17.11.2018

In der Nachspielzeit: Atemberaubender Aichaoui-Seitfallzieher stürzt Bramfeld

Buxtehude feiert in turbulentem Sieben-Tore-Spiel den vierten Sieg in Folge

Erzielte mit einem traumhaften Seitfallzieher den Buxtehuder Siegtreffer in der Nachspielzeit: Salim Aichaoui. Archivfoto: noveski.com

Gerade hatte Milos Ljubisavljevic für seinen Bramfelder SV das 3:3 erzielt (87.) und den Tabellenführer der Hansa-Staffel damit scheinbar vor der drohenden Niederlage bewahrt, da wurde es noch einmal richtig turbulent. Zunächst wurde den Bramfeldern in der Schlussminute ein „ganz klarer, 100-prozentiger, unstrittiger Elfmeter“, wie Mirko Schulz, der zusammen mit Carsten Henning ein Trainerteam bei den Mannen von der Ellernreihe bildet, verwehrt. „Wieso, weshalb, warum es den nicht gab, kann sich keiner erklären – ich glaube, nicht mal die Buxtehuder“, so Schulz, dessen Team wenige Augenblicke später nach einem „eigenen Standard“ gnadenlos ausgekontert wurde – und wie!

„Ein unglaubliches Tor!“, kam Ahmed Mhamdi auch einige Zeit nach dem Schlusspfiff noch immer nicht aus dem Schwärmen raus. „Unfassbar, so etwas in der 90. Minute zu machen“, fügte der Verteidiger des Buxtehuder SV an – und meinte damit den umjubelten Siegtreffer des Außenseiters in der Nachspielzeit durch Salim Aichaoui, der das Spielgerät auf artistische Art und Weise per Seitfallzieher ins Gehäuse der verdutzten Bramfelder jagte (90. +2)! „Ein toller Treffer, das muss man auch mal neidlos anerkennen“, befand selbst Schulz. Doch zurück zu Ahmed Mhamdi: Der 27-Jährige war es, der kurz zuvor gegen Juro Julardzija, der im ersten Durchgang binnen weniger Momente einen 0:1-Rückstand in eine 2:1-Führung verwandelte (36., 37.), sehr rustikal zu Werke ging. Während die Gäste einen Strafstoß forderten, gestand auch Mhamdi: „Ja, der Kontakt war auf jeden Fall da.“ Und weiter: „Es war schwer für den Schiri, das zu sehen. Der eine gibt den, der andere nicht.“ Allerdings „hätte ich in der ersten Halbzeit auch einen klaren Elfmeter bekommen müssen“, befand er. Die Pfeife von Thore Holst blieb jedenfalls stumm – und so feierte die Tan-Truppe schlussendlich einen 4:3-Erfolg gegen den nun entthronten Spitzenreiter.

„Uns war egal, wer kommt - wir wollten unbedingt gewinnen“

Juro Julardzija drehte das Spiel zugunsten der Bramfelder und hätte in der Schlussphase noch einen Elfmeter bekommen können. Archivfoto: Bode

Trotz der äußerst umstrittenen Situation gab sich Bramfeld hinterher als fairer Verlierer. Schulz: „Die haben ein tolles Spiel gemacht, viele junge und hungrige Jungs. Kompliment auch in die Richtung. Wir sind keine Maschinen und müssen es auch mal sportlich nehmen. Letzte Woche haben wir mit zehn Mann gnadenlos zugeschlagen – und auch heute waren wir kurz davor, das Ding zu drehen. Nun müssen wir das auch mal akzeptieren und Buxtehude zu deren toller Phase gratulieren.“ Eine Phase, die den „Estestädtern“ jede Menge Selbstvertrauen gab. „Wir haben die letzen drei Spiele gewonnen und wollten einfach da weitermachen, wo wir letze Woche aufgehört haben. Uns war egal, wer kommt – wir wollten unbedingt gewinnen“, gab Mhamdi die Marschroute vor – und wusste anschließend zu bilanzieren: „Wir haben als Team alles gegeben und uns dafür belohnt.“

„Das lässt zu wünschen übrig - da werden wir auch den Finger in die Wunde legen“

Dabei sind die Gäste im Jahnstadion „gut in die Partie gekommen und haben eine vernünftige erste Viertelstunde gespielt. Doch dann kassieren wir durch eine Verkettung von Fehlern aus dem Nichts das 0:1“, analysierte Schulz den frühen Rückstand durch Elias Saad (12.), woran man „erstmal zu knabbern hatte. Danach hatten wir einen kurzen Knacks“, den Julardzija mit seinem Doppelschlag zum Leidwesen der Hausherren beendete. „Wir hatten noch gute Chancen und haben es verpasst, das 2:0 zu machen. Eine typische erste Halbzeit für uns“, so Mhamdi. Während Bramfeld, nach Meinung von Schulz, noch vor der Pause „das Dritte hätte machen können“. Doch das war nicht der Fall. Und so kam man „wieder schläfrig aus der Pause, was uns in den letzten Wochen häufiger passiert ist“, ärgerte sich Schulz. Die Folge: Ein herrlicher Freistoß von Kepper Sousa da Silva, an dem Sascha Kleinschmidt noch dran war, den Ball aber nicht mehr über die Latte lenken konnte, sorgte für das 2:2 (52.), ehe Jeremy Faruke das Geschehen gänzlich auf den Kopf stellte (59.). Bramfeld rannte nun an, stellte hinten zunächst auf Dreierkette um – und kam unmittelbar vor Ultimo durch Ljubisavljevic zum Ausgleich. Doch dann kam Salim Aichaoui!

„Wir haben eigentlich das gespielt, was wir spielen wollten und sind auch gut zwischen die Linien gekommen. Aber die Rückwärtsbewegung lässt zurzeit definitiv zu wünschen übrig. Da werden wir den Finger auch in die Wunde legen“, lautete Schulz‘ Fazit. Unterdessen schwärmte Ahmed Mhamdi noch immer vom atemberaubenden Aichaoui…


Dennis Kormanjos/Jan Knötzsch 

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