RL Nord (Nord-Staffel)

„Ich fange jetzt nicht damit an, irgendwelche Wenn-Dann-Szenarien oder Druck aufzubauen“

13. Oktober 2020, 08:30 Uhr

Am kommenden Sonntag trifft Trainer Andreas Bergmann im „Kellerduell“ mit dem AFC auf den Heider SV. Foto: noveski.com

Es bedarf nicht unbedingt großer Fähigkeiten in Sachen Mathematik, um festzustellen, dass drei Punkte aus sieben Spielen, in denen man insgesamt 21 Zähler hätte einfahren können, eine doch eher dürftige Bilanz sind. Genau diese drei Zähler weist derzeit das Konto des Altonaer Fußball-Club in der Tabelle der Nord-Staffel der Regionalliga Nord auf. Im Klassement bedeutet dies für den AFC den zehnten Platz. Damit ist die Mannschaft von Trainer Andreas Bergmann Vorletzter. Die Abstiegsrunde gegen die Vertreter aus der Süd-Staffel winkt bereits am Horizont. Am kommenden Sonntag (Anstoß: 14 Uhr) kommt's nun auf dem Rasen der Adolf-Jäger-Kampfbahn zum „Kellerduell“ mit Schlusslicht Heider SV, vor dem Coach Bergmann auf die bisherigen Spiele zurück- und den weiteren Saisonverlauf vorausblickt. 

Das letzte bisschen Feuer, das seiner Equipe in den bisherigen Spielen vielleicht fehlte, um mehr als nur ein Mal als Sieger den Platz zu verlassen (der AFC gewann am 23. Sepztember daheim mit 2:1 gegen die Reserve von Holstein Kiel, Anm. d. Red.), sieht Bergmann nicht als Problem. „Nein, überhaupt nicht. Wir haben auch gegen Eintracht Norderstedt alles versucht und nicht nachgelassen. Wenn, dann ist vielleicht die Überzeugung eine Sache, die fehlt. Aber wir müssen das Norderstedt-Spiel jetzt abhaken, weil für uns am Sonntag schon die nächste Partie auf dem Programm steht“, lässt der Trainer, der die Mannschaft erst in diesem Sommer übernahm, verlauten.

„Wenn, dann ist vielleicht die Überzeugung eine Sache, die fehlt“

Nikola Kosanic (vo.) fehlte den Altonaern am zurückliegenden Sonntag gegen Norderstedt und ist damit nur ein Kicker, den AFC-Trainer Bergmann derzeit ersetzen muss. Foto: noveski.com

Das aber heißt nicht, dass der Ex-St. Pauli-Coach nicht noch weiter in die Analyse einsteigt. Die Sache mit der Überzeugung verhalte sich so, erklärt Bergmann: „Gegen Norderstedt sind mit Amel Gohoua und Dominik Akyol zwei Spieler reingekommen, die Zeit brauchen.“ Da, so Bergmann, könne man kein Feuerwerk erwarten. „Ich habe einige Jahe mit jungen Mannschaften gearbeitet und bin mit U23-Teams anfangs schleppend auf die Füße gekommen und der Drive kam erst in der zweiten Phase der Saison. Ich weiß, dass ich hier keine U21 habe, aber wir haben viele junge und unerfahrene Spieler im Kader, die zum Teil aus unteren Ligen kommen. Zudem hat die Mannschaft vorher nicht viele Erfolgserlebnisse gehabt. Das Ganze zusamen macht es vielleicht verständlicher“, arbeitet Bergmann heraus, warum es für ihn und seine Schützlinge bislang alles andere als rosig verläuft.

Und dennoch: Verbal auf sein Team einschlagen will der 61-Jährige keineswegs. „Da jetzt Druck auszuüben halte ich nicht für richtig. Ich würde Druck ausüben, wenn die Jungs nicht alles geben würden“, sagt Bergmann. Genau dies aber sei nicht der Fall, betont der Übungsleiter der Altonaer: „Die Jungs zerreißen sich in jedem Training.“ In den Spielen aber, das ist beim Blick auf die nackten Zahlen offensichtlich, reicht's derzeit nicht. „Die Spieler müssen Stück für Stück wachsen. Das hat nichts mit Nicht-Wollen zu tun. Gegen Norderstedt war es so, dass einige Spieler einfach nicht in ihre Form gekommen sind. Da gehört nicht immer nur die Einstellung dazu. Das passiert durch viele Dinge. Dennoch haben sie bis zum Schluss versucht, sich Situationen zu erarbeiten. Dabei haben wir aber sehr oft die falsche Lösung gefunden. Wir haben zum Beispiel den Ball zu lang geschleppt, es wurde zu eng und dann haben wir doch noch den Pass gespielt. De Mannschaft fehlt die spielerische Sicherheit.“

„Man tut den Jungs unrecht, wenn man sagt, dass sie nicht an ihre Grenzen wollen“

Sorgenvolle Blicke in die Zukunft? Der Sportliche Leiter Richard Golz, Coach Andreas Bergmann und sein Assistent Philipp Körner (v. li.). Foto: noveski.com

Obendrein, so der Coach, sei da ja auch noch die Personallage. „Wir haben da seit längerer Zeit viele Probleme. Die Ausfälle tun uns teilweise noch mehr weh als Norderstedt“, bekannte Bergmann, nachdem „EN“-Trainer Jens Martens am Sonntag nach dem Spiel der beiden Regionalliga Nord-Konkurrenten auf die angespannte Situation bei den Norderstedtern einging. „Uns fehlt jetzt zum Beispiel Hendrik Bombek. Ein Junge, der in den letzten Wochen in seiner Rolle gewachsen ist. Diesmal mussten wir zudem kurz vor dem Spiel noch den Ausfall von Nikola Kosanic hinnehmen, von dem wir gehofft hatten, dass er dabei ist. Und dann musste auch noch Leon Mundhenk vorzeitig runter“, so Bergmann. Man tue allerdings dem verbliebenen Personal „Unrecht, wenn man sagt, dass sie nicht an ihre Grenzen wollen. Wir hatten einige Spiele, in denen wir gute Leistungen gezeigt haben. Gegen den LSK zum Beispiel, auch gegen St. Pauli II war es ein ordentliches Spiel.“ 


„Und ich bleibe dabei: Auch gegen Teutonia war es phasenweise richtig gut, was wir gemacht haben“, konstatiert Bergmann. Aber: „Wenn du die Belohnung am Ende nicht bekommst, ist es selbstverständlich, dass du an der Überzeugung noch ein bisschen arbeiten musst. Und genau daran arbeiten wir: Die Jungs dürfen daran nicht verzweifeln“, so der Altona-Coach. Verzweifeln vielleicht nicht, aber steht der AFC gegen Heide am kommenden Wochenende nicht dennoch bereits unter Siegzwang? „Das ist schon eine Situation, in der es uns gut tun würde, wenn wir erfolgreich wären“, gibt der 61-Jährige zu Protokoll, schränkt aber auch direkt ein: „Ich fange jetzt gar nicht damit an, irgendwelche Wenn-Dann-Szenarien aufzubauen oder Druck auszuüben. Wir haben immer noch die Situation, dass es danach eine zweite Nummer gibt und wir in der Abstiegsrunde auf die Mannschaften aus der anderen Staffel treffen.“ Und was das angeht, „habe ich die Hoffnung, dass wir es am Ende schaffen“, verrät Bergmann abschließend. 

Jan Knötzsch

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