) pfiff, niemandem recht machen konnte.
Eine passende Szene dazu lieferten die Beteiligten, als der Unparteiische gerade Oliver Wolffs „Comeback-Ticket“ (der von einem Bänderriss Wiedergenesene holte sich prompt eine berechtigte Gelbe für ein unsanftes Foul ab) notierte und der ETV den fälligen Freistoß bereits ohne Freigabe ausführte und die Kugel rasch wieder verlor. Der entstandene kritische Strafraumzweikampf sorgte wiederum für strafstoßfordernde St. Paulianer. Da blutet dem Regelfuchs das Herz…

Sportlich brachte Wolff seine Farben mit einem knapp verzogenen Distanzschuss auf Tuchfühlung mit den drei Punkten, die auf der anderen Seite auch für Rot in greifbare Nähe rückten. Nur machte der aufgerückte Carlo Schulz allerdings Bekanntschaft mit Pfosten (84.) und Torwart (86.).
Das niemandem helfende Remis schien also das verdiente Schicksal der Kontrahenten zu sein, doch die tief stehende März-Sonne hatte in der Nachspielzeit einen anderen Plan parat.
Geradezu hinterlistig nahm sie dem zu weit vor seinem Tor stehenden Denis Honisch die Sicht, wodurch Tim Rosenthal, übrigens ein Mann mit Bundesstraßenvergangenheit, mit seinem ewig langen Freistoß, dem letzten Ballkontakt der Partie, aus über 40 Metern zum gefeierten Siegtorschützen wurde.

Ob verdient oder nicht, war unter dem Jubel natürlich nicht mehr das Thema, wohingegen dem ETV der späte Punktverlust im Aufsteigerduell mit dem Blick auf das Tableau mächtig weh tut.

Text: Björn Meyer

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