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HR bringt TuRa zu Fall - aber: „Das Schlimmste wäre der Aufstieg“

Harksheide kassiert erste Pleite - Barthel sieht Willen und die HR-Tugenden

13. Oktober 2019, 19:11 Uhr

Den Elfmeter zur Führung holt er raus, das 2:0 markierte er selbst: Daniel Diaz Alvarez (li.). Archivfoto: KBS-Picture.de

Mit den Worten "Bei van der Vaart ist nicht so viel los wie hier - auf jeden Fall nicht mehr Gelbe Karten" verabschiedete der Stadionsprecher der SV Halstenbek-Rellingen die 150 Besucher auf dem Jacob-Thode-Platz. Tatsächlich hatte Schiedsrichter Dominik Kopmann (Eintracht Norderstedt) die Kärtchen ziemlich locker sitzen, sprach auf dem Platz neun Verwarnungen aus, zeigte HR-Coach Heiko Barthel sowie der TuRa-Bank den gelben Karton und Barthel-Co Sascha Bernhardt sogar die Ampelkarte. Doch Fußball wurde am Lütten Hall auch gespielt - am Ende mit dem besseren Ende für die Hausherren, die TuRa Harksheide die erste Saison-Niederlage beibrachten (alle Highlights im LIVE-Ticker)!

Felix Hennings (Mi.) musste bei den Hausherren früh verletzungsbedingt raus. Foto: Kormanjos

"Beide Mannschaften haben in der letzten Woche auf die Mütze bekommen", wusste Heiko Barthel um die Vorzeichen. "Wir haben bei HEBC kein Land gesehen", blickte er zurück. Und TuRa? "Ich kann nicht beurteilen, mit welcher Mannschaft sie gegen Osdorf gespielt haben - aber ein 0:6 ist trotzdem eine klare Ansage." Dementsprechend ging es im Verfolgerduell zwischen dem Tabellenvierten und dem Rangzweiten darum, "dass das Pendel wieder in die richtige Richtung ausschlägt". Stellte sich nur die Frage, für wen? TuRa hatte "in den ersten zehn bis 15 Minuten ein paar Probleme mit dem für uns ungewohnten Platz", wie Co-Trainer Elbasan Latifaj, der den urlaubenden Jörg Schwarzer vertrat, befand. Aber mir fortlaufender Spielzeit übernahm der ärgste HEBC-Widersacher die Spielkontrolle, lief allerdings einen frühen Rückstand hinterher. HR-Kapitän Marcel Schöttke verwandelte einen von Paul Smit an Daniel Diaz Alvarez verursachten Foulelfmeter zum 1:0 für den Gastgeber (16.). "Danach schwimmen wir komplett und retten uns mit Glück in die Halbzeit", konstatierte Halstenbeks Co-Trainer Sascha Bernhardt, der in der 77. Spielminute wegen wiederholten Reklamierens von der Bank verwiesen wurde, beim anschließenden Pressegespräch.

„Wenn sie da zurückkommen, kippt das Spiel“

Hendrik Ebbecke (re.) feierte seinen 28. Geburtstag mit einem Sieg. Foto: KBS-Picture.de

Im zweiten Durchgang hatte Pascal Ehrenberg nach feinem Zuspiel von "Elfmeter-Sünder" Smit die dicke Ausgleichschance, scheiterte aber an Niklas Marten, der mit dem Fuß glänzend entschärfte (54.). "Ich glaube, wenn sie da zurückkommen, dann kippt das Spiel. Das hätte uns runtergezogen und ich kenne den Charakter meiner Spieler und glaube, dass wir uns dann schwer getan hätten, wieder aufzustehen", gestand Barthel. Statt 1:1 hieß es wenige Augenblicke später 2:0, weil der zur zweiten Hälfte eingewechselte Enzo Simon einen Freistoß aus der eigenen Hälfte per Kopf verlängerte und D. Diaz Alvarez vor Abou Fofana eiskalt blieb (56.). "Danach war es endlich mal wieder so, wie HR hier jahrelang Fußball gespielt hat: Es ging über den Kampf und die Jungs haben alles reingeknallt, was ging", so Barthel, der genau diese Mentalität von seinen Mannen einforderte: "Mir war heute komplett wichtig, dass wir uns nicht nochmal so ergeben können wie in der letzten Woche, wo wir keinen Zweikampf gewonnen haben. Es ging gar nicht darum, ob man hier auf diesem Platz einen Doppelpass spielen kann oder nicht. Ich wollte einfach nur, dass wir dagegenhalten."

Ivanko als „Boss auf dem Platz“ und mit Sonderlob bedacht

Dario Ivanko zeigte als Innenverteidiger eine ganz starke Leistung. Archivfoto: KBS-Picture.de

Das hat seine Elf mit Bravour getan - vor allem ein Akteur verdiente sich ein Sonderlob: Dario Ivanko. In der Innenverteidigung warf der 22-Jährige alles in die Waagschale, bekam immer wieder entweder noch den Fuß oder das Bein dazwischen, erstickte einige TuRa-Angriffe mit vollem Einsatz im Keime, und war auch am Führungstreffer mit seinem Pass auf den letztlich gefoulten D. Diaz entscheidend beteiligt. "Durch den Ausfall von Mike (Theis; Anm. d. Red.) habe ich im Abschlusstraining gefragt: 'Wer ist heute der Boss auf dem Platz?' Da hat Dario den Arm gehoben und gesagt, dass er die Ansagen macht", verriet Barthel hinterher. "Aber nur weil du den Arm hebst, bist du noch lange nicht der Boss. Da musst du ja reinwachsen und Erfahrungen sammeln." Doch Ivanko lieferte ab. "Er war auch letzte Woche schon der einzige, der Zweikämpfe gewonnen hat", so Barthel, der ausführte: "Es ist ja eigentlich eine 'Notgeburt-IV', weil wir letztes Jahr nach meiner 'Revolution' keine Spieler mehr hatten. Daraufhin hat er gesagt, dass er die Aufgabe annimmt. Und ich kenne kaum einen Spieler, der so viele Zweikämpfe gewinnt oder so energisch in den Raum reinstößt, weil er auch ein unglaubliches Tempo hat. Sein eigentliches Problem ist ja, dass er ein Spiel macht und dann wieder drei Wochen verletzt ist. Jetzt hat er mal eine Serie an Spielen und man merkt sofort, dass er im Rhythmus ist." Auch wenn er sich zwischenzeitlich immer wieder an den Oberschenkel griff und schon in der Halbzeit das Signal sendete, dass es wohl nicht weitergehen würde. Letztlich hielt Ivanko aber bis zum Schluss durch.

„Wir sind noch ganz weit weg von der Oberliga“

„Wir sind noch ganz weit weg von der Oberliga“, sagte HR-Coach Heiko Barthel nach dem 2:0-Sieg gegen den Tabellenzweiten. Foto: KBS-Picture.de

Während Harksheide vor allem mit dem frühen Rückstand haderte (Latifaj: "Das spielte denen natürlich in die Karten - insbesondere vom Spielstil her. Wenn man 60, 70 Minuten auf diesem Platz gespielt hat und immer wieder angerannt ist, ist es ganz normal, dass die Kräfte und die Konzentration ein bisschen nachlassen"), ist sich der spielende Co-Trainer nach der ersten Saison-Schlappe sicher: "Das wirft uns nicht um!" Den zweiten Platz hat man nach wie vor inne, einzig der Vorsprung auf HR ist bis auf fünf Zähler zusammengeschmolzen. Eine Situation, mit der sich Heiko Barthel derweil "überhaupt nicht beschäftigt", wie er vehement zu Protokoll gab, ehe er seine Sicht begründete: "Es interessiert mich nicht, wie viele Punkte es auf Platz zwei sind oder was HEBC macht. Das ist völliger Blödsinn! Wenn eine Mannschaft, die in der Landesliga ungeschlagen ist, gegen eine durchschnittliche bis gute Oberliga-Mannschaft - und das ist in beide Richtungen überhaupt nicht despektierlich gemeint, denn ich nehme die ganzen 'Geldvereine' oder Clubs mit größerem Volumen mal raus - sechs Stück kriegt, dann würde ich sagen: Willkommen im Leben", sprach er auf die deutliche Pokal-Pleite von Harksheide gegen Osdorf an, um zu verdeutlichen: "Eigentlich müsste man ja meinen, das ist ein Duell auf Augenhöhe, wenn man aufsteigt." Deshalb: "Das Schlimmste, was momentan passieren kann, ist der Aufstieg." Die Spanne zwischen beiden Ligen sei zu groß. "Das sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe. Alle anderen Mannschaften, außer HEBC, tun sich in dieser Liga schwer. Wir sind noch ganz weit weg von Oberliga. Ja, ich will jedes Spiel gewinnen - aber ich will dieses Wort absolut vermeiden."

Autor: Dennis Kormanjos

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