Oberliga

Im Sommer ist Schluss in "Dasse" - aber "Schiedi" schenkt weiter ein!

29. Februar 2020, 17:54 Uhr

Das Tor zum 2:0 durch Maximilian Dittrich widmete die Mannschaft der TuS Dassendorf dem schwer verletzten Rinik Carolus. Foto: KBS-Picture.de

Jahrelang war er im Profi-Geschäft zu Hause und kickte auf dem allerhöchsten Niveau: Mittlerweile ist Marcel von Walsleben-Schied im Herbst seiner Karriere angekommen – aber noch immer ein ganz entscheidender Faktor. Seit 2016 ist der Wendelweg seine sportliche Heimat. Doch im Sommer ist Schluss für „Schied“ bei „Dasse“. In der Stadionzeitung vor dem Spiel gegen den TuS Osdorf (alle Highlights im LIVE-Ticker) verkündete Sportchef Jan Schönteich: „Torjäger 'Schied', Matchwinner beim HSV vor acht Tagen, wird seine Buffer an den berühmten Nagel hängen, jedenfalls was unsere TuS betrifft.“ Wie wichtig der mittlerweile 36-Jährige aber noch immer für den Oberliga-Primus ist, stellte er am Samstagmittag einmal mehr unter Beweis – und diesmal durfte der ehemalige „Goalgetter“ von Hansa Rostock auch mal wieder von Beginn an ran...

Marcel von Walsleben-Schied (li.) zeigte, dass er auch in der Startelf noch gut aufgehoben ist. Foto: KBS-Picture.de

„Letzte Woche habe ich ein deutliches Zeichen gegeben. Ich glaube und hoffe, auch heute ein Zeichen gesetzt zu haben“, drängt Marcel von Walsleben-Schied auch mit 36 Lenzen noch immer auf einen Platz in der Startelf. „Ich werde ich in meinem Alter keinen Stunk mehr machen. Aber natürlich möchte ich von Beginn an spielen – das will jeder in dieser Mannschaft“, machte der Ex-Profi im Anschluss an den 3:0-Sieg, den er mit dem wichtigen Führungstreffer einleitete, keinen Hehl daraus, dass der Ehrgeiz noch immer vorhanden ist. „Aber der Trainer entscheidet nun mal. Er will das Bestmögliche aus der Mannschaft rausholen. Und wenn er meint, er muss mich von der Bank bringen oder für ihn ist es in der Konstellation besser, dann muss ich das halt akzeptieren. Ich habe das in all den Jahren immer mal wieder erlebt, dass man manche Entscheidungen nicht verstehen kann, aber trotzdem so getroffen werden. Ich nehme es an, komme von der Bank – und versuche dann, mein Bestmögliches zu geben. So wie ich es früher auch gemacht habe. Aber natürlich bin ich Fußballer und möchte am liebsten von Beginn an auf dem Platz stehen.“

Mannschaft widmet schwer verletztem Carolus das 2:0

Kristof Kurczynski (li.) ersetzte "Schiedi" und köpfte das 3:0. Foto: KBS-Picture.de

Das tat „Schiedi“ am Samstagmittag gegen den TuS Osdorf auch. Trainer Jean-Pierre Richter setzte auf ihn und Mattia Maggio, der allerdings einen rabenschwarzen Tag erwischte. Ganz im Gegensatz zu von Walsleben-Schied, der in der 36. Spielminute einen Sahne-Angriff über Sven Möller und Len Aike Strömer, der von „Mölli“ per Außenrist-Pass in Szene gesetzt wurde, in absoluter Torjäger-Manier veredelte. Nach 64 Zeigerumdrehungen waren die Kraftreserven beim in dieser Saison zumeist als Joker eingesetzten von Walsleben-Schied jedoch aufgebraucht – und so machte er gegen einen an Harmlosigkeit kaum zu überbietenden Gegner - Bennet Krause fand im Kreis nach der Partie auch deutliche Worte und appellierte an das Wir-Gefühl -, der in 90 Minuten nicht einen Schuss auf das Tor von Christian Gruhne abgab, für Kristof Kurczynski Platz. Nachdem Maximilian Dittrich wenige Augenblicke später einen Möller-Pass im langen Toreck unterbrachte und den Treffer mit der versammelten Mannschaft vor der Dassendorfer Bank mit einem Trikot des schwer verletzten Rinik Carolus, der sich in der Vorwoche beim 3:1-Erfolg beim HSV III einen Kreuzband- und Innenbandriss zuzog und lange ausfallen wird, posierend zelebrierte (72.), durfte „Kuczy“ nach einem weiteren Traum-Vortrag den Schlusspunkt setzen: Strömers sensationelles Zuspiel brachte Dittrich scharf ins Zentrum, wo Kurczynski schulbuchmäßig per Kopf vollstreckte, auf 3:0 stellte und den Patzer des großen Konkurrenten Teutonia 05 am Freitagabend beim SC Victoria (0:1) mit seiner TuS zu nutzen wusste (90. +1).

"Wenn ich irgendwann merke, dass ich der Mannschaft nicht mehr helfe, würde ich aufhören"

Joe Warmbier (li.) zeigte auch im zweiten Einsatz nach ewig langer Verletzungspause eine starke Leistung. Foto: KBS-Picture.de

Doch zurück zu Marcel von Walsleben-Schied: „Ich glaube, man braucht sich nur die Rahmenbedingungen anzugucken. Es war sowohl für uns als auch für Osdorf nicht so einfach, auf dem Platz zu spielen. Wir haben das Beste daraus gemacht. Und wenn du ungefährdet 3:0 gewinnst, was soll man dann großartig sagen?! Im Endeffekt war es okay“, zeigte er sich zufrieden – und fügte an: „Sicherlich kann man sich immer anstellen und sagen, dass man die Passquote verbessern muss oder dies und das – aber man muss sich nur mal den Platz angucken. Deshalb denke ich, dass wir in der Abwehr gut standen und mit dem 3:0 ganz gut leben können.“ Was seine Einsatzzeiten betrifft, „müssen andere die Entscheidungen treffen“, so der einstige U21-Nationalspieler. Es ist immer mein Credo gewesen: Wenn ich irgendwann für mich merke, dass ich der Mannschaft nicht mehr helfe, dann würde ich aufhören. Aber so lange es noch so ist wie letzte Woche – das waren keine so verkehrten und auch nicht ganz so unwichtige Tore – oder auch heute, sehe ich den Zeitpunkt noch nicht.“ Auch die Statistik spricht für ihn: In 679 Einsatzminuten erzielte er bereits neun Saisontreffer. Bedeutet: „Schiedi“ knipst im Schnitt alle 78 Minuten einmal ins Schwarze. „Wenn ich auf dem Platz stehe, gebe ich immer mein Bestes. Alles andere entscheiden andere Personen.“

Die PK mit beiden Trainern im Video

Autor: Dennis Kormanjos

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