19.02.2019

„Ich wünsche mir, dass so etwas nie wieder passiert“

Meiendorf-Trainer Baris Saglam spricht erneut über Abbruch vom Sonntag

„Wir wollen keine Punkte am grünen Tisch“, erklärt MSV-Coach Baris Saglam. Foto: Stefanie Balle

Zwei Tage sind seit dem Abbruch des Spiels zwischen dem HSV Barmbek-Uhlenhorst und dem Meiendorfer SV inzwischen ins Land gegangen. Die Emotionen kochten während und nach dem Spiel hoch. Wir haben mit Meiendorfs Trainer Baris Saglam noch einmal über die Geschehnisse vom Sonntag und die Zeit danach gesprochen.

„In der Nacht nach dem Spiel habe ich kein Auge zugemacht. Ich habe am Tag und am Abend viel mit meinen Spielern gesprochen und auch viele Nachrichten von anderen bekommen“, berichtet Saglam und blickt noch einmal an die Szene, die alles auslöste: „Es gab einen Zweikampf zwischen einem BU-Spieler und Max Rosseburg. Dann sieht es so aus, als ob Max nach dem Foul nochmal was machen wollte. Aber er hat sich zusammengerissen. Kevin Heitbrock und Michael Sara waren in der Nähe. Dann gibt es den Ausruf von der Tribüne in Richtung Kevin.“ Danach, so Saglam weiter, seien Heitbrock – und in der Folge weitere Spieler – über die Bande gesprungen und auf die Tribüne geeilt. „Als einige meiner Jungs dann auf der Tribüne gewesen sind, soll laut meiner Spieler das 'N-Wort' gefallen sein. Aber das müssen die Betroffenen selbst im Detail schildern“, erzählt Meiendorfs Übungsleiter.

„Wir haben sportlich 0:3 verloren und wollen keine Punkte am grünen Tisch“

Meiendorfs Co-Trainer Tobias Sävke (li.) mit Kevin Heitbrock, dem die Äußerungen von der Tribüne galten. Foto: Stefanie Balle

Nach einer anschließenden Rudelbildung auf dem Platz sei die Entscheidung gefallen, kollektiv in die Kabine zu gehen und nicht mehr weiterzuspielen. „Niklas Sabas und Samuel Hosseini von BU können bestätigen, dass mehrere meiner Spieler geweint haben“, sagt Saglam und erklärt: „Wenn das wieder passieren würde, würde ich immer wieder so handeln. Selbst, wenn wir 5:0 führen und meine Jungs entscheiden, dass die vom Platz gegen wollen: Wenn ich sehe, dass sie mental nicht mehr bereit sind und nicht mehr können und wollen, weil sie damit nicht nicht klarkommen, würde ich genau die gleiche Entscheidung treffen und wieder vom Platz gehen.“ Ein Punkt, der den MSV-Übungsleiter seit dem Vorfall beschäftigt: „Es ist traurig, die Äußerung auf unsere schwarze Trikotfarbe zu schieben. Ich hätte es begrüßt, dass derjenige, von dem die Äußerung kam, sich uns gegenüber erklärt. Man kann sich für etwas, was gesagt wurde, entschuldigen. Ob die Entschuldigung dann angenommen wird, ist jedem selbst überlassen. Das kann ich nicht beeinflussen.“ Und gibt noch einen weiteren Aspekt, den Saglam unbedingt ansprechen will.

„Auf Facebook und in Foren heißt es, wir wollen ein Wiederholungsspiel. Dazu kann ich nur sagen: Wir haben sportlich 0:3 verloren. Wir wollen keine Punkte am grünen Tisch. Es gibt wichtigeres als einen Sieg, eine Niederlage oder ein Unentschieden. Und zwar Gesundheit und die Würde des Menschen. Ob wir ein Spiel mehr gewinnen oder verlieren – das interessiert doch keinen. Es muss nur im Rahmen der Regeln ablaufen“, erläutert der MSV-Coach. „Selbst wenn Beleidigungen kommen, müssen meine Jungs darüber weghören und wir können nicht deswegen den Platz verlassen. Bei Gewalt und Rassismus kann ich es verstehen und gehe, wenn sie nicht mehr weiterspielen wollen, den Weg mit. Im Grunde soll Fußball nicht trennen, sondern verbinden. Wenn wir das schaffen, haben wir schon mal einen gewissen Punkt der Gesellschaft erreicht“, gibt Saglam zu Protokoll und ergänzt: „Es ist schade, dass BU-Trainer Marco Stier nicht unser Verhalten gegen Rassismus stärkt, obwohl er Spieler von uns mit afrikanischer Abstammung im Winter Angebote unterbreitet hat.“ Abschließend formuliert Saglam noch eine Hoffnung: „Ich wünsche mir, dass so etwas nie wieder passiert, das darf es einfach nicht. Wie eine Strafe ausfällt, entscheidet das Sportgericht.“

Jan Knötzsch

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