18.04.2019

„Im letzten Spiel, wo wir zusammen auf die Wiese gehen, ein Finale - schöner geht nicht!“

RSC II wehrt sich tapfer - Gibt’s nun „einen lachenden und einen weinenden Jobmann“?

Ilyas Afsin (mi.) half als Liga-Leihgabe aus, glänzte mit einem Tor und zwei Vorlagen und hatte maßgeblichen Anteil am Finaleinzug der Niendorf-U23. Foto: Olaf Both

„Schöner kann man die Geschichte nicht schreiben“, fehlt Jan Ramelow und der U23 des Niendorfer TSV eigentlich nur noch das Happyend, um die Bilderbuchstory schlussendlich auch zu krönen – und das gleich in doppelter Hinsicht. Denn nach dem souveränen 4:0-Erfolg beim Rahlstedter SC II steht der Hammonia-Landesligist im HOLSTEN-Pokal-Endspiel – und wird es dort auf jeden Fall mit einem weiteren Kreisligisten zu tun bekommen. Am Karfreitag fechten der TuS Osdorf II und Concordia II (ab 15 Uhr bei uns im LIVE-Ticker) den Kontrahenten aus. Vor allem über eine Paarung wurde beim NTSV – aus gutem Grund – bereits eifrig gescherzt, wie Co-Trainer Ramelow, der zur kommenden Saison die Geschicke vom scheidenden Matthias Jobmann übernehmen wird, verriet.

Lennart Merkle (li.) brachte den Hammonia-Landesligisten in Front. Foto: Olaf Both

Womit wir wieder bei der eingangs bereits erwähnten „Bilderbuchstory“ wären. „Es wäre natürlich toll, wenn die Jobmann-Brüder zum Ende ihrer jeweiligen Tätigkeit im Finale noch einmal gegeneinander spielen“, so Ramelow, der den berufsbedingt verhinderten Matthias Jobmann vertrat, nach dem Finaleinzug. Was er damit meinte? Olaf Jobmann coacht zurzeit noch die Zweite des TuS Osdorf, hat am Freitag die Chance, seinem Bruder ins Finale zu folgen – und wird dann zusammen mit Matthias in der kommenden Saison das Trainer-Gespann beim Wedeler TSV bilden. Sollte es tatsächlich zum Bruder-Duell kommen, „würde es wahrscheinlich einen lachenden und einen weinenden Jobmann geben“, mutmaßte Ramelow. Wenngleich er auch betonte: „Am Ende ist es uns ganz egal, wer der Gegner sein wird. Wir gucken auf uns. Die Jungs haben es sich absolut verdient, dieses Finale zu spielen und am Ende auch zu gewinnen. Dafür werden wir alles tun. Und wer es dann am Ende wird, das ist mir völlig egal.“

„Die Jungs haben sich den Respekt verdient“

RSC-Keeper Patrick Krysiak (re.) verhinderte mit etlichen Paraden - hier gegen Afsins (mi.) Schlenzer - eine höhere Pleite. Foto: Olaf Both

Dass der Hammonia-Vierte am Donnerstagabend seine Hausaufgaben beim Tabellensechsten der Kreisliga 6 souverän erledigte (alle Highlights im LIVE-Ticker), lag vor allem daran, dass man „von Anfang an sehr dominant aufgetreten ist, sehr klar im Kopf war, nichts zugelassen und Rahlstedt über 90 Minuten eigentlich nichts gegeben hat, woran sie sich hätten festhalten können, dass sie dieses Halbfinale gewinnen. Da haben sich die Jungs den Respekt ganz einfach verdient, weil es keine leichte Aufgabe war. Das muss man erstmal so lösen – und das haben sie mit Bravour getan“, bilanzierte Ramelow, der mit Tevin Tafese, Ilyas Afsin und Lennart Merkle auf drei Liga-Leihgaben setzen konnte. Letztgenannter war es auch, der die „Sachsenwegler“ nach einer Viertelstunde in Führung brachte, als er ein Zuspiel von Maximilian Danzer im Eckigen unterbrachte. Bis zu jenem Zeitpunkt ging es auf dem Platz an der Scharbeutzer Straße – vor einer tollen und würdigen Kulisse – noch recht ausgeglichen zu. „Wir haben gut begonnen, hatten zwei Torchancen und mit ein bisschen Glück gehen wir vielleicht sogar in Führung“, befand RSC II-Co-Trainer Oliver Brandt – und sprach damit vor allem auf die Kopfballchance von Almir Mesanovic (5.) an.

„Für die Jungs ist es natürlich das Größte, was sie bisher erreicht haben“

Kapitän Moritz Niemann (mi.) trug sich doppelt in die Torschützenliste ein. Foto: Olaf Both

Mit fortlaufender Spielzeit wurde der Gast seiner Favoritenrolle aber gerecht, war „sehr klar und stabil“, wie Ramelow konstatierte, und hatte ein spielfreudiges Duo: Während Kapitän Moritz Niemann doppelt traf – erst nach einem Rahlstedter Eckball im direkten Gegenzug (31.), dann per Kopf (62.) –, sorgte Ilyas Afsin nicht nur für das zwischenzeitliche 3:0, als er von Lucas Molder bedient wurde und aus spitzem Winkel mit links ganz cool einschoss (61.), sondern sprühte insgesamt vor Spielfreude und bereitete die beiden Niemann-Tore mustergültig vor. Trotz des Ausscheidens war man bei den Rahlstedtern aber stolz auf das Erreichte: „Man kann den Jungs überhaupt nichts vorwerfen. Wir haben alles gegeben. Natürlich hat man den Klassenunterschied gesehen. Aber die Jungs haben alles reingeworfen und am Ende des Tages müssen wir uns einfach eingestehen, dass es nicht gereicht hat“, so Brandt, der anfügte: „Für die Jungs ist es natürlich das Größte, was sie bisher erreicht haben und für viele auch das einzige Mal, dass man so weit kommt. Denn im Pokal hat man nicht oft die Chance.“ Man habe alles für einen würdigen Rahmen getan, „die Leute in Rahlstedt mobilisiert, auch mit kleinen Einlaufkindern“, erklärte Brandt. Rund 250 Besucher wollten sich das nicht entgehen lassen. „Also wir haben von unserer Seite alles gegeben und wenn‘s nicht gereicht hat, dann hat‘s halt nicht gereicht“, so Brandts nüchternes Fazit.

„Ein ganz besonderes Finale“

Währenddessen war der Jubel auf der anderen Seite riesengroß – und das auch, „weil im Sommer viel passieren wird und es deshalb ein ganz besonderes Finale für uns ist“, wie Ramelow meinte, ehe er präzisierte: „Die Gruppe wird sich verändern.“ Einige Leistungsträger wie Niemann und Blumauer (beide Paloma) oder auch Krüger und Danzer (beide HSV III) verlassen den Verein. Gleiches gilt für Cheftrainer Matthias Jobmann. „Jetzt haben wir die Situation, dass wir im letzten Spiel, wo wir nochmal zusammen auf die Wiese gehen, ein solches Finale vor der Brust haben. Schöner kann man es am Ende nicht schreiben.“ 

Autor: Dennis Kormanjos

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