Oberliga-Abstiegsrunde

HUFC-Erleichterung nach (vermeintlicher) Last-Minute-Rettung: „So eine beschissene Saison möchte ich nie wieder erleben!“

14. Mai 2022, 09:30 Uhr

Jubel beim Hamm United FC nach dem Last-Minute-Klassenerhalt und dem 5:2-Auswärtssieg in Tornesch. Foto: noveski.com

Als der Abpfiff ertönte, kannten Jubel und Erleichterung keine Grenzen mehr! „Totgesagte leben länger“, war den Verantwortlichen des Hamm United FC zu entnehmen. Als hätte man all die Kraft, all den Fokus und all die Qualitäten für dieses eine, letzte Spiel aufbewahrt. Ausgerechnet beim FC Union Tornesch, dem Team, das in der Vorwoche einen 0:2-Pausenrückstand gegen HUFC-Abstiegskontrahent VfL Lohbrügge wettmachte und nach furioser zweiter Halbzeit mit 4:2 am „Binner“ gewann, waren die „Geächteten“ zum Siegen verdammt.

Eliakim Kukanda (li.) bejubelt sein Tor zum 4:2 mit Bazier Sharifi (Mi.) und Sulieman Omar. Foto: noveski.com

„Wir werden alles geben, um auch Hamm zu schlagen!“, versprach Tornesch-Trainer Thorben Reibe in der Vorwoche. Doch seine Unioner waren wohl schon mit den Köpfen auf „Malle“. Während die Gäste aus dem Hammer Park genau wussten, was auf dem Spiel stand. „Wir sind rausgekommen, wollten und mussten logischerweise gewinnen. Das haben wir von Anfang an gezeigt! Wir waren aggressiv und haben die Tore zum richtigen Zeitpunkt gemacht“, freute sich HUFC-Coach Sidnei Marschall über den frühen Führungstreffer durch Demian-Coray Wicke und die Tore von Tevin Tafese (43.) sowie Rodrigo Baroni (45.) unmittelbar vor der Pause.

"Wir machen Fehler und laden den Gegner zu Toren ein"

Der Moment, als das 2:1 für Rugenbergen auf der Hamm-Bank durchsickert. Foto: noveski.com

„In der Halbzeit haben wir angesprochen, dass wir nicht nachlassen dürfen. Letzte Woche hat Tornesch auch einen 0:2-Rückstand aufgeholt“, warnte Marschall vor den Comeback-Qualitäten der Hausherren. „Aber wie schon so oft, haben einige Spieler irgendwelche Ideen, wir machen Fehler und laden den Gegner zu Toren ein“, haderte der Hamm-Coach – und musste plötzlich wieder zittern. Erst gelang Christian Kulicke in seinem letzten Spiel für Tornesch unmittelbar nach Wiederanpfiff das 1:3 (50.), dann verkürzte Torjäger Björn Dohrn per Strafstoß sogar auf 2:3 (71.). „Ein lächerlicher Elfmeter!“, wütete Marschall. „Der Spieler ist eine Milliarde Prozent vorher am Ball!“ Tatsächlich spielte Alessandro Damaschke zunächst das Leder. Dennoch zeigte Referee Paul Dühring (SVNA) auf den Punkt.

"Als Rugenbergen in Führung gegangen ist, war uns klar, dass wir es geschafft haben"

Der Jubel nach dem Schlusspfiff bei Hamm-Coach Sidnei Marschall (re.) und seinem "Co" Robert Pietruschka (li.). Foto: noveski.com

Aber Hamm ließ sich auch davon nicht beirren oder aus der Bahn werfen. Den Druck schüttelte man komplett ab. Insbesondere der in den letzten Wochen und Monaten weit hinter seinen Möglichkeiten gebliebene und enttäuschende Eliakim Kukanda war nicht zu stoppen, drehte im Torneum so richtig auf und machte mit seinem Tor zum 4:2 alles klar (79.)! Baroni sorgte schließlich noch für den 5:2-Endstand (88.) – und die Rettung der „Geächteten“ durch die parallele 1:4-Niederlage von Lohbrügge in Rugenbergen. „Wir waren live dabei“, verriet Marschall, dass man mit einem Auge nach Bönningstedt schielte. „Als Rugenbergen in Führung gegangen ist, war uns klar, dass wir es geschafft haben, auf den sechsten Platz zu rutschen.“

"Eine richtig, richtig beschissene Saison!"

Freude und Erleichterung machten bei den "Geächteten" nach Schlusspfiff die Runde. Foto: noveski.com

Den vermeintlich rettenden sechsten Platz, der aber eben noch nicht zu 100 Prozent zum Klassenerhalt reicht. Sollte nämlich der FC St. Pauli II noch aus der Regionalliga absteigen, wäre auch Hamm in arger Not. Aber zumindest hat man die eigenen Hausaufgaben gemacht! „Eine richtig, richtig beschissene Saison! Wir müssen das Jahr einfach nur abhaken. Das hat so viel Kraft gekostet. Deshalb bin ich einfach nur froh, dass es vorbei ist“, machte Marschall keinen Hehl daraus, dass die Spielzeit auch massiv am Nervenkostüm gezehrt hat. „So eine Saison möchte ich in meinem Leben nie wieder haben oder erleben! Das hatte ich so auch noch nie – weder als Spieler noch als Trainer. Einfach zum Vergessen! Aber jetzt geht der Blick nach vorne.“

Autor: Dennis Kormanjos

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