Kreisliga 7

„Ich konnte mir nicht vorstellen, an der Seitenlinie zu stehen – dann kam mit Krupunder ein cooles Projekt“

27. Oktober 2020, 16:52 Uhr

Früher Keeper, jetzt Co-Trainer: Boris Lastro assistiert beim SV Krupunder-Lohkamp Coach Dragan Graonic. Foto: noveski.com

Dass er das Ende seiner aktiven Karriere verkündet hat, liegt noch gar nicht allzu lang zurück. Es war im Juni 2020, als Boris Lastro erklärte, dass er künftig nicht mehr auf dem Platz zwischen den Pfosten stehen werde – zumindest nicht in Sachen Fußall. Für den Futsal, seine zweite Liebe, ließ er sich ein Hintertürchen offen. „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagte „Boki“ seinerzeit und blickte auf die böse Verletzung zurück, die ihm in den Monaten zuvor nur noch die Rolle als Zuschauer beschert hatte: „Der Meniskus war beschädigt, das Innen- und das Außenband gerissen, ich habe einen Knorpelschaden und die Kniescheiben-Halte-Apperate waren gerissen“, bilanzierte Lastro damals, „mein Arzt meinte zu mir, es wäre besser, wenn ich mir nur das Kreuzband gerissen hätte.“ 

Die Rolle als Zuschauer bleibt ihm auch weiterhin – doch wenn Boris Lastro nun an der Seitenlinie auf irgendeinem Fußballplatz in der Hansestadt oder der Umgebung steht, dann tut er dies in einer neuen Funktion: Der ehemalige Torhüter, der im Herrenbereich unter anderem für den VfL Lohbrügge, den FC Bergedorf 85, den Meiendorfer SV, den SC V/W Billstedt, den FC Elazig Spor, Dersimspor, Germania Schnelsen und Altona 93 aktiv war, ist seit Beginn der Saison als Co-Trainer beim SV Krupunder-Lohkamp tätig. „Wenn man so will, dann liegt's am Knie, dass ich den Job jetzt mache“, erzählt Lastro, „auch, wenn das Knie im Moment Besserung zeigt und mir das Gefühl gibt, dass ich in einem halben oder einem ganzen Jahr wieder spielen könnte.“

„Was die Trainer-Arbeit angeht, habe ich mir bei meinen letzten Stationen viel abgeguckt“

Boris Lastro (Mitte) bei seiner offiziellen Vorstellung als neuer Co-Trainer des Kreisligisten. Foto: Verein

So ganz ohne Fußball, lacht Lastro, „kann ich irgendwie nicht. Ich habe zwar nach dem Ende meiner Karriere gesagt, dass ich mich gerne auf den Job konzentrieren und nicht mehr vier bis fünf Mal in der Woche Training haben möchte. Aber ich habe auch gemerkt: Es fehlt etwas. Und dann kam mit Krupunder ein cooles Projekt.“ Die Verbindung liegt nahe: Beim Club aus der Kreisliga 7 kickt mit dem Ex-Bachelorette-Kandidaten Filip Pavlovic einer der besten Kumpels von Lastro. „Er“, so verrät uns der Ex-Keeper, „war aber nicht der alleinige Grund, dass ich dorthin gegangen bin. In Krupunder spielen einige andere meiner Freunde – unter anderem war auch Djordje Milanovic, der jetzt zu TBS Pinneberg gewechselt ist, dort. Auch Trainer Dragan Graonic kenne ich seit langer Zeit, weil er vor Jahren mal versucht hat, mich als Trainer zu TBS zu holen. Das hat damals aber nicht geklappt.“ Nun aber kam's zur Zusammenarbeit – und „ich sammle jetzt meine ersten Erfahrungen als Co-Trainer in der Kreisliga“, erzählt „Boki“, der „am Anfang voller Tatendrang war“, ehe ihm eine Corona-Infektion „erstmal einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Wir waren Anfang August in Kroatien, als das noch kein Risikogebiet war und haben bei der Rückkehr spaßeshalber den Test gemacht. Das hat mich erstmal außer Gefecht gesetzt, obwohl ich total Bock hatte auf die Aufgabe.“

„Dragan wurde zwei Mal wegen mir verwarnt – da kommt bei mir halt das Impulsive noch durch“

Wegen einer Knieverletzung beendete der 27-Jährige im Sommer 2020 seine Laufbahn als Fußballer. Foto: noveski.com

Dass er den Posten angetreten habe, sei letztlich „eine spontane Sache“ gewesen, konstatiert der 27-Jährige und ergänzt: „Ich habe immer gesagt: Ich werde kein Trainer, weil ich mir nicht vorstellen konnte, an der Seitenlinie statt auf dem Platz zu stehen.“ Inzwischen hat „Boki“ die ersten Einsätze in neuer Funktion bereits hinter sich gebracht: „Man fiebert draußen mit und ist aufgeregt“, so der Ex-Torhüter, der auch schon die ersten Anekdoten aus der neuen Rolle erzählen kann. „Beim zwischenzeitlichen Treffer zum 2:1 bei unserem 3:2-Sieg gegen Cosmos Wedel bin ich jubelnd auf den Platz gelaufen und Dragan Graonic hat dafür die Gelbe Karte gesehen. In der Woche davor auch schon. Er hat zu mir gesagt, dass er nie viele Gelbe und nur ein Mal in seiner Karriere eine Rote Karte gesehen habe, aber jetzt wegen mir schon zwei Mal in zwei Wochen verwarnt wurde. Da kommt bei mir halt noch das Impulsive durch“, grinst Lastro, der unter anderem „natürlich das Warm-Up mit den Keepern macht. Aber es ist schon so, dass ich ein richtiger Co- und nicht nur Torwart-Trainer bin. Ich bin so gesehen Dragans helfende Hand und leite auch mal allein das Training. Ich habe ja noch ziemlich viele Übungen im Kopf, weil ich aus der Position als Spieler schließlich noch nicht so lange raus bin.“

„Ich will nicht ausschließen, dass ich nochmal spiele, wenn sich das Knie wie ein komplett neues anfühlt“

Mit seinem Verein peilt Co-Trainer Lastro den Aufstieg aus der Kreis- in die Bezirksliga an. Foto: noveski.com

Was die Trainer-Arbeit angeht, „habe ich mir bei meinen letzten Stationen viel abgeguckt. Von Dennis Kreutzer und Gökhan Acar zum Beispiel, als ich unter beiden in Billstedt gespielt habe. Auch die Station in Lohbrügge bei Elvis Nikolic und Sven Schneppel war ziemlich hilfreich. Ich versuche, in meiner Co-Trainer-Rolle die Jungs zum Beispiel nicht nur konditionell nach vorn zu bringen, sondern das auch mit spielerischen Elementen zu kombinieren. Man muss immer dafür Sorgen, dass man den Spaß beibehält“, berichtet „Boki“, der in Sachen eigener Karriere als Aktiver befindet: „Stand heute bin ich Co-Trainer, fühle mich in dieser Rolle wohl und möchte sie auch beibehalten. Aber man soll niemals nie sagen. Ich will nicht gänzlich ausschließen, dass ich nochmal spiele, wenn alles problemfrei läuft und sich das Knie wie ein komplett neues Knie anfühlt. Wenn das passiert, will ich aber nicht in der Ober-, sondern in der Landes- oder Bezirksliga spielen.“ Apropos Bezirksliga: Den Aufstieg dorthin nimmt der SV Krupunder-Lohkamp „jetzt schon seit zwei, drei Jahren in Angriff. Bislang hat das nicht geklappt. Aber ich glaube, dass wir jetzt gute Jungs dazu geholt haben“, gibt Lastro mit Blick auf Kicker wie Robert Subasic und Gabriel Subasic zu Protokoll. Und auch der Teamcharakter stimme, so der Ex-Keeper, der jetzt mit Freunden wie Filip Pavlovic, Ilja Subasic, Damir Solomun oder Amrin Bjelak zusammenarbeitet. „Wir unternehmen auch außerhalb des Platzes viel“, verrät Lastro. Vielleicht ja im kommenden Sommer auch bei einer gemeisnamem Aufstiegs-Party...

Jan Knötzsch

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