16.05.2018

„Ihr habt gezeigt, mit welcher Qualität ihr gesegnet seid!“

Teutonia 05 tankt Selbstvertrauen für die Aufstiegsrunde - Vicky „stolz“ auf die Saison

Bejubelt seinen Führungstreffer: Michael Meyer mit dem ganz besonderen Gruß. Foto: Heiden

Um 16:32 Uhr verschickte der Norddeutsche Fußball-Verband eine Pressemitteilung unter der Überschrift „Drei weitere Vereine erhalten Grünes Licht im Zulassungsverfahren“. Bei einem dieser drei Vereine handelt es sich um den FC Teutonia 05. Der einzige Hamburger Vertreter, der für die Regionalliga meldete, erledigte die ihm auferlegten Hausaufgaben und besserte nach – nachdem in der ersten Runde noch keine direkte Zulassung erteilt wurde. Wenige Stunden später gastierten die „Kreuzkirchler“ beim SC Victoria Hamburg, der vor dem Spiel bereits als Vize-Meister feststand.

André Monteiro Branco (li.) arbeitet mit beiden Armen gegen Jeton Arifi. Foto: Heiden

„Ihr habt heute gezeigt, mit welcher Qualität ihr gesegnet seid“, hatte Vicky-Coach Jean-Pierre Richter überaus lobende Worte für seinen Gegenüber, Sören Titze, übrig. „Wir für uns haben zweimal in der Saison gegen euch verloren. Das zeigt auch, welche Qualität ihr habt. Wir wünschen euch viel Glück für die Aufstiegsrunde“, war das beherrschende Thema auch nach den 90 Minuten noch allgegenwärtig. Aber auch Titze richtete anerkennende Worte in Richtung Vicky und bedankte sich bei Richter für die unproblematische Spielverlegung, die notwendig wurde, „da wir nächste Woche die Möglichkeit haben, in die Aufstiegsrunde einzusteigen und Hamburg hoffentlich vernünftig vertreten werden.“ Umso wichtiger war es für Titze und seine Mannen, vor den drei „Schlagerspielen“, die über eine Teilnahme an der Regionalliga Nord entscheiden, noch einmal ein Erfolgserlebnis einzufahren. „Es ist immer gut fürs Selbstvertrauen, gegen einen so guten Gegner mit einem Sieg die reguläre Saison zu beenden“, befand auch der FCT-Übungsleiter anschließend.

Meyer schweißt ein, Erman nutzt Fauxpas

Die beiden Kreuzband-Verletzten: Veli Sulejmani (li.) und Felix Dieterich. Foto: Heiden

Seine Schützlinge taten sich vor 237 Zuschauern an der Hoheluft aber lange Zeit schwer und konnten „zur Halbzeit von Glück sagen, nicht hinten zu liegen“, wie Titze gestand. Aber Nick Scharkowski, der knapp verzog (9.), sowie Julian Schmid (10.) und Tom Wohlers (38.), die beide an Mirko Oest scheiterten, wussten ihre überaus guten Möglichkeiten nicht zu verwerten. Auch nach Wiederbeginn war die Richter-Equipe zunächst mit den besseren Gelegenheiten gesegnet, bis der eingewechselte Aytac Erman (58.) und der Ex-Victorianer Vincent Boock (65.) die Gäste Führung verpassten, weil sie Dennis Lohmann nicht überwinden konnten. Jener Lohmann, der kurz darauf allerdings das erste Mal geschlagen war. Nachdem sein Team in der Vorwärtsbewegung den Ball verlor, kam das Spielgerät über Isaac Akyere und Stefan Winkel zu Michael Meyer. Dieser machte zentral vor dem Tor noch einige Meter und schweißte die Kugel dann aus 18 Metern im linken unteren Toreck ein (67.)! Der Schuss war zwar ungemein platziert, wirkte aber aufgrund der fehlenden Geschwindigkeit nicht gänzlich unhaltbar. Der Anfang vom Ende für Victoria – denn keine zehn Zeigerumdrehungen darauf führte ein kapitaler Rückpass von Marc Lange, der viel zu kurz geriet, zum zweiten Gegentreffer. Diesmal behielt Erman die Nerven, umkurvte Lohmann und schob locker ein – 0:2 (76.)!

Richter: „Was das Spiel angeht, bin ich absolut nicht zufrieden“

Der Kampf um das Leder: Vicky-Torjäger Nick Scharkowski (li.) vs. T05-Torschütze Michael Meyer. Foto: Heiden

Jedoch sollte bei den Hausherren im letzten Saisonspiel zumindest kurzzeitig nochmal Hoffnung aufkommen, als Julian Schmid von Nick Gutmann im Strafraum gelegt wurde und Nick Scharkowski sein Torekonto aus elf Metern auf 36 in die Höhe schraubte (88.)! „Wir mussten uns nochmal wachrütteln, dass der Glaube auch noch bis zum Ende da ist“, so Richter. „Das war ein bisschen untypisch“, fügte er an – und meinte damit die Äußerungen einiger Spieler, dem nach einem Kreuzbandriss genesenen Furkan Aydin den Strafstoß schießen zu lassen. Und das bei einem knappen Spielstand, der in den Schlussminuten sogar noch hätte kippen können. Deshalb ging Richter auch auf Nummer sicher, ließ Scharkowski schießen und verhalf Aydin kurz darauf zu seinem Kurzzeit-Comeback. „Es ist sehr undankbar, dass wir den Gegner mit eigenen Fehlern stark machen – allerdings hat der sich dann die Führung auch nicht ganz unverdient erspielt“, erkannte Richter. „Es gibt heute nicht viel, was uns zufrieden stimmt“, bilanzierte er und führte aus: „Der eine oder andere Spieler war nicht an der Leistungsgrenze, hat nicht überzeugen können. Viele haben ihre Aufgaben heute nicht umgesetzt. Vielleicht hat da auch die Frische am Ende der Saison gefehlt, sodass ich, was das Spiel angeht, absolut nicht zufrieden bin.“

T05-Heimspiele wohl im Schanzenpark - Vicky „stolz“ auf Saison und Vize-Meisterschaft

Gut gelaunt und mit Selbstvertrauen gehen die „Kreuzkirchler“ in die Aufstiegsspiele. Foto: Heiden

Sören Titze sprach seiner Mannschaft hingegen ein Kompliment aus, dass sie „trotz einiger Spieler, die gerade aus einer Verletzung kommen und noch nicht bei 100 Prozent sind, bis zum Ende gefightet hat“, wie er meinte. Nun richtet sich der Fokus aber auf die drei Aufstiegsspiele. Sollte den Ottensenern der Coup gelingen, wird man in der kommenden Saison die Heimspiele nach unseren Informationen im Sternschanzenpark austragen! Ganz so weit ist man an der Hoheluft noch nicht mit den Planungen. Und dennoch: „Wir haben eine herausragende Saison gespielt“, war der Ärger bei Richter über die abschließende Niederlage schnell verflogen. „Wir haben in den letzten zehn Jahren das zweitbeste Vicky-Ergebnis erzielt, sind Vize-Meister geworden und haben 70 Punkte erspielt, die theoretisch auch schon mal für eine Meisterschaft gelangt haben. Mit ein paar Tagen Abstand muss man sagen, dass es für die meisten Spieler die erste Vize-Meisterschaft in der höchsten Hamburger Spielklasse ist – auch für mich als Trainer. Da kann man stolz drauf sein, auch wenn man sich davon nichts kaufen kann.“

Die PK mit beiden Trainern im Video - hier:

Autor: Dennis Kormanjos

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