Regionalliga Nord

„Ich bin mental sehr stark – aber das war auch für mich eine Challenge“

05. März 2020, 19:31 Uhr

Ein seltenes Bild: Seit fast einem Jahr konnte Benjamin Safo-Mensah nicht mehr für Altona 93 auf dem Platz stehen. Foto: KBS-Picture.de

Es war im Mai 2019. Damals noch in der Oberliga. Im Heimspiel gegen den SV Rugenbergen musste Benjamin Safo-Mensah in der zweiten Hälfte ausgewechselt werden. In der Pressekonferenz nach dem Spiel hatte Berkan Algan, der Trainer von Altona 93, noch Hoffnung, dass die Verletzung seines Abwehrspielers nicht so schlimm sei. Doch das blieb Wunschdenken: Noch am gleichen Abend meldete der AFC auf seinen Social Media-Kanälen, dass sich Safo-Mensah einen Riss der Achillessehne zugezogen habe. Seitdem ist der 23-Jährige außer Gefecht. Wir haben mit ihm über seinen bisherigen Werdegang, den Moment der Verletzung, die Leidenszeit und Rückschläge in der Reha sowie die aktuelle Situation bei den Kickern von der Griegstraße gesprochen. 

Benjamin, vorweg die erste Frage, die man einem Spieler, der so lang ausfällt wie du, stellen muss: Wie geht es dir?

Benjamin Safo-Mensah: Mir geht’s immer gut. Ich bin jemand, der versucht, das Sportliche vom restlichen Leben zut rennen. Klar: Ich kann derzeit keinen Fußball spielen, aber es gibt Schlimmeres. Von daher bleibe ich positiv und schaue nicht zurück, sondern nach vorne.

Du hast jetzt seit fast einem Jahr nicht mehr in einem Spiel für Altona 93 auf dem Platz gestanden. Wie schwer fällt dir das?

Safo-Mensah: Da ist schon sehr hart. Ich bin vorher noch nie richtig lange ausgefallen, hatte vielleicht mal ein paar Wehwehchen – aber eben keine große Verletzung wie jetzt den Achillessehnenriss. Ich bin damals extra nach Altona gewechselt, weil ich Bock auf die Regionalliga hatte. Ich wollte dort Spielpraxis sammeln, weil ich die vorher bei Weiche Flensburg nicht so richtig bekommen habe.

Wie sind deine Erinnerungen an das Spiel im Mai 2019 gegen Rugenbergen?

Safo-Mensah: Ich weiß noch, dass wir in der ersten Halbzeit schwer ins Spiel reingefunden haben. Es war ein schwieriges Spiel, aber wir standen hinten – so wie davor auch oft schon – gut. In der zweiten Halbzeit ist es dann auch insgesamt besser geworden. Tja, und dann kam dieser lange Ball... Ich wollte ihn aus der Drehung nehmen und habe einen Schritt gemacht. Dann habe ich gemerkt, wie es laut geknallt hat. Das habe ich bis dahin noch nie gehört.

Wusstest du direkt, dass es eine schlimmere Verletzung ist und dir eine lange Pause droht?

Statt auf dem Feld verfolgt Safo-Mensah (Zweiter v. re.) das Geschehen seit dem Mai 2019 als Zuschauer, hat aber eine klare analyse der Situation beim AFC parat. Foto: KBS-Picture.de

Safo-Mensah: Ich habe erst gedacht, dass hinter mir jemand gestanden hätte, der mir in die Ferse getreten hätte. Aber als ich mich umgedreht habe, stand da keiner. Mir ist schon recht schnell bewusst gewesen, dass es etwas Schlimmeres sein könnte.

Stichwort lange Pause: Wie oft denkt man in so einer Phase ans Aufgeben?

Safo-Mensah: Ich bin mental sehr stark – aber das war auch für mich eine Challenge. Aber wenn ich ehrlich bin: Sicherlich gab es Phasen, wo ich darüber nachgedacht habe, warum ausgerechnet mir das passiert ist oder wie es nun weitergeht. Ich bin anfangs täglich im UKE (Universitäsklinikum Eppendorf, Anm. d. Red.) gewesen. Da sieht man dann Menschen, die es viel schlimmer erwischt hat. Krebskranke Kinder zum Beispiel. Ich habe mir ein positives Mindset angeeignet, dass ich weiter Gas geben muss.

Aber es gab ja auch Rückschläge. Zuletzt eine Verletzung am Innenband. Wie kam's dazu, wie ist da der Stand der Dinge?

Safo-Mensah: Ich habe im Aufbautraining vor zwei Wochen beim Pass-Spiel eine dumme Bewegung gemacht und ein Knacken im Knie gehört. Da ging direkt das Kopfkino los und ich habe gedacht: Das ist was ganz schlimmes! Ich musste mit dem Krankenwagen abgeholt werden. Der Arzt hat dann schon eine erste Entwarnung gegeben. Zunächst hieß es, dass es ein Meniskus- oder Kreuzbandanriss wäre. Das wäre für mich ein Schick gewesen. Ich habe sofort gedacht: Nein, das willst du jetzt nicht. Gerade in dem Moment nicht, wo es im Training bergauf geht. Dann haben wir ein MRT gemacht und das wurde mit einem MRT aus dem Juli verglichen. Ich hatte Glück im Unglück: Es ist nur ein Innenbandanriss, der mich vier bis sechs Wochen lang aus der Bahn wirft

Das heißt, der AFC wird noch eine gewisse Zeit lang ohne dich auskommen müssen. Gibt's einen Zeitplan, wann du zurück sein willst?

Konzentrierter Blick aufs Geschehen: Der 23-Jährige (re.) beim Oberliga-Spiel gegen Dassendorf in der vergangenen Spielzeit. Foto: KBS-Picture.de

Safo-Mensah: Vor der Geschichte mit dem Knie habe ich mich unter Druck gesetzt. Ich wollte gerne im Dezember oder im Januar wieder einsteigen. Dann habe ich gemerkt, dass das schwer wird, weil mir meine Wade ein paar Probleme gemacht hat nach der Sache mit der Achilessehne. Also hatte ich mir danach den Februar oder März als Ziel gesetzt. Jetzt ist es inzwischen so, dass ich mir ganz viel Zeit lasse und keinen Zeitraum vornehme, in dem es klappen muss.

Wie beurteilst du als Außenstehender die Siuation von Altona 93 in der Regionalliga?

Safo-Mensah: Da ist eine komische Situation. Es war zu erwarten, dass wir wieder unten drin stecken würden. Einige kennen das ja schon aus der letzten Saison, in der Altona in der Regionalliga war. Es heißt jetzt einfach: Von Spiel zu Spiel denken und Gas geben. Was ich aus Sicht eines Verteidigers sagen kann: Wir machen zu dumme Fehler – und die werden in der Regionalliga hart bestraft. Einige Spieler im Kader müssen noch mehr im Herreinfußball ankommen. Wir brauchen insgesamt auch mehr Cleverness und Abgeklärtheit.


Auf der zweiten Seite spricht Benjamin Safo-Mensah darüber, wie realistisch der Nicht-Abstieg von Altona 93 ist, warum es für ihn beim HSV nicht zum Sprung in den Profibereich gereicht hat und wie er seine Zukunft sieht

Seite 1 / 2 Nächste Seite >
Kommentieren